Orgel
Die neue Klais-Orgel wurde in St. Sebastian Kuppenheim eingeweiht | Foto: Kraft

„Sinnbild für die Gemeinde“

Klais-Orgel in St. Sebastian Kuppenheim eingeweiht

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Von Ralf Joachim Kraft

An diesen dritten Advent werden sich die Pfarrei St. Sebastian und die Mitglieder des Arbeitskreises „Neue Orgel“ noch lange erinnern. Schließlich haben sie mit großem Engagement sechs Jahre intensiv auf diesen Tag hingearbeitet, sich unermüdlich für die Finanzierung des 450 000 Euro teuren Kircheninstruments eingesetzt und dafür gesorgt, dass das Spendenziel von 255 000 Euro pünktlich zur Orgelweihe erreicht wurde. Die Pfarrkirche St. Sebastian platzte am Sonntagabend schier aus allen Nähten, als die von der Bonner Orgelbau-Werkstatt Johannes Klais gefertigte und ab Oktober eingebaute Orgel mit den ersten Klängen in andächtiges Staunen versetzte und bei einem Vespergottesdienst in den liturgischen Dienst gestellt wurde.

Weihe mit Domkapitular Thorsten Weil

Nach dem Einzug des Zelebranten, Domkapitular und Offizial Thorsten Weil vom Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg, zu Johann Caspar Ferdinand Fischers „Präambulum in d“ begrüßte Pfarrer Markus Honé die Gäste und erinnerte daran, dass es bei der Umsetzung des Projekts „so manche Kurve zu umschiffen“ gab. Was hier entstanden ist, sei nicht das Werk einzelner, sondern vieler. „Darum möge die neue Orgel ein Sinnbild für uns als Gemeinde sein“, sagte Honé, bevor Thorsten Weil zur Weihe des Instruments auf die Empore hinaufstieg. Nach einer Lesung erklärte der Geistliche, dass die Königin der Instrumente ein Vorbild für den Zusammenhalt und die Harmonie im Miteinander sei. Sie könne helfen, die Herzen für den Herrn zu öffnen.

Prächtiger Klang

Der Domkapitular wünschte der neuen Orgel, sie möge den Glanz der Zeremonien und den Lobgesang zur Ehre Gottes stärken. Dass es sich gelohnt hat, das Projekt zu realisieren, konnten die Besucher beim ersten Einsatz der Orgel erleben. Mal stellte sie bei der vom Kirchenchor St. Sebastian mitgestalteten Vesper in den Dienst des liturgischen Gesangs. Mal bewies sie mit prächtigem Klang ihre solistischen Qualitäten. Den Auftakt machte der erzbischöfliche Orgelinspektor Martin Dücker mit Sigfrid Karg Elerts „Nun danket alle Gott“ aus den Choralimprovisationen, gefolgt von Johann G. Walthers „Nun komm der Heiden Heiland“ und Emil Weidenhagens „Wachet auf, ruft uns die Stimme“.

Dank an den Arbeitskreis

Dankbar für dieses „Jahrhundertwerk“ zeigte sich der Geistliche Rat und Pfarrer i. R. Gerold Siegel. In einem Grußwort sprach er von „einem erhebenden Moment, besonders für die Menschen, die sich von der Vision einer neuen Orgel haben begeistern lassen und sie in die Tat umgesetzt haben.“ Orgelbauer Hans-Wolfgang Theobald bedankte sich für „das Vertrauen in unsere Werkstatt, in der wir mit und für sehr engagierte Menschen dieses Instrument ausdenken und bauen durften“. Walter Weber, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats, stellte heraus, dass wie bei der neuen Orgel auch in der Pfarrgemeinde der Zusammenklang und das Zusammenspiel wichtig seien. Bürgermeister Karsten Mußler dankte dem Arbeitskreis „Neue Orgel“, der „mit viel Leidenschaft, kreativen Ideen und Tatendrang an dem Projekt gearbeitet hat“. Die Stadt habe sich gerne finanziell an der neuen Orgel beteiligt, „denn sie ist auch ein wichtiger Teil des kulturellen Lebens in unserer Stadt“.

Kulturelles Großprojekt

Bernd Schwert, Vorsitzender des Arbeitskreises „Neue Orgel“, dankte allen, die zur Verwirklichung dieses „kulturellen Großprojekts“ beigetragen haben. Nach der Vesper konnte die Orgel erstmals auch ihre Konzertqualitäten beweisen. Martin Dücker spielte auserlesene Werke aus verschiedenen Epochen, um das stilistische Spektrum und die Klangvielfalt des Instrumentes besonders eindrucksvoll präsentieren zu können. Den Auftakt machte er mit dem ersten Satz aus Karl Jonkischs „Concerto No. 1“, gefolgt von Marco Enrico Bossis „Chant du soir, op. 92, 1“ und dem ersten Satz aus Antonio Vivaldis Concerto G-Dur in der Orgelfassung von Johann Sebastian Bach. Den glänzenden Schlusspunkt setzte der Organist mit dem vierten Satz aus Léon Boëlmanns „Deuxième Suite op. 27“. Nach der Ausgabe der Festschrift endete der Abend mit einem Stehempfang.