Seoul im Hintergrund und Daumen hoch für Deutschland: Der Rastatter Alex Lungu lebt und arbeitet in Südkorea. Beim WM-Spiel gegen die südkoreanische Elf feuert er die deutsche Nationalmannschaft an. | Foto: pr

Rastatter lebt in Seoul

In Südkorea schaut man lieber Baseball

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Gegen Schweden war es ein Last-Minute-Sieg, aber die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat die Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale gewahrt. Heute geht es im letzten Gruppenspiel für Jogis Jungs gegen Südkorea. Auch Alex Lungu drückt der deutschen Nationalmannschaft die Daumen – im fernen Seoul, wo der Rastatter seit einiger Zeit lebt und arbeitet. Knapp 8 700 Kilometer Luftlinie sind es von der Barockstadt bis in die Hauptstadt Südkoreas.

Fußballbegeisterung hält sich in Grenzen

„Ich glaube, es versteht sich von selbst, dass man für sein Heimatland ist“, sagt Lungu. Eigentlich sei er kein Fußball-Fanatiker, aber das Spiel, das im Fußballstadion in Kasan ausgetragen wird, will er sich anschauen – mit einem Plus von sechs Stunden Zeitverschiebung im Vergleich zur russischen Austragungsstätte.
In Südkorea hält sich die Fußballbegeisterung jedoch in Grenzen, erzählt der 31-Jährige und spricht von einer „liebenden Gleichgültigkeit“, wenngleich man wisse, dass die WM stattfindet. Koreaner seien ein sehr geschäftiges Volk, solche Events gingen aber teilweise unbeachtet vorüber.

Nationalsportart in Südkorea ist Baseball

Bei der beliebtesten Sportart spielen die Sportler nicht im Mittelfeld oder in der Verteidigung, sondern als Catcher oder Pitcher. „Nationalsport in Südkorea ist ganz klar Baseball“, sagt Lungu. Bei frittiertem Hühnchen und Bier kommen die Leute zusammen, um bei den Spielen der KBO, der koreanischen Baseball-Liga, mitzufiebern. Besonders die Rivalität zwischen dem japanischen und dem koreanischen Baseballteam sorge immer für Spannung.

Schon in der Schule von Südkorea begeistert

Woher kam die Begeisterung für das ostasiatische Land? „Ich habe mich schon im Gymnasium in Korea verliebt“, erklärt der ehemalige Tullaner, der in Gangnam, einem Stadtteil von Seoul lebt – wahrscheinlich vielen ein Begriff durch das Lied „Gangnam Style“ des Rappers Psy. Mit 16 Jahren hat er eher aus Spaß an der Volkshochschule Karlsruhe einen Koreanischkurs belegt und war dann mit 17 zum ersten Mal in Korea, berichtet er. Die Liebe zum Land ist geblieben: Es folgten ein Koreanistik- und BWL-Studium und ein Auslandsstudium. „Fließend in Sprache und Kultur gab es für mich eigentlich keine Alternative als herzukommen und hier zu arbeiten“, erzählt Lungu.

Eigene Firma, die sich auf „Life Coaching“ spezialisiert hat

Zuerst war er drei Jahre lang als Strategieplaner für einen Sportartikelhersteller tätig, aber mittlerweile hat er seine eigene Firma gegründet, die sich auf Persönlichkeitsentwicklung, so genanntes „Life Coaching“, spezialisiert hat. Das Feld sei in Korea relativ neu, berichtet er. Auf seinem Youtube-Kanal, der sich mit dem Thema beschäftigt, hat er mittlerweile über 100 000 Fans.

Lungu ist von der Dynamik des Landes fasziniert

Was ihn am Land fasziniert, sind die Dynamik, die Infrastruktur und die kurzen Wege – „in maximal einer Stunde ist man in den schönsten Bergen“. Auch im direkten Ländervergleich hält er Südkorea für dynamischer: „Die Menschen sind an stetigen Wandel gewöhnt“, sagt er und macht dies an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in den vergangenen Jahrzehnten fest. „Wenn man alle zwei Jahre Seoul besucht, sieht die Stadt immer wieder vollkommen neu aus, weil so viel gebaut, experimentiert und getüftelt wird“, erzählt er.

Stetiger Wandel und Konkurrenzkampf

Aber: „Der Konkurrenzkampf fängt in der Schule an und zieht sich sich durch bis ins hohe Alter“, sagt Lungu. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen, „sein eigenes Ding zu machen“, wie er es nennt, seien da, allerdings seien die kulturellen Strukturen so fest verankert, dass die Wenigsten diese Chance nutzen würden.

Besuch in der alten Heimat

In die alte Heimat Rastatt kommt er meistens einmal im Jahr – dann für etwa zwei Wochen. Zehn Stunden dauert der Flug. „Ich freue mich immer darauf, frische Luft zu atmen, Familie und Freunde zu sehen“, sagt Lungu. Nach zwei Wochen in der Barockstadt braucht er dann wieder mehr Schwung – den er dann in Südkorea findet.