Heiß begehrt sind Auszubildende im Pflegebereich. Die Ausbildungsreform die Anfang dieses Jahres in Kraft getreten ist, macht aus Kranken-, Alten- und Kinderpflege einen Beruf.
Heiß begehrt sind Auszubildende im Pflegebereich. Die Ausbildungsreform die Anfang dieses Jahres in Kraft getreten ist, macht aus Kranken-, Alten- und Kinderpflege einen Beruf. | Foto: Klinikum Mittelbaden

Amt koordiniert Umstellung

Landkreis Rastatt: Pflegekräfte werden breiter ausgebildet

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Pflegekräfte werden universell ausgebildet. Im Landratsamt Rastatt hilft die Servicestelle Pflegeausbildung für die optimale Zuordnung der Praxiseinsatzstellen. Die Finanzierung der Pflegeausbildung wird über einen Ausbildungsfonds gewährleistet.

Psychisch Kranke, Ältere oder Babys: Angehende Pflegekräfte werden künftig universell in allen Pflegebereichen ausgebildet. So will es das im Januar in Kraft getretene Pflegeberufegesetz. Das neue Ausbildungsjahr startet am 1. August dieses Jahres.

Über die Pflegeausbildung in Mittelbaden haben Landrat Toni Huber, Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen und Julia Wunsch von der im September eingerichteten Servicestelle Pflegeausbildung im Landratsamt informiert. Landkreis und die Stadt Baden-Baden sind Träger des Klinikums Mittelbaden.

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„In der Region Mittelbaden sind wir sehr gut unterwegs“, sagt Wunsch. Bei ihr laufen als Koordinatorin der generalistischen Pflegeausbildung alle Fäden zusammen. „Das Land Baden-Württemberg hat den Land- und Stadtkreisen einmalig jeweils 30.000 Euro als Anschubfinanzierung gegeben, um eine solche Koordinierungsstelle zu schaffen“, erklärt Huber.

Kooperationsvertrag mit allen Beteiligten

Ende Februar soll mit allen Beteiligten ein Kooperationsvertrag geschlossen werden. Federführend sind der Landkreis Rastatt und die Stadt Baden-Baden. Zudem beteiligen sich das Pflegebündnis Mittelbaden, alle Pflegeschulen und das Klinikum Mittelbaden. Um dieses neuartige Ausbildungskonstrukt umsetzen zu können, brauche es eben viel Abstimmung und Zusammenarbeit, betont Wunsch.

Immerhin sind bis zu sechs Einrichtungen pro Lehrling in der generalistischen Ausbildung beteiligt. Das entspricht laut Wunsch neun Praxiseinsätzen und einem theoretischen Teil in der Pflegeschule. Die meiste Zeit der praktischen Ausbildung erfolgt im Ausbildungsbetrieb. Zudem finden Einsätze in den verschiedenen Versorgungsbereichen statt.

Es gibt Engpassbereiche

Der Lehrling verbringt auch einen erheblichen Teil seiner Ausbildung in anderen Einrichtungen. Dafür braucht es eine große Anzahl an Praxiseinsatzstellen. „Es gibt Engpassbereiche“, sagt Wunsch. In diesen seien verhältnismäßig knappe Kapazitäten an dieser Einsatzstellen vorhanden. Insbesondere gehören dazu die ambulante Pflege und die pädiatrische sowie psychiatrischen Versorgung.

Großes Netzwerk schaffen

Um ein großes Netzwerk – vor allem in den Engpassbereichen – von Praxiseinsatzstellen und Ausbildungsstellen im Landkreis zu schaffen, kontaktiert die Servicestelle Pflegeausbildung passende Einrichtungen.

Kinderarzt könnte zu einer Praxiseinsatzstelle werden

„Beim Landkreistag hat man schon für Lockerungen der Praxiseinsatzstellen beim Land angefragt“, sagt Huber. So soll es ähnlich wie in Bayern dann beispielsweise Kinderärzten oder Kindertageseinrichtungen möglich sein, für einen gewissen Zeitraum die Praxiseinsätze der Azubis zu gewährleisten.

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„Die Anzahl der Auszubildenden im Pflegebereich soll mit der Reform der Ausbildung gesteigert werden“, erklärt Landrat Huber. Landesweit sei allerdings erkennbar, dass dieses Ziel nicht erreichbar sei. Aktuell gebe es in Mittelbaden 100 Auszubildende im Pflegebereich.

In der Region Mittelbaden sind wir sehr gut unterwegs.

Julia Wunsch, Koordinatorin Generalistische Ausbildung

Das Ziel sind laut Huber 110 Lehrlinge pro Jahr. „Die Generalistik hat viele Vorteile. Die Azubis lernen verschiedene Bereiche und ihre Unterschiede kennen“, meint Mergen. Es sei eine Typ-Frage, welcher Bereich zu einem passe.

Ausbildungsfonds sichert Finanzierung

Die Finanzierung der Pflegeausbildung wird über einen Ausbildungsfonds gewährleistet. „Dort zahlen ausbildende und nicht-ausbildende Einrichtungen gleichermaßen ein“, erläutert Mergen. Alle Ausbildungsträger und Pflegeschulen würden aus diesem Fonds dann Ausgleichszahlungen erhalten, um ihre Kosten zu finanzieren.

 Klinikum Mittelbaden hat keine Nachwuchssorgen

Beim Klinikum Mittelbaden hat man keine Nachwuchssorgen. Das Klinikum hat viele Azubi-Interessenten, heißt es in einer Mitteilung. 2019 hätten sich über 200 Bewerber um Ausbildungsplätze beworben. „Das Klinikum ist ein attraktiver Arbeitgeber“, sagt Wunsch. Dort könne man in jedem Bereich arbeiten. „Das ist einer der großen Vorteile.

Hintergrund
Generalistik
Seit Anfang Januar dieses Jahres gibt es die neue Ausbildungsordnung für Pflegeberufe. Dadurch werden die drei bisherigen Berufe in der Alten- Kinder- und Krankenpflege zum Pflegefachmann beziehungsweise zur Pflegefachfrau zusammengefasst. Das heißt, die Lehrlinge sollen nach Abschluss ihrer Ausbildung in der Lage sein, Menschen aller Altersstufen in allen Versorgungsbereichen zu pflegen. Der Abschluss ist in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union anerkannt. Die neue generalistische Pflegeausbildung ist eine dreijährige Ausbildung mit Unterrichtseinheiten in der Berufsfachschule sowie praktischen Einsätzen in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen. Im dritten Ausbildungsjahr können sich die Lehrlinge dann unter bestimmten Voraussetzungen spezialisieren. Auszubildende, die sich dazu entschließen beispielsweise in der Kinder- oder Altenpflege tätig sein zu wollen, können für das letzte Ausbildungsdrittel einen spezialisierten Abschluss als Alten- oder Kinderpfleger erwerben. Die Zugangsvoraussetzung für diesen Beruf ist ein Realschulabschluss.