Der ideale Standort: Für den Nabu-Ortsgruppenvorsitzenden Wolfgang Huber wäre das Tierhof-Gelände von Anja Starck, hier mit aufgepäppeltem Rehkitz und ihrer Kollegin Katharina Strobel, als Sitz der Wildtierstation gut geeignet. Doch es gibt dort baurechtliche Probleme.
Der ideale Standort: Für den Nabu-Ortsgruppenvorsitzenden Wolfgang Huber wäre das Tierhof-Gelände von Anja Starck, hier mit aufgepäppeltem Rehkitz und ihrer Kollegin Katharina Strobel, als Sitz der Wildtierstation gut geeignet. Doch es gibt dort baurechtliche Probleme. | Foto: Collet

Tierhof erneut im Fokus

Naturschützer plant „Wildtierstation Mittelbaden“ in Bischweier

Anzeige

Verletzte Igel, Rehkitze oder Feldhasen gesund pflegen: Dieses Ziel möchte der Naturschützer Wolfgang Huber mit seiner geplanten „Wildtierstation Mittelbaden“ erreichen. Den passenden Standort hat er dafür schon gefunden: den Tierhof von Anja Starck am Rand von Bischweier, der dadurch nach dem Ärger um die Igelstation im vergangenen Jahr erneut in den Fokus rückt.

Mit Hingabe betreibt Anja Starck ihren Rund-um-die-Uhr-Job, der für sie zugleich Berufung ist. Nicht selten geht es dabei um Leben und Tod. Seit einigen Jahren kümmert sich die gelernte tiermedizinische Fachangestellte nicht nur um kranke oder schwache Igel.

Sie versorgt auch Gnadenpferde und betreut aktuell 16 Steinmarder, einen Raben, ein Rehkitz und einen Feldhasen. Immer wieder nimmt sie Wildtiere auf, die gefunden und zu ihr gebracht wurden, um sie mit großem Aufwand am Leben zu erhalten, mit Liebe aufzupäppeln und wieder in die Freiheit zu entlassen.

Damit auch künftig verletzte oder hilflose Wildtiere nicht einfach ihrem Schicksal überlassen werden, hat der Naturschützer Wolfgang Huber in den vergangenen Monaten Pläne für eine „Wildtierstation Mittelbaden“ geschmiedet.

Ärger um Igelstation auf Tierhof in Bischweier im vergangenen Jahr

Seit Ende vorigen Jahres arbeitet der pensionierte Gymnasiallehrer mit Hochdruck an einem Konzept. Dieses hat er jetzt im Gespräch mit dieser Redaktion präsentiert. Der ideale Standort für eine solche Station wäre aus seiner Sicht der am Ortsrand von Bischweier gelegene Tierhof von Anja Starck. Auf diesem befindet sich auch die ehrenamtlich betreute Igelstation des Nabu.

Falls die baurechtlichen Probleme in diesem Bereich nicht gelöst werden können, kämen auch andere Gemeindegrundstücke im ruhigen Außenbereich in Frage, sagt der 67-jährige Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Murgtal.

Am Donnerstag wird er sein Konzept im Gemeinderat Bischweier vorstellen. Tags darauf soll im Kirschendorf ein Träger- und ein Förderverein mit Sitz in Rastatt gegründet werden. Beitreten können Vertreter des Nabu, des Landratsamtes, der Gemeinde Bischweier und anderer Kommunen.

Zweck des Trägervereins sei es, die Wildtierpflege aufzubauen und zu organisieren, alle nötigen tiermedizinischen Behandlungen sicherzustellen und dafür zu sorgen, dass die Tiere sachgerecht transportiert und nach ihrer Genesung wieder ausgewildert werden, berichtet Huber.

Der Förderverein diene dem Zweck, die Wildtierrettung, -pflege und -auswilderung zu fördern – und zwar ideell, materiell, durch ehrenamtliche Mithilfe und auch dadurch, dass Interessierte über Tierpflege, Natur- und Umweltschutz informiert werden.

