Bauarbeiten im Rödernweg
Rohre für Nahwärme haben die Stadtwerke im Sommer im Rödernweg verlegt. Innerhalb der nächsten drei Jahre könnte das Nahwärmenetz in Rastatt noch weiter wachsen. | Foto: Collet

Stadtwerke-Chef: Potenzial da

Kriegt die Rastatter Innenstadt ein Nahwärmenetz?

Anzeige

Was vor wenigen Jahren mit einem kleinen Nahwärmenetz begonnen hat, ist für die star.Energiewerke inzwischen ein regelrechtes dezentrales Versorgungskonzept geworden. „Für die Stadwerke ist das eine Zukunftssicherung“, erklärt der Geschäftsführer der star.Energiewerke, Olaf Kaspryk im Gespräch mit bnn.de. Wer sich einmal für Nahwärme entschieden habe, der bleibe auch, „wenn er gut behandelt wird“. Auf dem Strom- und Gasmarkt sehe das anders aus: „Dieser Markt wird durch die Liberalisierung immer heftiger. Die Nahwärme ist dagegen ein geschützter Bereich.“ Und der habe noch viel Potenzial, wie Kaspryk betont.

Dezentrale Versorgung für Gebäudekomplexe

„Die Nahwärme ist schwieriger zu steuern als etwa der Gasnetzausbau“, so Kaspryk. In vielen Häusern seien bereits effiziente Heizungsanlagen. Doch gehe es bei dieser Form der dezentralen Wärmeversorgung vor allem darum, große Gebäudekomplexe anzuschließen. „Da haben sich mit Joffre, Handelslehranstalt, Augusta-Sibylla-Schule und der ehemaligen Eislaufhalle Chancen aufgetan, die es sonst so nicht gibt. Die inzwischen zwei Nahwärmenetze sollen laut Stadtwerke-Chef nun miteinander verbunden werden. Und weiter wachsen.
Dabei hat Kaspryk noch einige Kandidaten im Blick: August-Renner-Realschule, AOK, Maquet, das ehemalige Trefzger-Areal am Westring, das Murg-Karree, die technischen Betriebe, das neue Wohnquartier auf der Baldenau und die evangelische Johanneskirche. „Und dann könnte man auch das Tulla und die Carl-Maria-von-Weber-Straße anschließen“, so Kaspryk mit Blick auf den Rastatter Stadtplan.

Jetzt kommt eins zum anderen

Auch in der Innenstadt sei mit dem Blockheizkraftwerk, das die Schlossgalerie und das Walz-Wohnhaus versorgt, eine gute Grundlage für ein City-Nahwärmenetz gelegt. „Jetzt kommt eins zum anderen“, so Kaspryk mit Blick auf die Entwicklung des Hatz-Areals und die Hotel-Pläne von Wolfgang Scheidtweiler auf dem Gelände der Brauerei Franz. Auch die Badner Halle, die derzeit nur mit Kälte versorgt wird, muss laut Stadtwerke-Chef bald ihre Heizkesselanlage austauschen.

Bekommt auch das Schloss Nahwärme?

Doch damit nicht genug: Denkbar seien auch die Pestalozzischule, das technische Rathaus, die evangelische Stadtkirche und das Ludwig-Wilhelm-Gymnasium. „Und jetzt kommt der Knaller: Auch das Schloss braucht eine neue Heizanlage. Aber hier muss das Land mitziehen“, so Kaspryk. Sollten sich all diese Anschlüsse realisieren lassen, dann sei allerdings auch eine Dimension erreicht, „mehr geht gar nicht“. Ein solcher Nahwärmenetzausbau sei eine Herausforderung und nur schrittweise machbar, aber innerhalb von drei Jahren realisierbar, ist der star.Energiewerke-Geschäftsführer überzeugt.

Wertschöpfung bleibt vor Ort

Da das Thema inzwischen eine ungeahnte Größenordnung angenommen hat, wird sich ab Februar ein Betriebsingenieur ausschließlich mit dem Ausbau der Nahwärme in Rastatt befassen. Doch nicht nur die Kunden, die keinen Schornstein mehr haben und auf den Kaminfeger verzichten können, haben einen Vorteil von der Nahwärme. Auch die star.Energiewerke profitieren: „Die Wertschöpfungskette liegt nur bei uns. Wir zahlen lediglich den Gaslieferanten und können an den einzelnen Stufen danach unheimlich viel optimieren“, erklärt Kaspryk. Das gesparte Geld bleibe in Rastatt und könne dann wiederum in andere ökologische Projekte fließen.

 

Atomstrom
Rund 70 Gigawattstunden Strom geben die star.Energiewerke an Haushaltskunden und Kleingewerbe ab. Davon sind laut Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk knapp acht Prozent selbst erzeugter Strom aus Fotovoltaik, Wind- und Wasserkraft und Blockheizkraftwerken (Nahwärme). „Beim Rest versuchen wir, vor allem auf Naturenergie zu setzen“, so Kaspryk. Wer nur Ökostrom nutzen will, der kann die Tarife „Revolution“, „Ström“ oder „Star.kwind“ wählen, die vor allem auf Wasser- und Windkraft setzen. Doch anders als andere Stromanbieter sind in Rastatt nicht alle Tarife automatisch kernenergiefrei.
„Wir legen Wert auf jene, die nur Ökostrom wollen“, erläutert Kaspryk, „doch uns ist auch der Preis wichtig.“ Die günstigsten Stromtarife für Privatkunden enthalten daher auch 18 bis 20 Prozent sogenannten „Graustrom“: Damit ist Strom unbekannter Herkunft gemeint, der aus Atomkraftwerken stammen kann, aber auch aus fossilen Energieträgern oder sogar aus regenerativen Energiequellen.
Anders als bei den Privatkunden regiert im Industriekundenbereich allein der Preis. „Hier gibt es ganz wenige, die reinen Ökostrom wollen“, erklärt Kaspryk. Wenn, dann handele es sich um Unternehmen, die im Bio-Sektor unterwegs seien. Aber auch die Stadtverwaltung setzt vertärkt auf regenerative Energien: So wird etwa das technische Rathaus bereits mit Ökostrom versorgt.
Deutschlandweit geht der Anteil der Atomenergie an der Stromversorgung zurück: Während 2006 noch rund 32 Prozent aus Atomstrom stammte, war der Anteil im Jahr 2015 bereits auf knapp 14 Prozent gesunken.