Rockige Klänge ertönten beim Auftritt der Band „The Rhythm Kings“ bei der Musiknacht im Rastatter „Ratsstübel.“
Rockige Klänge ertönten beim Auftritt der Band „The Rhythm Kings“ bei der Musiknacht im Rastatter „Ratsstübel.“ | Foto: Holbein

Partylaune in der Barockstadt

Musiknacht Rastatt: Kopfsteinpflaster wird zum Tanzparkett

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Von Martina Holbein

Es ist kurz nach 23 Uhr, Samstagnacht, normalerweise sind um diese Uhrzeit die Gehwege in der Barockstadt längst hochgeklappt. Nicht in dieser leicht feuchten Novembernacht: Ein vollbesetzter Shuttlebus hält vor dem „Ratsstübl“ in der Fußgängerzone und spuckt seine Ladung, lauter Menschen in Feierlaune aus.

Zum vierten Mal lockte die Rastatter Musiknacht Musikfans jeder Couleur aus nah und fern an. Während die Musiker im „Ratsstübel“ Pause machen, nutzen die Gäste dies, um sich quasi austauschen. Die einen rein, die anderen raus, so funktioniert das und wer kann, nutzt die Chance, und schiebt sich ein Stück weiter nach vorne.

Volles Haus bei der Musiknacht

Denn bei einigen der teilnehmenden Kneipen und Gaststätten lautete an diesem Abend, der bis in den frühen Morgen dauerte: „Eng, enger, ganz kuschelig“, will sagen, umfallen konnte keiner, so dicht standen die Leute. Und wer tanzen wollte? Der verlegte das Tanzparkett einfach, solange bis der große Regen einsetzte, auf das Kopfsteinpflaster davor. Während also im „Ratsstübel“ „The Rhythm Kings“ den „Rock around the Clock“ rockten, tanzten draußen Pärchen Rock ’n’ Roll und tobten sich „auf der Gass’“ aus.

Brasilianische Rhythmen

Ähnlich ausgelassene Feierstimmung herrschte auch im „Living“, einige hundert Meter weiter. Dort hatten sich die Gäste auch am offenen Fenster platziert, um einen besseren Blick auf Renato Pantera, den Brasilianer aus Berlin, und seine temperamentvollen Tänzerinnen zu haben, denn innen war kein durch- kommen. Mit seinen zwei Kollegen, seinen Bossa Nova- und Samba-Rhythmen traf er den Geschmack vor allem der jungen Leute, die sich schnell die geschmeidigen Bewegungen der brasilianischen Ladies abschauten und die Nacht mit leidenschaftlichem Hüftschwung verbrachten.

Bands für jeden Geschmack

Schwerer hatten es „Catfish“ mit Beat-Rhythmen, Rock ’n’ Roll und ein wenig Country im „Lehners“. Der Funke sprang nur zögerlich über, obgleich mit „Hippy, Hippy Shake“ (Beatles), „California Dreaming“ oder „Do you wonna dance“ durchaus Ohrwürmer aus den 1950er Jahren zum Tanzen motivierten.

„The Strummingbirds“ oder Eva Winters (Gesang und Gitarre) und Revin Shangula brachten Blues und Country und mit „Tennessee Whiskey“ manchen Gast dazu, auf dieses Getränk umzusteigen. Im „Engel“ war es die sympathische Tanja Steel and Friends, die mit handgemachten Pop- und Rocksongs den Flirt mit dem Publikum nicht scheute.

Von einer Bühne zur nächsten

Es ist ein Kommen und Gehen in den Locations der Innenstadt, da wird sich mit dem Smartphone vor der „Blauen Katz“ verabredet, wo „Phatkat“ mit ihrem Ugly Blues und kernigem Rock die Dielen zum Beben bringen, oder man tauscht sich persönlich aus, wo Stimmung ist.

Drei Mädels aus Baden-Baden stehen noch unentschlossen vor dem „Lehners“, die Musikrichtung ist nicht so ihre, sie schließen sich dann aber einer Gruppe an, die das „Living“ ansteuert. Ohne Auto, versteht sich. Denn in der Innenstadt ist alles fußläufig erreichbar, so auch der „Schützen“, wo von der Karlsruher Band „Last Train For The Coast“ Hits von gestern und heute unplugged für eher leise Töne sorgen und zum Atem holen einladen.

Shuttlebus für müde Füße

In den „Rheinau Pub“, wo „Kommando B“ von A bis Z das Alphabet durchrockte, ins „Jockeystübl“ (Plittersdorf) mit „Charly’s Silence“, deren Rock, Hardrock und Metal überhaupt nicht leise daherkam, und zum Club „Freiraum“ wurden die nimmermüden Tanz- und Musikbegeisterten mit dem Shuttlebus gebracht. „Endlich ’was los in Rastatt“, „wir machen alle Stationen durch“, „super Stimmung, super Bands, super Leute“, hieß es – mehr Euphorie geht fast nicht.