Unter die Lupe genommen: Vogelschutzwart Pierre Fingermann betrachtet den Vogel bei der Aufnahme in der Wildvogelstation genau.
Unter die Lupe genommen: Vogelschutzwart Pierre Fingermann betrachtet den Vogel bei der Aufnahme in der Wildvogelstation genau. | Foto: Holbein

Unterschrift fehlt noch

Nach anfänglichem Groll: Rastatter Landratsamt und Vogelwart Fingermann nähern sich an

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Querelen mit dem Veterinäramt und der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rastatt seien verantwortlich dafür, dass er seine Arbeit niederlegt. Das gab Vogelwart Pierre Fingermann vor wenigen Tagen auf Facebook bekannt. Sein Enkel Kevin Fingermann kündigte an, das Engagement seines Großvaters fortführen zu wollen. Über die angebotene Minijob-Vereinbarung des Landratsamtes Rastatt herrschte bisher Uneinigkeit. Doch nun bewegt sich etwas.

Von unserer Mitarbeiterin Martina Holbein

Die Passage, wonach Kevin Fingermann mit seinem Privatvermögen für jeden einzelnen Vogel haften soll, ist gestrichen. Und auch die zuerst pauschale Begrenzung auf maximal 300 Vögel pro Jahr, die aufgenommen werden dürfen, ist modifiziert.

Die Anzahl soll sich danach richten, wie viel Vögel er naturschutz-, veterinärrechtlich und artenschutzgerecht geordnet aufnehmen kann, teilt Gisela Merklinger, Pressesprecherin des Landratsamtes, auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

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Diese zwei Punkte hatte Kevin Fingermann als Hauptgrund genannt, warum er die Vereinbarung mit dem Landratsamt bisher nicht unterschreiben konnte. „Da müsste ich ab sofort alle Hilfesuchenden abweisen, weil wir bereits voll sind“.

Bereits im Vorfeld gab es erste Anlaufschwierigkeiten in der anvisierten Zusammenarbeit: Bei einem Besuch der Behörde sei Pierre Fingermann signalisiert worden, dass er für sie nicht mehr Ansprechpartner sei, sondern sein Enkel Kevin Fingermann. Dieser empfand die Äußerung als verletzend seinem Opa gegenüber und mache seinem Unmut im Internet Luft.

Landratsamt will Fingermann unterstützen

Pierre Fingermann selbst spricht von einer guten Zusammenarbeit mit verschiedenen Ansprechpartnern im Landratsamt in den vergangenen 27 Jahren, seitdem er die Aufgabe des Vogelschutzwartes für den Landkreis Rastatt 1993 ehrenamtlich übernommen hatte.

Für die Sachkosten erhielt er finanzielle Unterstützung vom Landkreis, bei den Futterkosten unterstützten der Nabu und Bürgerstiftung Rastatt. Die Schwierigkeiten begannen im vergangenen Jahr, als Pierre Fingermann ins Krankenhaus musste. Er dachte ans Aufgeben, bis sein Enkel signalisierte: „Ich mache weiter“.

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Mit Kevin Fingermann als Nachfolger – er ist als ehrenamtlicher Naturschützer anerkannt und hat sowohl die Fähigkeit, mit Vögeln umzugehen, als auch die Leidenschaft von seinem Opa geerbt – möchte das Landratsamt einen Neuanfang machen und ihn auf der Basis der tierschutzrechtlichen Vorgaben, die sich in den vergangenen Jahren verändert und verschärft haben, unterstützen.

Der Landkreis Rastatt nimmt dabei eine Sonderrolle ein: Er ist der einzige in Baden-Württemberg, der eine solche Wildvogelstation unterstützt.

Langfristige Lösung gesucht

Laut Gesetz sind die jeweiligen Städte und Gemeinden für aufgefundene Wildtiere zuständig. Auch an die Zukunft wird gedacht: In Zusammenarbeit mit Wolfgang Huber vom Nabu möchte der Landkreis eine langfristige Lösung finden und in Zusammenarbeit mit dem Nabu eine Wildtierstation Mittelbaden aufbauen.

„Wir schätzen die Arbeit, die Pierre Fingermann in den vergangenen 27 Jahren geleistet hat, wert, es ist beeindruckend, mit welchen Herzblut er gewirkt hat“, bekräftigt Gisela Merklinger.

Als Pierre Fingermann 2018 die Dankesurkunde des Landkreises Rastatt aus den Händen von Jörg Peter, Erster Landesbeamter, erhielt, formulierte dieser: „Sie sind das Aushängeschild für den Tierschutz im Landkreis.“