Bürgermeister Reiner Dehmelt mit Volker Lorenz und Michael Weber (von links) von der Bürgerinitiative.
Bürgermeister Reiner Dehmelt mit Volker Lorenz und Michael Weber (von links) von der Bürgerinitiative. | Foto: Collet

A-5-Anschluss Baden Airpark

Hügelsheimer wollen Ostanbindung

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Für die Ostanbindung des Baden Airparks an die Autobahn haben sich 859 Hügelsheimer mit ihrer Unterschrift ausgesprochen. Die rund 20-köpfige Initiative um Volker Lorenz und Michael Adam übergab am Dienstagabend sowohl die Unterschriftenliste als auch eine 13 Punkte umfassende Stellungnahme an Bürgermeister Reiner Dehmelt im Rathaus. Kurz vor Ende der Einspruchsfrist am Donnerstag wird dieses Paket nun an das Regierungspräsidium Karlsruhe übergeben, wo das Planfeststellungsverfahren zur Osttrasse derzeit läuft.

Projekt des Landkreises Rastatt

Genau genommen ist dies alles kein Einspruch, sondern eine Unterstützung des Vorhabens, das der Landkreis Rastatt verfolgt: Ein Autobahnanschluss soll bei Halberstung entstehen, von dort würde die Trasse über die L 80 und die K 3761 an Schiftung vorbeiführen. Das Reststück würde durch ein Naturschutzgebiet führen, wofür erhebliche Ausgleichsprojekte eingeplant sind, die ungefähr so teuer wären wie der gesamte Straßenbau. Aus den südlichen Gemeinden kommt zuweilen Protest, der Nabu will die Trasse mit einer Klage verhindern und schlägt eine Anbindung vom Norden her vor über die B 500 und die L 75 (ehemals B 36). Von dort sollte eine in einem halb offenen Trog verlaufende Strecke Hügelsheim zerschneiden.

Bürger wehren sich gegen Nabu-Pläne

Dagegen wehrt sich die Initiative. Abgesehen vom Lärm sieht Michael Weber „enorme Probleme bei der Integration, wenn Hochfeldsiedlung und Hardtwald vom Hauptort abgetrennt würden“. Das Argument des Nabu, die Speditionsfirma Dischinger würde im Falle einer Ostanbindung weiter durch Hügelsheim fahren, stimme nicht, wie man im Gespräch mit der Firma erfahren habe: „70 Prozent der Laster fahren direkt auf die Autobahn“, so Weber. Auch Schiftung, Leiberstung und Oberbruch hätten laut Gutachten mit der Ostanbindung weniger Verkehr, machte Weber deutlich. Volker Lorenz betonte, dass man für den Fall, dass die angekündigte Klage des Nabu gegen die Ostanbindung Erfolg haben würde, entsprechende Gutachten für eine Nordanbindung erstellt werden müssten. Denn darin sind sie die Initiatoren sicher: Mit der Nordanbindung kommen Lärm und Abgase erst richtig in den Ort. Ein weiterer Ausbau des Flughafens sei nur noch mit einem Autobahnanschluss möglich, so Lorenz.

Alternative würde Vorhaben um Jahre verzögern

Bürgermeister Dehmelt verwies darauf, eine Verhinderung des Ostanschlusses bedeute, dass auf Jahrzehnte gar nichts passiere, da der für die Nordtrasse erforderliche Ausbau der B 500 nicht vor 2030 komme.

Kommentar: Go East
Allein das macht die Hügelsheimer Bürgerinitiative schon sympathisch: Sie kämpft nicht gegen etwas, sondern für ein kommunales Vorhaben. Die Initiatoren um Volker Lorenz und Michael Weber haben sich kräftig eingelesen, haben eine Speditionsfirma nach Fahrtrouten befragt und Werbung unter der Bevölkerung gemacht. Es geht ihnen um die Entlastung von Verkehr, die ihrer Meinung nach nur mit der Ostanbindung des Flugplatzes erreichbar ist. 859 Hügelsheimer haben sie für das Projekt gewonnen.
Natürlich kann man das alles auch anders sehen. Man kann sagen, ein kleines Stück Naturschutzgebiet darf nicht durchschnitten werden, zum Wohle der Gelbbauchunke, des Juchtenkäfers und der Schafherden. Man kann sagen, die Menschheit erstickt nur in dem Verkehr, den sie selbst produziert. Sieht man es so, dann darf gar nichts gebaut werden – und nicht eine Nordanbindung, mit der man einen Ort in zwei Teile zerschneidet und Abgase erst richtig hereinholt. Das ist Unsinn und hat mit Naturschutz nichts zu tun.
Wenn der Flugplatz einen Autobahnanschluss bekommen und die Umgebung von Verkehr entlastet werden soll, dann geht das nur über die Ostanbindung. Der größte Teil dieser Trasse verläuft über bestehende Straßen, eine Kreisstraße nach Schiftung würde sogar renaturiert. Und für den kurzen Abschnitt durch das Naturschutzgebiet wird im südlichen Landkreis nicht nur eine Ausgleichsfläche geschaffen, sondern ein neues, zusammenhängendes Ökosystem entwickelt. „Go East“, will man da rufen.
Das Regierungspräsidium wird die Fakten und Stellungnahmen – übrigens auch die des Nabu – gegeneinander abwägen und zu einem Beschluss kommen, ob und wie die Trasse gebaut werden darf. Demokratischer geht es nicht. Dieses objektive und faire Verfahren sollte man anerkennen und nicht die Hügelsheimer mit einem langen Prozess zermürben.