Kein Durchkommen: Die Hirschgasse zwischen der Hauptstraße und der Straße „Am Stiegelberg“ in Durmersheim ist für den motorisierten Verkehr gesperrt. Davon betroffen ist auch die Arztpraxis von Richard Pawlak. | Foto: privat

Durmersheim: Praxiszufahrt blockiert

Im Notfall geht wichtige Zeit verloren

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Richard Pawlak ist fassungslos: „Wie kann man nur so egoistisch sein?“, fragt sich der Hausarzt beim Blick aus seiner Praxis in Durmersheim. In der Hauptstraße ist ein Nachbarschaftsstreit entbrannt, der gravierende Auswirkungen auf Notfallpatienten zwischen Bietigheim und Au am Rhein haben könnte. Der Zankapfel: Ein Pfosten, mit dem ein Anwohner seit Montag die Zufahrt von der Praxis zur Hauptstraße blockiert. Dadurch geht im Notfall lebenswichtige Zeit verloren. Weil der Poller auf einem Privatgrundstück montiert wurde, sind der Gemeinde die Hände gebunden.

Im Ernstfall zählt jede Sekunde

Bei einem Herzinfarkt, plötzlichen Kindstod oder allergischen Schock zählt für Pawlak jede Sekunde. In Bietigheim, Durmersheim und Au am Rhein hat er nach eigenen Aussage einen deutlichen Vorsprung gegenüber dem Notarzt aus Rastatt – in der Regel „zehn bis 20 Minuten“. Bislang fuhr Pawlak direkt über die Hirschgasse auf die Hauptstraße, die zentrale Verkehrsader im Ort.

Pfosten versperrt Praxiszufahrt

Seit Montag versperrt ihm ein Pfosten den Weg, den sein Nachbar in 30 Zentimetern Abstand zur Grundstücksgrenze auf seinem Teil der Zufahrt hat anbringen lassen. Für Pawlak bedeutet das: Auch im Notfall muss er sein Auto auf die Straße „Am Stiegelberg“ zurücksetzen und über die Würmersheimer Straße auf die Hauptstraße fahren. Das ist aus mehreren Gründen umständlich – und kostet Zeit: „Am Stiegelberg ist die Straße oft zugeparkt, weshalb ich rangieren muss“, so Pawlak.

Wir haben schon einige Leben gerettet.

Zu allem Übel steht an der Kreuzung der Würmersheimer Straße mit der Hauptstraße eine Ampel, die der Mediziner, weil kein Notarzt, nicht bei Rot überfahren darf. Pawlak: „Wenn es schlecht läuft, verliere ich so zwei Minuten.“ Viel Zeit, wenn es etwa um die Reanimation von Patienten geht. „Wir haben schon einige Leben gerettet“, betont er.

Praxis besteht seit 1904

In der Hauptstraße 93 ist seit 1904 eine Hausarztpraxis angesiedelt, Richard Pawlak praktiziert dort bereits in fünfter Generation. Seit zehn Jahren gehört seinem Nachbar eine Hälfte der Zufahrt zur Hauptstraße. Dort habe er am Montag „ohne jegliche Vorwarnung“ den Pfosten montieren lassen, weil er sich durch den Autoverkehr – laut Pawlak fünf Fahrten täglich – gestört fühle.

Nachbar zeigt sich uneinsichtig

Er habe mittlerweile das Gespräch mit dem Mann gesucht, der zeige sich jedoch uneinsichtig und lehne eine Entfernung des Pfostens ab: „Auch mit dem Argument, dass die Zeitverzögerung Leben gefährden könnte, fand ich bei ihm kein Gehör“, erklärt Richard Pawlak gegenüber den BNN. Für ihn sei die Sturheit seines Nachbarn auch deshalb „ärgerlich und unverständlich“, da er ihm in der Vergangenheit mehrmals entgegengekommen sei. So habe er dessen Besucher auf dem Grundstück der Arztpraxis parken lassen, wenn sie in der Straße „Am Stiegelberg“ keinen Platz gefunden hätten. Seit fast 50 Jahren werde die Zufahrt gemeinschaftlich genutzt, „bisher immer ohne Probleme“. Zwar habe ihm der Grundstücksnachbar, der am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, einen Ersatzschlüssel zum Umlegen des Pfostens in Aussicht gestellt. Allein: Im Ernstfall fehle ihm dafür schlicht die Zeit.

Gemeinde sind Hände gebunden

Auch die Gemeinde Durmersheim hat offenbar keine Handhabe gegen die Sperrung der Zufahrt zur Hauptstraße, wie Pawlaks Nachfrage beim Ordnungsamt ergab: „Mir wurde mitgeteilt, dass man nichts machen könne, weil der Pfosten auf seinem Privatgrundstück steht.“ Pawlak, der wochentags von 7 bis 20 Uhr zu Notfällen ausrückt, sieht nur noch einen Ausweg: Da die Zufahrt bereits seit 1970 von der Arztpraxis genutzt werde, will er die Entfernung des Pfostens unter Hinweis auf das Gewohnheitsrecht vor Gericht einklagen. Ausgang offen.