Auf der Seite gelandet: Die Bergung des Eier-Lasters zieht sich bis in die Nachmittagsstunden hin. Die Einsatzkräfte müssen die fragile Fracht per Hand in ein anderes Fahrzeug umladen, bevor der Sattelzug geborgen werden kann. | Foto: Hans-Jürgen Collet

17 Kilometer Stau

Nach Lkw-Unfall auf A5 bei Rastatt: Stundenlange Bergung und Verkehrschaos

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Eine Ladung Eier hat am Montag gezeigt, wie zerbrechlich die Verkehrsinfrastruktur ist. Auf der A5 bei Rastatt war in den frühen Morgenstunden ein 40-Tonner mit der fragilen Fracht umgekippt. Die Folge war eine Vollsperrung, die erst um 16.30 Uhr teilweise aufgehoben werden konnte. Das Verkehrschaos war enorm. An derselben Stelle hatten sich in den vergangenen drei Wochen mehrere ähnliche Unfälle ereignet. Die Polizei sieht aber keine Gefahrenstelle.

Bereits am 21. April kippte ein Tanklaster zwischen den Anschlussstellen Rastatt-Nord und Rastatt-Süd um. Der Fahrer kam bei dem Unfall ums Leben, die Autobahn blieb stundenlang gesperrt. Tausende Liter Diesel-Kraftstoff verunreinigten die Fahrbahn, die deshalb teilweise erneuert werden muss.

Drei schwere Unfälle innerhalb weniger Tage an Baustelle

An der dafür eingerichteten Baustelle kam es am 25. April zu einem weiteren Unfall mit einem Kleintransporter, der aber abseits der Fahrbahn zum Stehen kam und deshalb kein Verkehrschaos verursachte. Das folgte am 28. April. Diesmal fuhr ein Sattelzug in die Baustellabsicherung und stellte sich quer. Wegen der zweistündigen Vollsperrung staute sich der Verkehr auf zwölf Kilometer Länge.

Noch heftiger erwischte es die Pendler am Montag. Zwar ereignete sich der Unfall um 4 Uhr bei wenig Verkehr, doch die Bergung des Lkw zog sich bis in den Nachmittag hin. Die Eier, die den Unfall heil überstanden hatten, mussten in Handarbeit umgeladen werden. Zwischen Ettlingen und der Ausleitung in Rastatt standen die Fahrzeuge zwischenzeitlich auf einer Strecke von 17 Kilometern.

Verkehrschaos rund um Rastatt: Auf vielen Straßen bilden sich Staus, wie hier zwischen Muggensturm und Kuppenheim. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Wer es endlich runter von der Autobahn geschafft hatte, musste sich auf der Umleitungsstrecke weiter in Geduld üben. Entlang der offiziellen Wegführung in Richtung Autobahnauffahrt Rastatt-Süd quälte sich die Blechschlange unter anderem durchs Münchfeld. Aber auch die Anwohner in Kuppenheim mussten erneut leiden: „Die Friedrichstraße ist wieder dicht“, meldete Bürgermeister Karsten Mußler den dritten Kollaps innerhalb kurzer Zeit.

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Zwar liege die Knöpflestadt nicht auf der Umleitungsstrecke, aber dank Navi suchten sich viele Verkehrsteilnehmer Alternativen und sorgten so auch für Stau auf anderen Strecken. Aus Mußlers Sicht zeigt die Häufung der Zwischenfälle, dass für die Bauarbeiten auf der B462 für das Projekt „eWayBW“dringend ein Umleitungskonzept erstellt werden müsse. Ansonsten drohe der Region „das völlige Chaos“. Mußlers Anliegen: ein Lkw-Durchfahrtsverbot für Kuppenheim während der Bauzeit.

Der Bürgermeister kann zumindest hoffen, dass die Baustelle auf der A5, bei der die rechte Fahrspur in Richtung Süden und der Standstreifen gesperrt sind, in den nächsten Tagen verschwindet. Der Autobahnkonzessionär Via Solutions wollte die Arbeiten ursprünglich bis diesen Mittwoch abgeschlossen haben. Ob sie sich durch den erneuten Unfall verzögern, ist offen. Eine Antwort auf eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion gab das Unternehmen am Montag nicht.

Polizei schätzt Baustelle nicht als besondere Gefahrenstelle ein

Die Polizei schätzt die Baustelle trotz der drei schweren Unfälle in kurzer Zeit nicht als besondere Gefahrenstelle ein. Nach Angaben eines Sprechers des Polizeipräsidiums Offenburg ist die Baustelle korrekt eingerichtet, es gebe keine besonderen Gegebenheiten. Allgemein seien solche Verengungen ein „Hemmnis im Verkehrsfluss“ und führten zu Spurwechseln. Dass es an solchen Stellen auch verstärkt zu Unfällen komme liege „in der Natur der Sache“. Ursache sei häufig Unaufmerksamkeit.

Auch der 64-jährige Fahrer des Eier-Transporters, der den Unfall leicht verletzt überstand, hatte die Baustelle offenbar übersehen. Beim Versuch, auszuweichen, geriet das Fahrzeug ins Schleudern und kippte um.