Intensive Vorbereitung: Eines der Helfer-Teams trifft sich in der Pfarrscheune in Maria Bickesheim, um für die Suppenküche im Beisein von Initiator Helmut Weisenburger (vorne rechts) ein schmackhaftes Mittagessen auf den Tisch zu zaubern. | Foto: Holbein

Landkreis Rastatt

Keiner soll hungrig nach Hause gehen

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Von Martina Holbein

„Keiner geht hungrig nach Hause“ und „Wir kochen frisch und gesund“ – diese beiden Sätze gelten sowohl für den gemeinsamen Mittagstisch, den in Bietigheim das Seniorenbüro und die evangelische Kirchengemeinde gemeinsam anbieten, und für die Suppenküche in Durmersheim. Beide Einrichtungen laden einmal pro Woche das ganze Jahr über zu einem gemeinsamen warmen Mittagessen ein, auch wenn sie unterschiedliche Zielgruppen bedienen und aus unterschiedlichen Intentionen entstanden sind.

Einrichtungen bieten einmal pro Woche warmes Mittagessen an

Ein gemeinsames Ziel ist das gemeinsame Essen, gerade auch für ältere Mitbürger wichtig, wenn sie allein oder zu zweit leben. Ein weiteres Anliegen ist den Köchen und Organisatoren, gesundes Essen auf den Tisch zu bringen. Und da gehört Gemüse oder Salat dazu, der wie die Beilagen frisch zubereitet wird. In Durmersheim gibt es in der „Suppenküche“, wie der gemeinsame Mittagstisch, der jeden Dienstag angeboten wird, dort heißt, an diesem Dienstag Kohlrabi in weißer Soße, Kartoffeln und Hähnchenschenkel.

Ab zehn Uhr wird vorbereitet

Schon ab zehn Uhr stehen die fünf Frauen des Teams, das an diesem Tag das Kochen und die Bewirtung übernommen hat, in der Küche der Pfarrscheune der Klosterkirche Maria Bickesheim und schneiden Kohlrabi oder schälen Kartoffeln. Die Hähnchenschenkel liegen bereits gewürzt bereit, um in den Backofen geschoben zu werden. Denn pünktlich zur Mittagszeit wollen die Gäste ihr warmes Essen. Doch an diesem Morgen herrschte erst einmal helle Aufregung: Der Backofen in der im vergangenen Jahr neu eingebauten, allen Regeln des Wirtschaftskontrolldienstes entsprechenden Küche streikte, ließ sich einfach nicht einschalten.

Suppenküche steht unter der Leitung von Helmut Weisenburger

„Alle Sicherungen sind drin“, verkündete Helmut Weisenburger, unter dessen Ägide die Suppenküche steht. „Wir müssen den Elektriker rufen“. Nur wenige Minuten später ist dieser da, ein Blick genügt ihm, „die Elektronik hat sich verstellt“, und dann heizt der Backofen vor, die Hähnchenschenkel werden hineingeschoben. Alles gut, es wird auch an diesem Dienstag ein warmes Essen für die Bedürftigen geben. Denn aus dieser Idee, ein kostenloses oder sehr günstiges Essen einmal in der Woche für Bedürftige auszugeben, ist die Durmersheimer „Suppenküche“ geboren. Und das schon lange, bevor die Pfarrgemeinde St. Bernhard die Organisation übernommen hat. Im ehemaligen Redemptoristen-Kloster, das 2010 aufgelöst wurde, war es bis 2009 üblich, dass Pater Siegfried an der Klosterpforte täglich zwei bis fünf Bedürftige verköstigte.

Pater Siegfried verköstigte täglich zwei bis fünf Bedürftige

Als es diesem aus Altersgründen nicht mehr möglich war, sprang die Pfarrgemeinde ein und Helmut Weisenburger übernahm zusammen mit seiner Frau Lydia diese Aufgabe. Es fanden sich vier Teams aus Ehrenamtlichen, die abwechselnd einkaufen, das Essen planen und vorbereiten und dann auch kochen. Was auf dem Speiseplan steht, wird genau notiert, damit es nicht zwei Wochen hintereinander dasselbe gibt. Am Eingang der Wallfahrtskirche steht ein Opferstock, dessen Inhalt an die Suppenküche geht. Eine weitere Finanzierungsquelle ist der Gemeindeanteil der Caritassammlung und natürlich Spenden. Außerdem bezahlen die Gäste für jedes Mittagessen inklusive Getränken 1,50 Euro. „Damit kommen wir hin“, so Helmut Weisenburger, der jeden Dienstag vor Ort ist und bis zu 20 Gäste begrüßen kann, überwiegend Männer. Aber es seien nicht nur Bedürftige darunter, so Helmut Weisenburger: „Es kommen auch Menschen, die einfach nicht allein essen wollen und den Kontakt mit anderen suchen.“

Den Gemeinsamen Mittagstisch in Bietigheim bestücken mehreren ehrenamtliche Kräfte. | Foto: Holbein

Der Kontakt mit anderen, das Gemeinschaftsgefühl ist in Bietigheim die Intention des gemeinsamen Mittagstisches, der vom kommunalen Seniorenbüro in Person von Ingrid Heck-Fütterer und der damaligen evangelischen Pfarrerin Margarete Eger 2013 initiiert wurde. Im vergangenen Jahr erhielten die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Wechsel mittwochs zwischen 30 und 40 Gäste bekochen, den mit 3 000 Euro dotierten Bietigheimer Bürgerpreis, der teilweise für die neue Küche gespendet wurde.

Mitglieder zupfen Brokkoli-Röschen und schneiden Sellerie

In dieser Küche sitzen an diesem Mittwochmorgen bereits vor zehn Uhr die Teammitglieder und zupfen Brokkoli-Röschen oder schnippeln Sellerie. Gänsegeschnetzeltes von einer geschenkten Gans wird es an diesem Tag geben, mit Nudeln und einer Himbeer-Heidelbeer-Quarkspeise zum Dessert. Die Tische werden auch schon eingedeckt mit Tellern und Besteck, Blumen stehen auf jedem Tisch und die Servietten wurden bereits sorgfältig zu Hause gefaltet.

Vier Teams und zwei Köche

„Wir stellen Schüsseln auf den Tisch, damit sich jeder so viel nehmen kann, wie er möchte“, sagt Ingrid Heck-Fütterer. Dazu gehört auch das gemeinsame Tischgebet zu Beginn. Die vier Teams werden von jeweils zwei Köchen geführt, die sich überlegen, was gekocht wird, die einkaufen und dann in der Küche das Sagen haben. Ein Team ist spezialisiert auf Hausmannskost, ein anderes kocht gerne fernöstlich – „das kommt auch immer gut an“, so Ingrid Heck-Fütterer – und ein anderes liebt klassische Rezepte in modernem Gewand. Fünf Euro beträgt der Beitrag der Gäste inklusive Getränke für das Mittagessen und der deckt die Unkosten. Vor allem auch, weil die ortsansässigen Lebensmittelhändler, bei denen die Ehrenamtlichen einkaufen, günstige Konditionen eingeräumt haben.