Die Tage des Freibads am Schwalbenrain sind gezählt.
Am Schwalbenrain soll das neue Kombibad entstehen. 2023 soll es eröffnet werden. | Foto: Collet

Stadtgespräch in Rastatt

Kommentar: Sonne über der Badewelt

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Die Liebhaber des Schwimmens und Planschens müssten in Rastatt eigentlich glücklich sein. Stadt und Stadtwerke wollen ein großes Bad bauen, das bei allen Wetterlagen für viele Interessen etwas bietet. Die Stadträte haben sogar nach einem anfänglichen Sparkurs auf die ersten Konzepte kräftig draufgesattelt – so bleibt etwa das Schwimmerbecken mit 50 Meter Länge außen erhalten, das Sportbecken innen erhält mehr Bahnen als geplant und im Bereich des Spaßfaktors steht einiges auf der politischen Wunschliste.

Ohne Kritik hätte der Gemeinderat ein Sparbad beschlossen

Möglicherweise gibt es eine schweigende Mehrheit, die sich darauf tatsächlich freut. Aber es gibt weiterhin genügend Menschen, die lautstark Bedenken äußern an diesem Projekt. Es ist gut, dass es diese Bürger gibt, denn ohne sie hätte der Gemeinderat ein Sparbad durchgewinkt, das für die Große Kreisstadt nicht angemessen gewesen wäre. Inzwischen sollte man aber zur Kenntnis nehmen, dass sich einiges getan hat und dass auf zentrale Forderungen – etwa den Erhalt des 50-Meter-Beckens – politisch reagiert wurde. Über der Badewelt scheint doch wieder reichlich die Sonne.

Auch beschlossenes Konzept wird beanstandet

Auf der anderen Seite gibt es freilich diejenigen, die das inzwischen festgezurrte Konzept mit 2 800 Quadratmetern Wasserfläche für überzogen halten. Sie beklagen, dass die Kosten dafür noch nicht auf dem Tisch liegen und befürchten ungeheure Summen. Und dann wird natürlich weiterhin angezweifelt, dass die bestehenden Bäder aus den Jahren 1938 und 1971 wirklich technisch am Ende sind.

Andere Städte sanieren ebenfalls Bäder oder bauen sie neu

Beides steht aber heute nicht mehr zur Debatte: Der Gemeinderat hat sich auf ein Konzept mehrheitlich festgelegt, und wenn die unterlegenen Stadträte das weiterhin nicht gut finden, dann müssen sie mit dieser demokratischen Entscheidung leben und auf deren Basis weiterplanen. Dass der technische Zustand von Schwimmbädern diesen Alters nicht mehr weiter tragbar scheint, das ist keine Rastatter Erkenntnis – auf diese Situation reagieren alle anderen Städte in Deutschland ebenfalls mit Sanierungen und Neubauten.

Kompromiss zwischen finanziell gesteuertem Purismus und opulentem Wunschdenken

Nimmt man nun die Positionen der Kritiker zusammen, dann haben der Gemeinderat und die Planer der Stadtwerke zwischen finanziell gesteuertem Purismus und opulentem Wunschdenken einen sehr guten Kompromiss gefunden. Darüber können sich die Bürger doch ganz einfach freuen: Rastatt wird in fünf Jahren das modernste Bad der ganzen Region haben. Diesen Satz las man zuletzt im Jahr 1971 in der Zeitung, als das Hallenbad fertig war.