Ohne Hilfe geht nix: Redakteur Dominic Körner beim Handstand-Versuch. | Foto: Collet

Redakteur am Limit

Kopfstand beim Circus Bely in Rastatt

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Raus aus dem Alltag, auf ins Abenteuer lautet das Motto bei „Redakteur am Limit“. Für einen Tag, einige Stunden oder nur wenige Minuten schlüpft BNN-Redakteur Dominic Körner in für ihn ungewohnte Rollen. Am Boden, zu Wasser und in der Luft geht er bis an seine Grenzen. Heute: In der Manege beim Circus Bely in Rastatt.

 

Was tue ich mir da nur an? Bei der achten Folge von „Redakteur am Limit“ ist schon die Anmoderation für das Video eine Herausforderung. Im Kopfstand erkläre ich, was mich heute erwartet: Ein Praktikum beim Circus Bely in Rastatt. Eines, das ich ganz sicher nie vergessen werde. Chefin Marina Frank hat für den BNN-Redakteur zwei Disziplinen ausgesucht, die es in sich haben: Ich trainiere mit dem Schlangenmädchen und dem Tellerjongleur. Ob der Zirkus genug Porzellan hat?

Handstand mit krachender Landung

Auf Händen: BNN-Redakteur Dominic Körner mit Helfer Diego. | Foto: Collet

Neyenne ist Mitte 20, bis in die Fußspitzen durchtrainiert und dehnbar wie Kaugummi. „Wir fangen leicht an“, beruhigt mich das Schlangenmädchen und macht einen Kopfstand mit gespreizten Beinen. Leicht? Ich erinnere mich an meine Slapstick-Einlagen im Oberstufen-Sport. Man stellt mir zwei kräftige Helfer zur Seite. Nino und Diego gehören zur Familie und stehen seit Kindertagen in der Manege. Besonders aufmerksam sind sie allerdings nicht, wie ich bald feststellen muss. Nachdem ich mich, gestützt von Diego, in den Hand- und dann in den Kopfstand begeben habe und darum bitte, wieder sanft hinuntergeleitet zu werden, bemerke ich, dass Nino ein Schwätzchen mit meinem Kameramann hält. Krachend lande ich auf dem Rücken. Die Zirkusleute kichern.

Zerrung statt Brücke

Weiter geht’s mit der Brücke, einer Standardnummer, die mehr an Yoga als an Akrobatik erinnert. Als ich rückwärts auf die Hände falle, schießt mir der Schmerz ins Kreuz. Zerrung. Bei der zweiten Übung. „Ernsthaft?“ Die Profis schauen ungläubig. Ich will mir keine Blöße geben und trainiere weiter. Immer wieder verknote ich meine 1,90 Meter mehr oder weniger kunstvoll. Mit den Figuren, die Neyenne vorturnt, hat das offenbar nur wenig zu tun. „Sieht scheiße aus“, witzelt der Kameramann, als könnte er es besser. Zum großen Finale nimmt Gummimädchen Neyenne eine labyrinthengleich-verschlungene Pose ein, die man nicht einmal mit einer gekochten Spaghetti nachformen könnte. „Jetzt du“, sagt sie und grinst. Da mein Spagat eben noch ausgesehen hat wie das Andehnen eines Rentners vor dem Frühsport, muss ich liefern. Mitten in der Manege stehe ich auf einem Podest, geblendet vom grellen Scheinwerferpflicht. Ich lasse meinen Oberkörper nach hinten fallen, um auf meinen Händen zu landen. Stattdessen greife ich ins Leere und stürze krachend vom Podest.

Teller zerschellt am Podest

Jetzt schmerzt auch das Steißbein, aber für Gejammere bleibt keine Zeit: Diego wartet mit den Tellern. Gekonnt wirft er das Porzellan in die Luft, fängt es mit einem Stab auf und jongliert lässig. Es wird das letzte Mal sein, dass sich dieser Teller dreht, denn dann bin ich dran. Schwungvoll werfe ich ihn hoch und stochere mit dem Stab meilenweit vorbei. Der Teller zerschellt am Podest.

Schlangenmädchen Neyenne

„Endlos viele haben wir nicht“, mahnt Diego zur Konzentration. Auch die nächsten 100 Versuche bleiben erfolglos: Immer wieder rutschen mir die Teller vom Stab. Fluchend stolpere und torkele ich mit dem Porzellan durch die Manege – aber die Nummer will einfach nicht gelingen. „Mach‘ dir nichts draus“, muntert mich Diego auf, „wir haben auch eine Weile gebraucht, bis wir sie drauf hatten.“

Schlangenmädchen fing früh an

Kniffelige Aufgabe: Die Tellerjonglage. | Foto: Collet

Er und seine Geschwister wuchsen als Zirkuskinder in der Manege auf. Schlangenmädchen Neyenne begann schon im Alter von zwei Jahren. „Mir wurde mein Beruf in die Wiege gelegt“, sagt die junge Frau und lässt keinen Zweifel daran, dass sie sich nichts anderes vorstellen kann: „Ich habe keinen Plan B. Mit einem Büro-Job würde ich mich zu Tode langweilen.“

Akrobaten haben keine Versicherung

Das Zirkusleben dagegen ist aufregend, manchmal auch etwas zu sehr. Bei einer ungesicherten Akrobatik-Nummer stürzte Neyenne aus acht Metern ab. „Ich habe mir den Arm gebrochen, hatte schwere Prellungen und drei angeknackste Rippen“, erinnert sie sich, „trotzdem stand ich einen Monat später wieder in der Manege. Ohne sie halte ich es nicht aus.“ Eine Versicherung haben die Akrobaten übrigens nicht: Das hohe Verletzungsrisiko bei ihren Auftritten will kein Anbieter tragen. Damit die Nummern reibungslos über die Bühne gehen, müssen die insgesamt 14 Familienmitglieder – der Zirkus wird in achter Generation geführt – regelmäßig üben. Im Winter, wenn sich der Circus Bely in den ehemaligen französischen Kasernen in der Kehler Straße niederlässt, umso mehr. „Dann trainiere ich vier Stunden täglich, um beweglich zu bleiben und meine Figuren einzustudieren“, verrät Neyenne. Könnte ich das mit etwas Übung also auch? Neyenne lacht: „Du würdest dir wahrscheinlich die Wirbelsäule brechen.“

Karten: Der Circus Bely gastiert bis Sonntag, 17. März, auf dem Festplatz in Rastatt. Vorführungen finden täglich um 16 Uhr statt. Eintrittskarten gibt es unter Telefon 01727292093.