Nur noch bedingt betriebsbereit: Das Hallenbad Alohra ist stark sanierungsbedürftig. Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk kündigt an, dass das Außenbecken auch im Fall einer Wiedereröffnung nach der Corona-Pandemie geschlossen bleibt.
Nur noch bedingt betriebsbereit: Das Hallenbad Alohra ist stark sanierungsbedürftig. Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk kündigt an, dass das Außenbecken auch im Fall einer Wiedereröffnung nach der Corona-Pandemie geschlossen bleibt. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Neues Gutachten wird erstellt

Kombibad wegen Corona auf Eis gelegt? Stadt Rastatt arbeitet an Notfallplan

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Die Stadt Rastatt arbeitet an einem Plan B für das Kombibad. Die Verwaltung fürchtet, dass das Großprojekt wegen der finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie vorerst auf Eis gelegt werden muss. Ein Gutachter soll nun klären, für welchen Preis die bestehenden Bäder weiterbetrieben werden können.

Der Gemeinderat unterstützt die Verwaltung in ihrem Anliegen, einen Notfallplan in Sachen Kombibad zu erarbeiten. Bei nur einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen beschloss das Gremium am Montagabend, ein Sanierungsgutachten für die beiden bestehenden Bäder Natura und Alohra in Auftrag zu geben.

An der Grundsatzentscheidung für den Neubau rüttelten die Stadträte aber nicht. Zuvor hatte Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk als Betriebsleiter eindringliche Worte gefunden. Es drohe sogar die Schließung des Hallenbads aus Sicherheitsgründen.

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Rastatter Bürgermeister will beim Thema Kombibad Zeit gewinnen

Die Verwaltung sieht wegen der Corona-Pandemie den Bedarf nach einem Plan B. Wie Bürgermeister Raphael Knoth betonte, könne derzeit zwar noch niemand die finanziellen Auswirkungen der Krise beziffern. Aber beim Kombibadprojekt gehe es nun um eines: „Zeit zu gewinnen.“

Der bislang jüngste Zeitplan sah vor, das Kombibad im Herbst 2025 zu eröffnen. An diesem Ziel hegt die Verwaltung mittlerweile starke Zweifel. Eventuell muss das Großprojekt wegen fehlender Haushaltsmittel auf Eis gelegt werden. In der Sitzungsvorlage für die Stadträte ist von einem möglichen erneuten Projektstart „in vier bis sechs Jahren“ die Rede.

Die ewige Schleifendreherei kann auch
dazu führen, dass ein Bad stillgelegt wird

Olaf Kaspryk, Betriebsleiter

Kaspryk ließ keinen Zweifel daran, dass vor allem das Hallenbad Alohra ohne Sanierung nicht solange weiterbetrieben werden könne. Er benötige Klarheit, welche Maßnahmen notwendig seien, um den Betrieb in einem ersten Schritt bis 2026 zu garantieren. Darüber hinaus müssten die Kosten für eine weitere Nutzung bis 2032 ermittelt werden. „Diese beiden Aussagen brauche ich. Sonst würde ich das Bad nicht mehr zeitnah öffnen“, sagte Kaspryk.

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Im weitere Verlauf der Sitzung wurde er noch deutlicher und mahnte, beim Kombibad endlich zu einem Abschluss zu kommen: „Die ewige Schleifendreherei kann auch dazu führen, dass ein Bad stillgelegt wird.“ Das gelte schon jetzt für das Außenbecken. Sollte das wegen der Pandemie derzeit geschlossene Alohra wiedereröffnen, werde dieses außer Betrieb bleiben.

Verwaltung rüttelt nicht an Grundsatzentscheidung pro Kombibad

Der Gemeinderat gab grünes Licht, dass ein Gutachter die geforderten Zahlen ermittelt. Er soll aber explizit nur Maßnahmen untersuchen, die dringend notwendig sind, um die Betriebssicherheit beider Bäder für die nächsten zehn bis zwölf Jahre zu gewährleisten. Es ist nicht seine Aufgabe, die Möglichkeiten einer Generalsanierung auszuloten, um die beiden bestehenden Standorte dauerhaft zu zementieren.

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Bürgermeister Arne Pfirrmann, der die Sitzung in Vertretung des erkrankten Oberbürgermeisters Hans Jürgen Pütsch leitete, betonte: „Die Verwaltung hat nicht vor, die Kombibad-Entscheidung zu umgehen.“

Die Gefahr, an dem Grundsatz zu rütteln, sah er in einem SPD-Antrag. Jonas Weber störte sich an der Formulierung, dass das Gutachten „ausschließlich Maßnahmen“ enthalten solle, die dringend notwendig für die Betriebssicherheit von Alohra und Natura seien. Weber beantragte, das Wort „ausschließlich“ zu streichen, da es die Optionen zu sehr einschränke. Die anderen Fraktionen folgte der SPD in diesem Punkt nicht.

Die Grünen sprechen von einer „Notlösung“

So stimmten schließlich auch die Sozialdemokraten für den Verwaltungsvorschlag. Dafür waren auch die Grünen, deren Sprecher Roland Walter von einer „Notlösung“ sprach. Ob diese Notlösung auch finanziell vertretbar sei, müsse das Gutachten zeigen. Herbert Köllner signalisierte die Zustimmung der Freien Wähler, gab bei den Treueschwüren für das Kombibad aber zu bedenken, dass angesichts des Zeithorizonts die Entscheidung darüber wohl nicht mehr in die Befugnis des aktuellen Gemeinderats fallen werde.

Michael Ams (FuR) sah keine Alternative zu dem Vorgehen: „Es bleibt uns gar nichts anderes übrig.“ Michael Weber (FDP) sah den Fahrplan aus Gründen der Betriebssicherheit ebenfalls geboten. Eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen kamen aus den Reihen der AfD. Sprecher Volker Kek bezweifelte, dass ein Gutachten neue Erkenntnisse liefern könne.