Vordergründig belebt ist der Rastatter Marktplatz, insbesondere wenn der Wochenmarkt gastiert. Doch hinter den verklebten Schaufenstern lungert der Leerstand. Franz-Josef Klagmann, Vorsitzender der Einzelhändler, sieht darin nur eine Momentaufnahme. Er sagt Rastatts Innenstadt eine große Zukunft voraus.
Vordergründig belebt ist der Rastatter Marktplatz, insbesondere wenn der Wochenmarkt gastiert. Doch hinter den verklebten Schaufenstern lungert der Leerstand. Franz-Josef Klagmann, Vorsitzender der Einzelhändler, sieht darin nur eine Momentaufnahme. Er sagt Rastatts Innenstadt eine große Zukunft voraus. | Foto: Weisenburger

Lustvolles Einkaufen im Barock-Idyll Rastatt

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Ihr Zustand ist bestenfalls labil, ihre Zukunft allenfalls ein zartes Pflänzchen und hinter der nächsten Ecke lauert schon das nächste Roppenheim. Die Innenstadt von Rastatt vermittelt dem unbedarften Betrachter nicht den Eindruck von geballter und unzerstörbarer Wirtschaftskraft. Doch trotz zahlreicher Leerstände und fantasievoll weil inhaltsleer verklebter Schaufenster glaubt der Frontmann der Einzelhändler an eine strahlende Zukunft.

Franz-Josef Klagmann, Vorsitzender der Rastatter Einzelhändler und Chef des Einzelhandelsverbandes Südbaden, hält nichts von Schwarzmalerei. Er sieht das Zentrum der Barockstadt vielmehr hervorragend geeignet für das Einkaufserlebnis, das der Kunde von morgen wünscht.

Innenstadt hat Potenzial

„In Zukunft wird das persönliche Wohlgefühl des Kunden ausschlaggebend sein“, sagt Klagmann. Während rationale Einkäufer ihren Bedarf mehr und mehr im Internet deckten, suchten die Menschen ein Einkaufserlebnis, das diese Bezeichnung auch verdient. „Und mit seiner wunderschönen Innenstadt hat Rastatt hier einiges zu bieten.“

Der Kunde braucht einen Grund, in den lokalen Handel zu gehen.

Untersuchungen der Konsumforscher zeigten, so Klagmann, dass künftig das Umfeld für die Menschen beim Einkaufsbummel immer wichtiger werde. „Der Kunde braucht einen Grund, in den lokalen Handel zu gehen, anstatt auf der grünen Wiese oder im Internet einzukaufen. Und diesen Grund kann eine ansprechende Innenstadt mit Aufenthaltsqualität, zahlreichen Veranstaltungen und kulturellen Angeboten liefern“, sieht der CDU-Stadtrat seine Heimatstadt gut aufgestellt.

Recherche vorab

Dabei hat der Einzelhandel eine schwere Zeit hinter sich. „In den letzten zehn Jahren sind die Flächen des Rastatter Einzelhandels um elf Prozent zurückgegangen. Das liegt unter anderem am veränderten Kaufverhalten der Bürger“, so Klagmann. Er sagt, 50 Prozent aller Kaufabsichten würden heute vorab im Internet recherchiert. Und kommt der Kunde dann mit genauen Vorstellungen von Produkten und Preisen in den Laden, dann falle es schwer, das Internet beim Angebot zu über- und beim Preis zu unterbieten.

Konkurrierende Fabrikverkäufe

Schwierig sei es auch, mit Fabrikverkäufen der Hersteller zu konkurrieren. „Die Sportartikelhersteller verkaufen direkt im Factory-Outlet-Center in Roppenheim. Deshalb finden sie in Rastatt kaum noch einen mittelständischen Anbieter von Sportartikeln.“

Negative Auswirkungen bis in den Rastatter Einzelhandel.

Auch die Herrenausstatter seien durch Roppenheim arg gebeutelt. „Wenn jetzt noch das Pforzheimer Großversandhaus Bader seine Idee von einem Factory-Outlet-Center in der Goldstadt verwirklicht, wird auch das negative Auswirkungen bis in den Rastatter Einzelhandel haben.“ Klagmann rechnet mit Kaufkraftabfluss in einem Radius von rund 60 Kilometern um den neuen Konsumtempel, der im Pforzheimer Westen geplant ist.

Moderate Ladenmieten

Vorwürfe gegen die Immobilienbesitzer, die Ladenmieten seien zu hoch, tritt der Funktionär des Einzelhandelsverbandes entgegen. „Wir haben hier in Rastatt Ladenmieten, die sind im Bereich einer Wohnungsmiete.“ Im Gegensatz zu anders lautenden Gerüchten seien die Geschäftsmieten in Rastatts Innenstadt moderat. Bei der ein oder anderen Fassade könnten die Hausbesitzer hingegen tatsächlich noch etwas für eine attraktivere Innenstadt tun.

Mehrwert zum Internet

„Ansonsten obliegt es den Geschäftsleuten mit attraktiven Angeboten im mittleren und oberen Preisbereich, mit freundlichem Fachpersonal und der ein oder anderen pfiffigen Idee, die Kundschaft in die Läden zu locken.“ Rastatt, so Klagmann, müsse eben deutlich mehr bieten als das Internet. Die Menschen wollten beim Einkaufen längst nicht einfach die Dinge besorgen, die sie brauchen. Sie wollten vielmehr unterhalten werden, etwas erleben. Und mit dem Flair einer barocken Kleinstadt müsse das auch zu schaffen sein.