#holgerschafft in Rastatt

Klotzen für das tête-a-tête

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Bevor Bauklötze gestaunt werden darf, wird geackert und geschuftet. Das tête-à-tête in Rastatt erfordert von den Künstlern Akrobatik und Finesse, den Mitarbeitern hinter den Kulissen wird schon davor eine schweißtreibende Leistung abverlangt. Für die BNN-Videoreihe „Holger schafft“ habe auch ich im Vorfeld die Arbeitshandschuhe angezogen, einen kleinen Teil zum Gelingen des großen Ganzen geleistet.

Erste Schweißperlen auf der Stirn

Martin Koch, Stadtförster und technischer Leiter des Festivals, stimmt mich zu Beginn meiner Arbeitsschicht darauf ein, was zu leisten sein wird. Badner Halle, Hansjakob-Schule, dann wieder Badner Halle. Aber erst mal der Reihe nach: „Wir brauchen die Sitzgelegenheiten und Tische hinter der Badner Halle“, so Koch. Fässer, robuste Metallklapp-stühle und ausgediente Kabeltrommeln erfüllen den Zweck und sehen dabei noch dekorativ aus. Das schwere Material liegt glücklicherweise schon auf der Ladefläche. Mit dem Pritschenwagen geht es vom Bauhof an die Badner Halle und dann runter vom Lieferwagen. Gerade die Kabeltrommeln haben es in sich, ich ächze. Zwei Mann braucht es, die hölzernen Schwergewichte über den Rasen zu hieven – besonders handlich sind sie nicht. Ich spüre erste Schweißperlen auf der Stirn.

Es geht zurück an den Betriebshof der Stadt – gut 15 metallene Fahrradständer müssen an die Hansjakob-Schule gebracht werden. Eine gute Sache, denke ich mir. Damit das Verkehrschaos ausbleibt, werden die Besucher darum gebeten, das Fahrrad zur Anreise zu verwenden. Mehrere hundert Räder werden dann im Hof der Schule Platz finden, auf dem Fahrradparkplatz des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC).

Mehrmals fahre ich mit dem Straßenbautrupp der technischen Betriebe die Schule an, immer mit den schweren, gut vier Meter langen Radständern auf der Ladefläche. Mit Schwung haben wir sie zu zweit auf den Lieferwagen gehoben, zu zweit werden sie an der Schule abgesetzt, mehr oder weniger sanft auf dem Asphalt abgeladen – ich spüre langsam meine Arme. Und bin insgeheim froh, dass das Schulgebäude diesen Teil des Schulhofs noch beschattet. Noch ist es Vormittag, die Sonne milde.

Action für den „Voodoo Petrol Club“

In den Arbeitshandschuhen wird es langsam unangenehm warm. Es ist neues Arbeitsmaterial. Blütenweiß waren sie, als ich sie bekam. Jetzt sind sie voller Rost, alter Farbe und anderem Schmutz. Weiße Textilfäden des Futters haften an meinen Fingern, als ich sie ausziehe. Lange Zeit habe ich nicht zum Verschnaufen – von der Schule geht es direkt an die Badner Halle, hier soll schon bald das Zelt stehen, Residenz des „Voodoo Petrol Clubs“, der vor allem für die Künstler gedacht ist, unter anderem das Netzwerken soll hier stattfinden. Bevor jedoch Kontakte geknüpft werden, müssen die Stangen für die Halteseile mit purer Muskelkraft per Vorschlaghammer in die Erde getrieben werden. Nicht jeder meiner Schläge sitzt – manch einer rauscht mit Schwung an der Stange vorbei.

Erst nach einer Weile sitzt der Rhythmus mit dem Hammer, stimmt das Timing. Anstrengend ist es dazu, nach nicht einmal einer Minute Hämmern merke ich, wie die Kräfte in den Armen nachlassen. Und da haben wir die langen Stützstangen noch gar nicht unter dem Zirkushimmel in die Senkrechte gebracht: Zu acht stellen wir vier Außenstützen auf, die Plane hängt schlapp dazwischen. Es kommen zwei Hauptstützen, das Zelt nimmt Form an, während ich meine verliere.