Für das Schulessen müssen die Eltern – wie hier an der Rastatter Gustav-Heinemann-Schule – künftig tiefer in die Tasche greifen. Der Beitrag steigt um 40 Cent. | Foto: Collet

Aus dem kommunalen Ausschuss

Mittagstisch für Schüler wird in Rastatt teurer

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Das Essen wird wohl teurer. Der Mittagstisch an den Rastatter Ganztagsschulen Gustav-Heinemann-Schule und Karlschule kostet ab Februar 3,30 Euro pro Mahlzeit. Derzeit zahlen Eltern noch 2,90 Euro für das Mittagessen ihrer Kinder. Der Verwaltungs- und Finanzausschuss hat diese Preiserhöhung dem Rastatter Gemeinderat am Montag mit großer Mehrheit empfohlen.

Weil derlei Erhöhungen offenbar immer etwas peinlich oder zumindest unangenehm sind, hat man sich jetzt auch gleich auf einen Mechanismus geeinigt, der den Preisanstieg für die nächsten Jahre quasi automatisiert. Die jetzige Erhöhung ist die erste seit 2003. Damals konnte man sich im Rathaus letztmals durchringen, das Mittagessen für Schüler teurer zu machen.

Thema wird nach Berlin verlagert

Künftig, so schlägt der Ausschuss vor, soll der Essenspreis für Rastatts Ganztagsschulen am sogenannten Sachbezugswert der Sozialversicherungsentgeldverordnung hängen. Damit wird das leidige Thema der Preissteigerung vom Rastatter Gemeinderat ins Berliner Sozialministerium verlagert. Die Freien Wähler stehen allerdings nicht hinter dieser automatischen Erhöhung.

Symbolischer Preis

„Wir wollen diese Dynamisierung nicht mitmachen“, sagte deren Sprecher, Herbert Köllner. Er sehe im Elternbeitrag fürs Mittagessen vielmehr einen symbolischen Preis, den es politisch festzulegen gelte. Bürgermeister Arne Pfirrmann, der die Sitzung in Abwesenheit von Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch leitete, verwies hingegen auf das Kostenverursacherprinzip und betonte, die Allgemeinheit sei nicht unbegrenzt für die Finanzierung der Schülerspeisung zuständig.

Kosten für Mittagstisch

Trotz der saftigen Erhöhung tragen Eltern auch weiterhin nicht einmal die Hälfte der tatsächlichen Essenskosten. Nach der Kalkulation der Stadtverwaltung fallen für jede Mahlzeit in den Mensen der Gesamtschulen Kosten in Höhe von 6,78 Euro an. Lediglich 49 Prozent davon werden auf die Eltern abgewälzt. Den Rest zahlt der Kämmerer aus der Stadtkasse.

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Wenig Budget für Essen

Nach dessen Kalkulation macht das Essen selbst nur einen kleinen Teil der Kosten aus. Mit 2,77 Euro schlägt der Anteil des Anbieters Apetito zu Buche. Weitere 2,69 Euro werden für die Personalkosten bei der Essensausgabe und beim Spülen fällig. Fürs Bestell- und Abrechnungssystem veranschlagt die Stadtkasse 54 Cent und schlappe 78 Cent verursacht jedes Mittagessen an Verwaltungskosten im Rathaus.

Bei diesem Punkt handelt es sich nach Informationen aus dem Rastatter Rathaus um eine Sammelkalkulation, die Kosten von der Ausschreibung und Vergabe, über den Aufwand für Stadtkasse und Schulsekretariate bis hin zum Anteil des Hausmeistergehalts zusammenfasst. Das Gehalt des Oberbürgermeisters und die Aufwandsentschädigung für die Gemeinderäte ist nach BNN-Informationen aber nicht eingerechnet.

Kommentar
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Spar-Menü

Nichts ist wichtiger als eine gesunde und ausgewogene Ernährung, insbesondere für Kinder. Rastatt handelt vorbildlich und lässt sich den Mittagstisch seiner Ganztagsschüler satte 6,78 Euro kosten. 6,78 Euro, da lässt sich ordentlich was draus kochen.

Aufgelistet

Doch wie viel von diesen 6,78 Euro gehen ins frische Gemüse? Wie viel Geld ist drin für gesundes Obst, regional erzeugtes Fleisch, den Naturjoghurt als Dessert? Naja, die ersten 2,69 Euro pro Mahlzeit gehen nach den Kalkulationen der Stadtverwaltung drauf fürs Personal an der Essensausgabe und am Spültisch. 49 Cent pro Teller kostet die Abrechnungssoftware. 78 Cent an Verwaltungskosten zieht der Kämmerer für jeden hungrigen Schüler pro Tag ab.

Aus der Kasse

Mit den Kosten für den Hausmeister, das Schulsekretariat und die Bearbeitung in der Stadtkasse kommt einiges zusammen – das Gehalt für den Oberbürgermeister wird da noch nicht einmal mit abgerechnet. Getrost darf man die fünf Cent pro Tag und Mahlzeit für die Abschreibung der Küchengeräte vernachlässigen.

Kosten ohne Ende

Für die Firma, die das Essen liefert, bleiben von den 6,78 Euro so am Ende gerade mal 2,77 Euro pro Teller. Doch auch der Caterer hat Personalkosten, muss Maschinen abschreiben, Sekretariate finanzieren. Vielleicht hat er sogar einen Hausmeister, ganz sicher aber einen Fahrer samt Auto, der die Mahlzeiten zur Schule bringt.

Appetit

Wer hoffnungsvoll annimmt, dass Privatunternehmer im Vergleich zu öffentlichen Verwaltungen nur die Hälfte von Personal-, Abrechnungs- und Verwaltungskosten verursachen, der kommt immerhin auf einen Restbetrag von 63 Cent fürs Essen. Ganze 63 Cent bleiben also übrig für die Lebensmittel, aus denen letztlich ein gesundes und reichhaltiges Mittagessen gezaubert wird. Guten Appetit.

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