Stadtbahnen fahren bis 2022 nach Freudenstadt und Eutingen, danach enden sie in Forbach. Nach Freudenstadt fahren dann Regionalzüge.
Stadtbahnen fahren bis 2022 nach Freudenstadt und Eutingen, danach enden sie in Forbach. Nach Freudenstadt fahren dann Regionalzüge. | Foto: Collet

Stadtbahnen in Mittelbaden

Kreis Rastatt kämpft für Haltestellen

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Der Landkreis Rastatt will beim Land den Erhalt aller bisherigen Haltestellen auf der Murg- und Rheinschiene einfordern. Landrat Jürgen Bäuerle machte in der Sitzung des Kreistags deutlich, dass in der Ausschreibung des Netzes die Bedienung etwa der Stationen im Rebland, in Sinzheim oder dem oberen Murgtal komplett vorgesehen bleiben müssten. Die Mitglieder des Kreistags unterstützten diese Position einhellig.

Teilnetz wird ausgeschrieben

Hintergrund ist die bekanntgewordene Vereinbarung zur Ausschreibung des Nahverkehrsnetzes in Mittelbaden. Die Konzession für den derzeitigen Betreiber Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) läuft im Jahr 2022 aus. Zunächst sah es so aus, als ob das gesamte Netz von Bruchsal bis Freudenstadt und Achern ausgeschrieben werden müsste. Nun wurde allerdings eine EU-konforme Regelung gefunden, mit der das Kernnetz um Karlsruhe ohne Ausschreibung bei der AVG verbleibt, um die Bedienung des näheren Umlands mit Zügen direkt in die Innenstadt nicht zu gefährden.

Regionalzüge kommen dazu

Das hat allerdings zur Folge, dass ab 2022 die Stadtbahnen in Forbach und Baden-Baden enden – dieses Bestandsnetz trägt die interne Bezeichnung 7 a. Was darüber hinausgeht, das Netz 7 b also, wird ausgeschrieben. Konkret bedeutet das: Zusätzlich zu den Stadtbahnen soll es Regionalzüge geben, die von Karlsruhe nach Achern – oder sogar bis Offenburg – sowie nach Freudenstadt fahren. Wie Dezernent Claus Haberecht im BNN-Gespräch erklärte, wäre eine Lösung denkbar, nach der die Regionalzüge aus Karlsruhe kommend zunächst nur in Rastatt und Baden-Baden halten, ab dort – weil hier keine Stadtbahnen mehr fahren – alle Unterwegshalte bedienen. Ähnlich könnte es im Murgtal aussehen, wo bis Forbach als Eilzug gefahren wird, danach werden bis Freudenstadt alle Haltestellen angefahren.

Haltestellen sollen in Ausschreibung

Damit genau dies der Fall sein wird, bringt der Landkreis Rastatt – in Absprache mit dem Landkreis Freudenstadt – seine Interessen an allen Haltestellen mit ein, damit das Land dies in der Ausschreibung so festlegt. Wenn ein Anbieter danach den Zuschlag erhält, ist er an alle Vorgaben der Ausschreibung gebunden.

Landkreis Rastatt bei Präsentation nicht eingeladen

Sichtlich erzürnt war der Landrat allerdings darüber, dass der Landkreis Rastatt bei der Präsentation der Vereinbarung im Gegensatz zu Stadt und Landkreis Karlsruhe nicht eingeladen war. Er habe bereits gegenüber dem Landesverkehrsminister deutlich gemacht, dass man dies missbillige. Im Kreistag sorgte die Nichteinladung für Kopfschütteln.

Kreisräte verunsichert

Die neue Situation sorgte gleichwohl für Verunsicherung unter den Kreisräten. Hubert Schnurr (Bühl) und Erik Ernst (Sinzheim) fürchteten, dass ihre Orte vom Netz abgehängt oder im Angebot benachteiligt würden. Christof Florus (Gaggenau) verwies darauf, dass mit dem Nationalpark der Tourismus aufgebaut werden solle und daher die Stadtbahnstrecke nicht in Forbach enden dürfe. Bernhard Fritz (Forbach) bezweifelte, ob sich neben den Stadtbahnen zusätzliche Regionalbahnen rechneten.
Landtagsabgeordnete Sylvia Felder entgegnete indes, sie habe im Gespräch mit AVG-Chef Alexander Pischon erfahren, dass der Verkehr im Murgtal eher noch verdichtet werde – es sollen statt zwei dann drei Stadtbahnen pro Stunde fahren.

Landrat rät zur Gelassenheit

Bäuerle und Haberecht rieten zur Gelassenheit. Es sei ein völlig normaler Vorgang, dass ein Streckennetz ausgeschrieben werde. Der Landkreis habe in einem sehr frühen Stadium die Möglichkeit, seine Interessen für die Ausschreibung zu benennen.

Kommentar: Gleiswechsel
Nun wollen wir mal die Kirche im Dorf, oder besser: die Züge auf dem Gleis lassen. Seit Jahren ist bekannt, dass der mittelbadische Schienennahverkehr neu ausgeschrieben werden muss und sich zum Jahr 2022 der Betreiber ändern könnte. So etwas passiert in ganz Deutschland ständig, zuletzt wurden die Bahnstrecken um Stuttgart – unter anderem diejenige nach Karlsruhe – ausgeschrieben und an neue Betreiber vergeben.
In der hiesigen Region war lediglich unklar, ob das „Karlsruher Modell“ mit Stadtbahnen, die aus der Region direkt in die Innenstadt fahren, erhalten werden kann. Genau dies wurde jetzt erfolgreich festgezurrt, so dass nur noch die weiter entfernten Streckenteile ausgeschrieben werden. Betroffen sind die Abschnitte südlich von Baden-Baden und oberhalb von Forbach. Hier soll es Regionalzüge geben, die übrigens deutlich bequemer sein werden als Stadtbahnen.
Um es klar zu sagen: Hätte man die Teilung des Netzes mit dem Erhalt des Kernbereichs jetzt nicht vereinbart, wäre das gesamte Netz ausgeschrieben worden. Dann müsste der Landkreis Rastatt nicht nur um Haltestellen wie Raumünzach oder Sinzheim kämpfen, sondern außerdem um Durmersheim, Muggensturm, Ötigheim, Ottenau, Bischweier oder Bietigheim – um nur einige zu nennen.
Dass die bisherigen Haltestellen weiterhin bedient werden, ist schon allein deshalb wahrscheinlich, weil das Land deren Bau üppig bezuschusst hat. Außerdem: Zwischen Baden-Baden und Offenburg gibt es drei Haltestellen, an denen die Schwarzwaldbahn durchfährt. Wenn man auf der gleichen Strecke zusätzliche Regionalzüge bestellt, ergibt das nur dann einen Sinn, wenn diese an den drei Stationen anhalten.
Den Untergang des Nahverkehrs muss beileibe keiner befürchten.