Gemeinsam an einem Strang: Im vergangenen Jahr arbeitete das Landratsamt mit mehreren Kommunen zusammen, um acht Männern eine Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Einer von ihnen: Yusuf Husseini. | Foto: Landratsamt Rastatt

Nicht alle Landräte zufrieden

Landratsamt Rastatt legt Jahresbericht zur Integration vor

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Das Thema Integration ist auf vielen Schultern verteilt: Kommunen, Schulen, Vereine, Behörden und Ehrenamtliche kümmern sich darum. Das Landratsamt Rastatt übernimmt in diesem Netzwerk eine Art Lotsenfunktion. Die zuständige Sachgebietsleiterin Tamina Hommer hat darüber nun erstmals einen Jahresbericht erstellt, den sie in der vergangenen Sitzung des Kreistags präsentierte. Allerdings zeigten sich nicht alle Mitglieder des Gremiums damit zufrieden.

Der Bedarf ist groß: Von den 231.000 Einwohnern des Landkreises Rastatt haben fast ein Drittel einen Migrationshintergrund. 32.000 Menschen besitzen eine ausländische Staatsbürgerschaft. Der Anteil der Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren in die Region kamen, ist mit 4.200 dagegen vergleichsweise klein.

Mitarbeiter führen in einem Jahr 1.147 Beratungsgespräche

Die Zielgruppe der Integrationsarbeit ist breit. Sie reicht von EU-Bürgern über Arbeitsmigranten bis hin zu Asylbewerbern aus Kriegsländern. „Wir schauen uns individuell den jeweiligen Bedarf an“, sagte Hommer.
Ihr Sachgebiet, das seit 2016 existiert, verfügt über 3,32 Stellen, verteilt auf fünf Mitarbeiter. Sie haben im vergangenen Jahr 1.147 Beratungsgespräche geführt. Im Schnitt waren das vier bis fünf pro Arbeitstag.

Eines der Hauptthemen war der Besuch von Sprachkursen. Seit 2015 bildet die Sprachförderung ein Schwerpunktthema der Integrationsarbeit des Landkreises. Dabei gibt es verschiedene Kurse, die es fast allen Migranten ermöglichen sollen, zügig ein passendes Angebot zu besuchen. Die wichtigste Säule bilden Kurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Aber auch der Landkreis selbst führte in den vergangenen vier Jahren 49 Kurse für 1.000 Personen durch.

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Intensiv bearbeitet der Landkreis laut des Berichts auch das Thema Gesundheit. Seit 2015 ist beim Amt für Migration, Integration und Recht eine Krankenschwester angestellt. Während ihr Schwerpunkt in den ersten beiden Jahren insbesondere auf Impfungen in den Flüchtlingsunterkünften lag, hat sich der Fokus inzwischen stärker auf Beratung und Präventionsarbeit verschoben.

Landrat unterzeichnet „Charta der Vielfalt“

Auch die Landkreisverwaltung selbst hat es sich auf die Fahnen geschrieben, sich interkulturell zu öffnen. Dazu fanden Schulungen der Mitarbeiter statt, in denen sie Tipps zur Kommunikation mit Menschen aus anderen Kulturen erhielten. Der ehemalige Landrat Jürgen Bäuerle unterzeichnete im Januar 2019 außerdem die „Charta der Vielfalt“, eine Selbstverpflichtung für Vielfalt in der Arbeitswelt.

Ein wichtiges Tätigkeitsfeld des Landratsamts ist die Netzwerkarbeit. So tauscht sich das Amt regelmäßig mit Vertretern von Kommunen, des Jobcenters, Wohlfahrtsverbänden oder Bildungsträgern aus. „Im Landkreis Rastatt funktioniert die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Netzwerken sehr gut“, sagte Hommer.

Wir vermissen ein paar harte Fakten

Andreas Merkel, Sprecher CDU-Fraktion

Als Beispiel nannte sie ein Projekt des Netzwerkes „Neue Heimat“, bei dem das Landratsamt im vergangenen Jahr gemeinsam mit mehreren Kommunen acht Männern eine Arbeitsgelegenheit in Kombination mit gezielter Sprachförderung vermittelte.

Hommer führte darüber hinaus weitere Beispiele für Projekte ins Feld. Einigen Kreisräten war der Bericht trotzdem zu allgemein gehalten. Andreas Merkel (CDU) sagte: „Wir vermissen ein paar harte Fakten.“ Als Beispiel nannte er fehlende Zahlen, wie viele Menschen einen Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen haben.

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Ins selbe Horn stieß Karsten Mußler (FW). Er forderte Hommer auf, bei künftigen Berichten „nicht so arg an der Oberfläche zu bleiben“. Der Landkreis investiere viel personelle und finanzielle Mittel in das Thema. Deshalb hätte er sich „mehr Fakten gewünscht“.

Dem widersprach allerdings sein Fraktionskollege Arne Pfirrman. Die Integrationsbeauftragte des Landkreises sei nicht die „Generalbevollmächtigte für alle Themen“ auf diesem Gebiet. Man könne „beileibe nicht erwarten“, dass sie bei einem ersten Bericht alle Erwartungshaltungen eines Gremiums im Vorfeld antizipiere.