Flagge zeigen: Bei der Jubiläumsfeier im Vereinsheim wurde an die Gründung der Rastatter Naturfreunde vor 100 Jahren erinnert. Rund 200 Gäste waren zur Feier gekommen.
Flagge zeigen: Bei der Jubiläumsfeier im Vereinsheim wurde an die Gründung der Rastatter Naturfreunde vor 100 Jahren erinnert. Rund 200 Gäste waren zur Feier gekommen. | Foto: Karft

Rastatter Naturfreunde

Eine „feste Bank“ seit einem Jahrhundert

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Mit einer großen Jubiläumsfeier in ihrem Vereinsheim in der Brufertstraße ist die Naturfreunde-Ortsgruppe Rastatt in ihr Jubiläumsjahr gestartet. Rund 200 Gäste versammelten sich am Abend des 100. Gründungstages im Naturfreundehaus, um dort gemeinsam in die bewegte Geschichte eines Vereins einzutauchen, der seinen Ursprung in der frühen sozialistischen Arbeiterbewegung hat.

Von Ralf Joachim Kraft

Heute ist die Gruppe als Teil eines sozial-ökologischen und gesellschaftspolitisch aktiven Verbandes für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur aus dem Rastatter Vereinsleben nicht mehr wegzudenken. Die Jubiläumsansprache hielt Ehrenbürger und Naturfreund Gunter Kaufmann.

Musikalische Gruppen begleiten Feier

Begleitet wurde die Veranstaltung von der Songgruppe der Naturfreunde Baden und der Mandolinen- und Zupfgruppe der Ortsgruppe Bretten und Berghausen. Der musikalische Teil nahm sehr breiten Raum ein, „weil das Singen und Musizieren bei uns schon immer einen hohen Stellenwert hatten“, wie der Vereinsvorsitzende Heinz Zoller berichtete.

Rückblick auf die  Vereinsanfänge

Mit dem Lied „Die Gedanken sind frei“ starteten die Naturfreunde einen Ausflug in die Anfänge des Touristenvereins „Die Naturfreunde“ Ortsgruppe Rastatt, der am 15. März 1919 im ehemaligen Rastatter Gasthaus „Drei König“ von 36 „wanderlustigen Genossen und Genossinnen“ aus der Taufe gehoben wurde.

Vorsitzende spielt Gründung nach

Vorsitzende Uschi Böss-Walter, die gemeinsam mit Zoller seit zehn Jahren die Ortsgruppe leitet, spielte, unterstützt von den Mitgliedern, das im Gründungsprotokoll Festgehaltene nach. Neben der „eifrigen Arbeit für die edle Sache“, also für den Schutz und die Pflege der Natur, sei es seinerzeit vor allem um die Gesundheit der Arbeiterfamilien durch Wanderungen und Naturaufenthalte gegangen.

Knoth gratuliert

Bürgermeister Raphael Knoth gratulierte für die Stadt und überreichte einen Scheck. Der Zweite Beigeordnete würdigte den Einsatz des heute rund 340 Mitglieder zählenden Vereins für Natur- und Umweltschutz „schon zu einer Zeit, als darüber noch gar nicht diskutiert wurde“. Die Stadt sei stolz auf die Rastatter Naturfreunde, die Teil einer internationalen Gemeinschaft seien, eine intensive Partnerschaft mit den Naturfreunden im Senegal pflegten und mit einem vielfältigen Sport- und Kulturangebot für jedermann aufwarteten.

Moritz erinnert an Werte

Martin Moritz, Repräsentant des Naturfreunde-Landesvorstands Baden, erinnerte an den Mut, mit dem die Naturfreunde „auch in harten Zeiten“ zu ihren Werten und Überzeugungen standen. „Die Rastatter Naturfreunde sind eine feste Bank, immer verlässlich und stets bereit, Alternativen vorzuleben und Flagge zu zeigen“, betonte Moritz, der eine große rote Fahne überreichte.

Gartenfreunde Rastatt überreichen Scheck

Von einer guten Nachbarschaft in gemeinsamer Verantwortung für die Natur sprach der Vorsitzende der Bezirksgruppe der Gartenfreunde Rastatt, Jürgen Wahl, der ebenfalls einen Scheck im Gepäck hatte. Ein Bild mit Hirschkäfer gab es von Martin Klatt, der für den Nabu-Kreisverband Rastatt zum Geburtstag gratulierte.

Kaufmann widmet sich der Gründerzeit

Gunter Kaufmann widmete sich in seinem Festvortrag der Gründerzeit der Naturfreunde und ihrer Entwicklung in der Zeit der Weimarer Republik. Er berichtete, dass die Mitglieder schon im Juni 1919 eine eigene Fotogruppe ins Leben riefen, um ihre Wanderungen festzuhalten. Im November 1919 sei es durch den Wechsel des Vereinslokals, sprich, durch den Umzug vom „Hatz’schen Biergarten“ in den „Rappen“, zur Vereinsspaltung in die „Naturfreunde“ und die „Wanderfreunde“ gekommen; 1923 schlossen sie sich wieder zusammen.

Vereinsleben in den Zwanzigerjahren

Trotz Inflation und Weltwirtschaftskrise habe sich in den Zwanzigerjahren ein aktives Vereinsleben entwickelt, dem die Nationalsozialisten im Mai 1933 ein vorläufiges Ende setzten. Als erster Verein im Nachkriegs-Rastatt wieder zugelassen, träten die Naturfreunde bis heute „für eine nachhaltige Entwicklung ein, ob ökologisch, wirtschaftlich oder sozial“.