Wundenlecken bei den Verlierern, Freudentaumel bei den Siegern: Die Rastatter Landtagsabgeordneten nehmen Stellung zur Bayern-Wahl. | Foto: Arne Dedert/dpa

Reaktionen auf Bayern-Wahl

Katerstimmung bei CDU und SPD in der Region

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Wundenlecken bei den Verlierern, Freudentaumel bei den Siegern: Nach den Wahlen in Bayern könnte die Stimmungslage unter den Rastatter Landtagsabgeordneten kaum unterschiedlicher sein. Während die Grünen deutlich zulegten, verloren CSU und SPD jeweils mehr als zehn Prozent. Sylvia M. Felder (CDU) und Jonas Weber (SPD) schlagen deshalb Alarm – auch ein Ende der Großen Koalition im Bund steht im Raum. Thomas Hentschel (Grüne) sieht auf seine Partei eine neue Rolle zukommen.

Felder und Weber schlagen Alarm

Felders Analyse am Tag nach der CSU-Schlappe fällt deutlich aus: „Wer das Warnsignal jetzt nicht gehört hat, hat kein Ohr am Wähler.“ Es handele sich um ein „dickes blaues Auge“, das nachdenklich mache. Mit personellen Konsequenzen rechnet die Christdemokratin vor der Landtagswahl in Hessen am 28. Oktober allerdings nicht.

Sollten CDU und CSU nicht umgehend zu einer verlässlichen Regierungsarbeit zurückkehren, hat die Große Koalition keine Zukunft mehr.

Jonas Weber, SPD-Landtagsabgeordneter

Christdemokratin fordert Ende der Querelen

Über die zerstrittene „GroKo“ sagt Felder: „Es braucht jetzt Tabula rasa. So kann es nicht weitergehen.“ Die Wähler in Bayern hätten die „Regierung für Stil und Inhalt abgestraft“. Die ständigen Querelen müssten aufhören. Mit Blick auf die CSU, die sich vor der Wahl Standpunkte der AfD zu Eigen gemacht habe, sagt Felder: „Es bringt nichts, eine andere Partei rechts überholen zu wollen. Die CDU muss sich treu bleiben.“ Ein Ende der „GroKo“ ist für die Landtagsabgeordnete kein gangbarer Weg. Eine „Jamaika-Koalition“ sei nach dem Scheitern der Verhandlungen im vergangenen Jahr keine Option. „Und nach Neuwahlen stünden die Regierungsparteien wohl schlechter da als vorher.“

Ergebnis der bayerischen SPD schmerzt Weber

Jonas Weber schließt einen Koalitionsbruch dagegen nicht aus. „Sollten CDU und CSU nicht umgehend zu einer verlässlichen Regierungsarbeit zurückkehren, hat die Große Koalition keine Zukunft mehr“, betont der SPD-Landtagsabgeordnete. Die Bürger erwarteten von der Bundesregierung eine gute Politik. Weber: „Wenn die Union hierzu nicht bereit ist, muss die SPD die Notbremse ziehen.“ Das Ergebnis der bayerischen SPD – 9,7 Prozent – schmerze ihn sehr. Der „Machtkampf“ zwischen CDU und CSU „überdeckt gute Ergebnisse der Regierungsarbeit.“

Freude beim Grünen-Abgeordneten Thomas Hentschel

„Wir sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, freut sich indes Thomas Hentschel (Grüne). „Die Bürger trauen uns nicht mehr nur Protest, sondern auch Regierungsverantwortung zu.“ Ob die Grünen künftig die SPD als Volkspartei neben der Union ablösen? Hentschel bleibt vorsichtig: „Das müssen wir abwarten. Volkspartei ist ein großer Begriff.“ Den Niedergang der Sozialdemokratie bedauere er, „weil politische Stabilität nur mit großen Parteien zu haben ist.“ Die Verluste von CSU und SPD hätten auch mit den atmosphärischen Störungen in Berlin zu tun. „Die Streitereien haben nachhaltig negativ gewirkt“, so Hentschel: „Die Regierung wird ihrer Verantwortung nicht gerecht.“