Die Verbindung von wirtschaftlichem Wachstum und Belastungen für das Klima zeigte Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker bei seinem Vortrag anlässlich der Veranstaltungsreihe „Kampf um die Köpfe“ im Rastatter Landratsamt auf.
Die Verbindung von wirtschaftlichem Wachstum und Belastungen für das Klima zeigte Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker bei seinem Vortrag anlässlich der Veranstaltungsreihe „Kampf um die Köpfe“ im Rastatter Landratsamt auf. | Foto: Collet

Ernst Ulrich von Weizsäcker

Experte spricht in Rastatt über Klima-Gefahren

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„Energie in der Region – wo rudern wir hin?“ unter diesem Motto stand die Veranstaltung „Kampf um die Köpfe“ der Wirtschaftsregion Mittelbaden – und die Referenten im voll besetzten Kreistagssaal des Landratsamtes verkörperten dieses Thema geradezu auf ideale Weise. Denn: Mit dem Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker wurde zum einen ein Mann gewonnen, der nach Einschätzung von Fachleuten zu den „100 einflussreichsten Vordenkern der Welt“ gehört.

Zum anderen präsentierte Kristof Wilke, Olympiasieger im Ruder-Achter 2012 in London, die Geheimnisse von sportlichem Erfolg, die auch auf Wirtschaftsunternehmen übertragen werden können. Letztmals wurde die Veranstaltung der Wirtschaftsregion Mittelbaden im Übrigen von dem scheidenden Dezernenten Claus Haberecht moderiert.

Weizäcker spricht über Nachhaltigkeit

Ernst Ulrich von Weizsäcker befasste sich vorrangig mit dem Thema Nachhaltigkeit und dem Dreiklang aus Wirtschaft, Sozialem und Umwelt. Er blickte zurück auf die diversen Umwelt- und Klimagipfel der vergangenen Jahre und lenkte den Blick vor allem auf die Klimaextreme im Jahr 2018 mit „Katastrophenbildern für Förster, Landwirte und Hausbesitzer.“

Wirtschaft als Klima-Killer

Nach von Weizsäckers Einschätzung, würden die Klimaveränderungen zumeist erst bei eigener Betroffenheit so richtig wahrgenommen, oder wenn Prominente dabei sind: „Erst als Thomas Gottschalks Haus abgebrannt ist, haben es die Leute ernst genommen.“

Je mehr die Wirtschaft blüht, desto schlimmer ist es für das Klima.

Derweil zollte er der Bewegung „Fridays for Future“ mit Greta Thunberg an der Spitze größte Hochachtung, wie er betont, zumal dadurch das Thema Klimaschutz wirklich populär werden könnte. Der Ko-Präsident des Club of Rome ließ keinen Zweifel, dass weiteres Wirtschaftswachstum mit zunehmendem Kohlendioxid-Ausstoß verbunden sei: „Je mehr die Wirtschaft blüht, desto schlimmer ist es für das Klima.“

LKW fahren 8.000 Kilometer durch Europa

Weltweit seien 1 380 Kohlekraftwerke im Bau: „Da ist es völlig egal, ob wir 2036 oder 2038 aus der Braunkohle aussteigen“, erklärte von Weizsäcker und verweis darauf, dass 90 Prozent der Kohlekraftwerke in Entwicklungsländern seien. Und von Weizsäcker gab zu bedenken, dass „Lastwagen 8 000 Kilometer durch Europa fahren, bis das Erdbeerjoghurt auf dem Frühstückstisch landet.“

Es sollte nicht immer der billigste Bieter bevorzugt werden.

Nicht unerwähnt ließ von Weizsäcker seine Forderung nach einer Korrektur des Wettbewerbsrechts: „Es sollte nicht immer der billigste Bieter bevorzugt werden, sondern mehr Wert auf Nachhaltigkeit gelegt werden.“ Die meisten Kapazitäten sieht er noch beim Ausbau der Fotovoltaik, während die Wasserkraft weitgehend ausgereizt sei und sich gegen die Windenergie auch schon Bürgerinitiativen bilden.

Ruder-Olympiasieger beschreibt Weg zum Erfolg

Ruder- Olympiasieger Kristof Wilke erinnerte an die historische Niederlage des Deutschland-Achters bei Olympia in Peking. Durch eine Analyse dieser Niederlage auf verschiedensten Ebene, verbunden mit Handlungsstrategien und mit der Einstellung „jetzt erst recht“ sei der Weg aus der Krise gefunden worden: „Es war der unbedingte Wille, es besser zu machen“, erklärte Wilke.

Motiviert an Zielen arbeiten

Und er zog Parallelen zu Unternehmensstrukturen: „Es müssen Zwischenziele gesetzt und die Mitarbeiter auf dem Weg dahin mitgenommen werden.“ Auch klare Visionen von langfristigen Zielen seien wichtig, genauso wie die Motivation, daran zu arbeiten: „Alles ist möglich, man muss es nur wollen“, beschrieb Wilke eine Grundlage des Olympiasieges 2012 nach dem Desaster vier Jahre zuvor.