Löschangriff: Tim Steiner (rechts), hier mit einem weiteren Mitglied der Jugendfeuerwehr, gehört bald zur aktiven Mannschaft in Elchesheim-Illingen. | Foto: Kastner

Personalengpass

Kleine Wehr hat große Sorgen

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Was tun, wenn’s in Elchesheim-Illingen brennt? „Dann kommt die Feuerwehr aus Steinmauern mit“, sagt Kommandant Marco Schöpfle. Und auch die aus Au am Rhein ist mit dabei.
Die kleinste eigenständige Wehr im Landkreis mit neun aktiven Feuerwehrmännern, so Schöpfle, hat Probleme: Tagsüber erreicht sie die Mindesteinsatzstärke von sechs Feuerwehrleuten nicht mehr. Und nicht nur das: Ab der Alterspanne von 17 bis 30 wird es bei den Feuerwehrleuten brenzlig, erzählt Schöpfle. Ab diesem Alter kann man in den aktiven Einsatz.

Es ist Montagabend: Treffen der Generationen am Feuerwehrhaus. Erst probt die Jugendfeuerwehr, danach ist Kameradschaftsabend. Die einen haben die aktive Zeit vor sich, die anderen hinter sich. Bei den Jungen steht der Löschangriff auf dem Übungsplan. Der 17-jährige Tim Steiner entlüftet zuerst einen Hydranten, der neunjährige Marco hilft ihm dabei. Danach werden Schläuche ausgerollt, verbunden, Verteiler aufgesetzt und Hohlstrahlrohre angebracht. Und dann: „Wasser marsch!“ – auf die Garagen beim Feuerwehrhaus, und auch die alte, knorrige Eiche gleich daneben bekommt was ab.

Quereinsteiger werden gesucht

Bei der Kinder- und Jugendfeuerwehr sei man mit 20 Mitgliedern gut aufgestellt, erzählt Schöpfle. Auch kreisweit ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, wie Kreisbrandmeister Heiko Schäfer berichtet. Von 920 im Jahr 2016 auf über 1.000. Allerdings können durch geburtenstarke und geburtenschwache Jahrgänge Lücken bei den Feuerwehren entstehen. Wegen der demografischen Entwicklung versuche man Quereinsteiger für den aktiven Dienst zu gewinnen, sagt er – Leute über 18 und zwischen 30 und 40 Jahren.

Arbeitgeber unterstützt Engagement

Einer davon ist Daniel Block in Elchesheim-Illingen. Eigentlich wollte der 33-Jährige nur seinen Sohn zur Kinderfeuerwehr bringen. „Ich war die ersten zwei Proben dabei“, sagt er. Und dann ist er auch bei den Floriansjüngern eingestiegen. Die zweieinhalbmonatige Grundausbildung, die jeder Feuerwehrangehörige absolvieren muss, damit er in den aktiven Dienst darf, sei in Planung, berichtet er. Er habe zum Glück einen guten Arbeitgeber, der sein Engagement unterstütze, sagt Block. Und Rückhalt vom Partner. „Es geht nur so“, betont er.

Spagat zwischen Ausbildung und Beruf

Ausbildung und Fortbildungen würden das Feuerwehrleben begleiten, erklärt Kommandant Schöpfle. Im Gespräch mit dem 46-Jährigen wird klar, dass das Engagement im Ehrenamt ein Spagat zwischen Ausbildung und Beruf ist. Nicht immer haben die Mitglieder der Wehr ihre Arbeitsstelle direkt im Ort und vom Arbeitnehmer werde heutzutage mehr Flexibilität abverlangt. Auch nicht jeder Arbeitgeber spiele mit, wenn ein Alarm zum Einsatz ruft – obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben sei.

Mitgliederzahl kreisweit stabil

In Steinmauern sei es etwas anders, dort seien im Regelfall sechs bis acht Leute für die Tagesbesetzung da und es gebe auch noch viele Leute, die im Ort arbeiten würden. Mit Blick auf die kreisweite Mitgliederzahl, die sich im Durchschnitt als stabil erweist, bestehe kein Grund zu großer Sorge, sagt Kreisbrandmeister Schäfer. Aber im Einzelfall sollte man wachsam bleiben.

Kreisbrandmeister mahnt zur Wachsamkeit

Er mahnt, die personelle Leistungsfähigkeit im Blick zu behalten und gegebenenfalls gegenzusteuern. Beim Kreisfeuerwehrverband wird derzeit zusammen mit dem Kreisbrandmeister über Vorgehensweisen zur Mitgliedergewinnung nachgedacht. Er hofft, dass Anfang 2020 ein Konzept steht. In Elchesheim-Illingen hofft man auf einen positiven Effekt der Kampagne. Und einen Lichtblick gibt es doch: Die Aktiven bekommen drei Leute mehr, so auch Tim Steiner. Und er will dabeibleiben. „Es macht ja Spaß“, sagt der 17-Jährige.

 

Kommentar
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Umdenken

Stell’ dir vor es brennt, und keiner kommt zum Löschen. Na ja, so schlimm ist es Gott sei Dank noch nicht. Aber man sollte sich schon einmal Gedanken machen, wie denn der Dienst bei der Feuerwehr organisiert werden kann, wenn tagsüber bei kleinen Feuerwehreinheiten wie in Elchesheim-Illingen das Personal knapp wird.
Zwar helfen die Nachbareinheiten aus, bei einigen Einsätzen werden sowieso mehrere Abteilungen alarmiert, aber die Kette darf nicht immer mehr Lücken bekommen. Denn eines ist klar: Demografie legt keinen Zwischenstopp ein und auch von Arbeitnehmern wird eine immer größere Flexibilität erwartet. Die Zeiten, in denen man im gleichen Ort gewohnt und gearbeitet hat, mag es mancherorts noch geben, aber für viele im ländlichen Raum sind sie vorbei. Die Gesellschaft wandelt sich. Dazu kommt, dass das Ehrenamt von den Beteiligten neben der Bereitschaft zu helfen auch die Bereitschaft zu lernen erfordert – der Dienst ist anspruchsvoll. Daher ist es richtig, dass der Landkreis nach Konzepten sucht, um Mitglieder zu werben. Denn eine Gesellschaft kann es sich nicht leisten, dass das Ehrenamt unter die Räder kommt.    Patric Kastner