Vor dem Finale um die deutsche Meisterschaft 1973 tauschten Göppingens Kapitän Max Müller (links) und der Gummersbacher Hansi Schmidt Freundlichkeiten aus, danach ging es in der Dortmunder Westfalenhalle zur Sache.
Vor dem Finale um die deutsche Meisterschaft 1973 tauschten Göppingens Kapitän Max Müller (links) und der Gummersbacher Hansi Schmidt Freundlichkeiten aus, danach ging es in der Dortmunder Westfalenhalle zur Sache. | Foto: imago images

Ex-Nationalspieler wird 75

Max Müller eroberte von Rastatt-Niederbühl aus die Handball-Welt

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Der 7. Mai 1945 war ein Montag. Es war der letzte Tag des Zweiten Weltkriegs. In der Niederbühler Kirchstraße gab es vor siebeneinhalb Jahrzehnten – der ungewissen Zukunft zum Trotz – eine erfreuliche Nachricht. Rosa Müller, die Frau von Alfons Müller, brachte in dem Rastatter Stadtteil den gemeinsamen Sohn Max auf die Welt.

Niemand wusste in jenen Zeiten, wie das Leben im besiegten und zerbombten Deutschland weitergehen würde und niemand konnte erahnen, dass aus dem strammen Baby später einmal ein veritabler Handball-Nationalspieler werden würde.

Wenn Max Müller an diesem Donnerstag seinen 75. Geburtstag feiert, blickt er auf eine Sportlerkarriere zurück, die so nicht vorgezeichnet war. Klar: Der junge Max konnte schneller laufen und weiter springen als seine gleichaltrigen Freunde. Er war zäh, drahtig, stark und geschickt – ein Bewegungstalent.

Diese Eigenschaften setzte der Bub zunächst in der Leichtathletik und im Fußball gewinnbringend ein. Zum Handball kam er erst im Alter von 15 Jahren. „Meine Schulkameraden haben alle gespielt, da bin ich halt eines Tages auch mitgegangen“, erzählt er.

Anfänge beim SV Niederbühl

Der SV Niederbühl profitierte von den Qualitäten des Ausnahmesportlers. Schon als Jugendlicher gehörte er zum Aufgebot der Niederbühler Männermannschaft, die in Südbaden führend war – sowohl auf dem Großfeld als auch in der Halle, wohin sich das Spiel mehr und mehr verlagerte.

Max Müller erinnert sich an die Anfänge seiner Laufbahn als Hallenhandballer: „Wir haben auf dem Schulspeicher trainiert. Da war zwar mitten auf dem Spielfeld ein Stützpfeiler, aber den haben wir elegant umspielt.“ Von solchen Hindernissen ließ sich Müller jedenfalls nicht vom Erfolgsweg abbringen. Für seinen Heimatverein Niederbühl bestritt er in Trossingen gegen die Schweiz sein erstes B-Länderspiel.

In Göppingen konnte ich Sport und Beruf ideal verbinden.

                   Max Müller über seinen ehemaligen Verein 

 

Zu diesem Zeitpunkt hatten die Späher längst ihre Fühler nach dem angehenden Polizeibeamten ausgestreckt. Der mehrfache Europacupsieger FA Göppingen machte schließlich das Rennen. „Das war ein Glücksfall für mich“, sagt er. „In Göppingen konnte ich Sport und Beruf ideal verbinden.“ Es war eine Beziehung, aus der beide Seiten ihren Nutzen zogen.

In seiner Heimat Niederbühl feiert Max Müller den 75. Geburtstag – mit Abstand, versteht sich. | Foto: Collet

Zwei deutsche Meistertitel mit Frisch Auf Göppingen

Der Rückraumspieler mit dem harten Wurf holte mit Göppingen zwei deutsche Meistertitel. In den Endspielen, zu Zeiten der zweigeteilten Bundesliga Anfang der 1970er-Jahre die Höhepunkte im Handball-Geschehen, hieß der Gegner jeweils VfL Gummersbach.

1970 in Frankfurt verfolgten 11.200 Zuschauer den 22:18-Sieg von Frisch Auf. Zwei Jahre später führte Müller die Schwaben als Kapitän in Böblingen zu einem 14:12-Erfolg. Obwohl es 1973 vor 12.500 Fans in der Dortmunder Westfalenhalle gegen die Gummersbacher um Torjäger Hansi Schmidt eine 18:21-Finalniederlage gab, bezeichnet Müller auch sein drittes Endspiel als „unvergesslich“.

51 A-Länderspiele für Deutschland

Auch auf internationaler Ebene mischte der Niederbühler mit: 51 A-Länderspiele stehen zu Buche. Die WM-Teilnahme 1970 in Frankreich war ein weiterer Karriere-Höhepunkt – obgleich der Traum vom Titelgewinn nicht in Erfüllung ging. Im Viertelfinale besiegelte die hauchdünne 17:18-Niederlage gegen die DDR das Aus der deutschen Mannschaft. Müller ist sich sicher: „Wenn wir dieses Spiel gewonnen hätten, wären wir Weltmeister geworden.“

Spuren beim TSV Rintheim hinterlassen

Von Göppingen wechselte Müller zurück nach Baden, wo er beim ehemaligen Bundesligisten TSV Rintheim seine Spuren hinterlassen hat. Mit den Karlsruhern zog er 1975 ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft ein (17:16 und 11:18 gegen Gummersbach) und erreichte das Pokalendspiel (14:15 gegen GW Dankersen).

Mehr zum Thema: Mittelfristig kein Profi-Handball – eine Analyse des Standorts Karlsruhe

Viele positive Erinnerungen an den Handball

Vom Handball, der ihm so viel gab und ihn bekannt machte, sind dem pensionierten Kriminal-Hauptkommissar jede Menge positive Erinnerungen geblieben. Dieses Kapitel seines Lebens ist freilich abgeschlossen.

Mittlerweile lässt er es beim Angeln um einiges ruhiger angehen – am liebsten in norwegischen Gewässern. Entspannt wird wohl auch die Geburtstagsfeier ablaufen. In Zeiten von Corona ist auch in Müllers Niederbühler Stammhaus Abstand halten angesagt. Die gute Laune wird sich der Jubilar – und das ist sicher – davon allerdings nicht verderben lassen.