M STRESS: Farista Amiri und Fatima Mohammadi gehören zu den fleißigen Näherinnen beim Flüchtlingsfrauenprojekt Weltfaden. Initiatorin Ute Kretschmer-Risché bringt neue Stoffe vorbei, damit die Produktion weitergehen kann.
IM STRESS: Farista Amiri und Fatima Mohammadi gehören zu den fleißigen Näherinnen beim Flüchtlingsfrauenprojekt Weltfaden. Initiatorin Ute Kretschmer-Risché bringt neue Stoffe vorbei, damit die Produktion weitergehen kann. | Foto: Collet

„Weltfaden“ in Rastatt

Hohe Nachfrage: Rastatter Näherinnen kommen mit selbst genähten Masken nicht mehr nach

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Nicht erst seit der Maskenpflicht in Baden-Württemberg ist die Nachfrage beim Rastatter Projekt „Weltfaden“ groß. Bereits etwa 4.000 Schutzmasken haben geflüchtete Frauen in Rastatt schon genäht und verkauft. Wegen der hohen Nachfrage kam es nun zu einem Bestellstopp.

Der absolute Renner ist die Maske mit der Aufschrift „Krisenheldin“. Aber auch das Superman-Motiv und das Modell Schwarzwald mit Bollenhut sind ausverkauft. Nicht erst, seit die baden-württembergische Landesregierung ab kommenden Montag eine Maskenpflicht in Bussen und Bahnen sowie beim Einkaufen vorgeschrieben hat, laufen die Telefondrähte beim Rastatter Flüchtlingsfrauen-Projekt Weltfaden heiß.

„Das ist ein gigantisches Projekt geworden. Wir haben etwa 4.000 Masken genäht, können derzeit keine Neubestellungen mehr annehmen, nur noch kleine Stückzahlen für Privatpersonen, Familien oder soziale Organisationen“, erklärt Initiatorin Ute Kretschmer-Risché. Anfragen von Firmen, die 1.000 Masken pro Woche und mehr ordern wollen, lehnen die Schneiderinnen ab.

Flüchtlingsfrauen fertigten bereits über 4.000 Masken

„Wir wollten den Frauen die Möglichkeit geben, einmal in der Woche aus ihrer familiären Situation herauszukommen“, blickt Ute Kretschmer-Risché zurück auf die Anfänge von Weltfaden, einem Projekt des Vereins Junge Flüchtlinge Rastatt. Insgesamt 26 Frauen aus Afghanistan, Kamerun oder Syrien treffen sich seit einem halben Jahr zum Nähen, Reden und Tee trinken im Gemeindehaus St. Alexander.

Nachdem diese Treffen wegen Corona nicht mehr möglich waren, begannen sie, zu Hause die ersten Masken zu nähen. „Die Frauen sagen, sie wollen etwas zurückgeben.“ Mittlerweile sind auch viele Frauen aus Rastatt und dem Murgtal zum Team hinzugestoßen und machen mit.

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Die selbst genähten bunten Masken sind gegen eine Spende erhältlich und haben sich zwischenzeitlich auch zu einem modischen Accessoire entwickelt. Selbst Pariser Luxuslabels vertreiben mittlerweile ihre Kreationen für gut betuchte Kundinnen – bislang überwiegend im arabischen und asiatischen Raum.

Männer sind optisch weniger mutig

Die Herren der Schöpfung sind da zumindest im badischen Raum zurückhaltender: „Männer wollen die Krawatte im Gesicht tragen“, so die Feststellung von Ute Kretschmer-Risché. Krawattenfloralprint nennt sich das derzeit angesagteste Männerdesign.

Erhältlich sind die Weltfaden-Masken über die Homepage oder in der Zay-Apotheke. „Es hatte sich ja abgezeichnet, dass eine Maskenpflicht kommt, seither ist die Nachfrage extrem gestiegen“, sagt Apothekerin Kristin Meyer. „Im Internet bekommt man Masken für Horrorpreise.“ Findige Geschäftemacher nutzen die aktuelle Situation aus.

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Auch beim Rastatter DRK werden Behelfsmasken genäht

In Rastatter Apotheken sind Mundmasken derzeit Mangelware. „Der Großhandel hat auch keine Masken“, erklärt eine Apothekerin in der Kaiserstraße. Sie will namentlich nicht zitiert werden. „Wir kriegen immer wieder Masken, aber das Telefon steht nicht still, wir kommen nicht hinterher“, vertröstet eine Mitarbeiterin der Central-Apotheke eine Kundin.

Auch der DRK-Ortsverein Rastatt ist in der Corona-Zeit in die Masken-Produktion eingestiegen: Mehr als 1.000 Behelfsmasken wurden dort gefertigt und weitergegeben. Dankbarer Abnehmer ist unter anderem das Martha-Jäger-Haus. Auch das Rote Kreuz selbst hat hohen Bedarf für die Bewohner der Anlagen im Betreuten Wohnen und die ehrenamtlich Helfer.