Wie die BNN berichteten, wollte die Baurechtsbehörde des Landratsamtes Rastatt den Tierhof der Familie Starck Ende vorigen Jahres abreißen lassen.

Mehr zum Thema: Igelstation in Bischweier wird bis Februar 2020 geduldet

Grund: Ein Landwirt hatte die Bauten zu Beginn der 90er Jahre illegal errichtet. Erst nach einer Anzeige flogen die Schwarzbauten auf. Wolfgang Huber bot Anja Starck, die das Anwesen vor einem Jahr gekauft hat, seine Unterstützung an.

Bauten des Tierhofs sind nur vorläufig geduldet

Mit Hilfe eines Anwalts konnte sie den Abriss vorerst verhindern. Bei einem Treffen mit dem Ersten Landesbeamten Jörg Peter, dem zuständigen Amtsleiter Sébastien Oser und Bürgermeister Robert Wein wurde eine vorübergehende Duldung der Bauten erreicht, wie Huber berichtet. „Bei einem Abriss wären viele Rauchschwalbennester verloren gewesen“, erzählt Starck.

Die Sprecherin des Landratsamtes, Gisela Merklinger, nannte erst jüngst die geplante Wildtierstation als „große Lösung“, vor allem im Hinblick auf den Rückzug der beiden Rastatter Vogelschützer Pierre und Kevin Fingermann. Diese stellten jüngst den Betrieb ihrer Auffang- und Pflegestation im Rastatter Münchfeld vorerst ein.

Mehr zum Thema: Bedauern über Rückzug der Vogelretter Fingermann – AfD will finanzielle Unterstützung

Naturschützer Huber, der in den 80er Jahren eine private Vogelpflegestation in Altschweier betrieb, möchte für „Legalität in allen Bereichen“ sorgen, wie er sagt. Durch professionelle Arbeit wolle er gewährleisten, dass die Station langfristig besteht.

Bürgermeister spricht von rechtswidrigen Zuständen auf Tierhof in Bischweier

Bürgermeister Robert Wein (parteilos) steht Hubers Plänen wohlwollend gegenüber. Er begreift die Station als Chance, macht aber auch keinen Hehl daraus, dass auf dem Tierhof-Areal rechtswidrige Zustände herrschen.

„Abgesehen davon, dass Schule und Kindergarten dort oft zu Besuch sind, haben wir ein massives Interesse am Erhalt und der Pflege des Grünzugs in diesem Bereich“, sagt Wein, der im Gespräch mit allen Beteiligten zu einer tragfähigen Lösung kommen möchte.

Eckpunkte des Konzepts „Wildtierstation Mittelbaden“

  • Die geplante „Wildtierstation Mittelbaden“ will als „Aufnahmestation für einen bestimmten Kreis verletzter oder hilfloser Wildtiere“ eng mit Behörden, Gemeinden, Veterinären, Tier- und Naturschutzverbänden zusammenarbeiten.
  • Sie soll öffentlich zugänglich sein und möchte Bürger beraten, die verletzte oder hilflose Tiere finden.
  • Die Station soll in Modulbauweise errichtet und mit ausreichend vielen Käfigen, Volieren, Überwinterungsboxen und Transportbehältern ausgestattet werden.
  • Um die tier- und artgerechte Versorgung und Pflege zu gewährleisten, würden Tierärzte hinzugezogen, sagt Huber. Alle nötigen Hygienevorschriften zum Schutz der Tiere sowie zum Eigenschutz der Pfleger und Helfer würden eingehalten.
  • Die rechtlich notwendige Dokumentation soll seiner Aussage zufolge in Form eines Tiergästebuches und durch individuelle Pflegeprotokolle garantiert werden.
  • Die etwa zwei bis vier hauptamtlichen Mitarbeiter, die nach der Aufbauphase beim Trägerverein angestellt werden könnten, sollen wie die ehrenamtlichen Mitarbeiter ausgebildet und geschult werden.
  • Die SOS-Versorgung mit anschließender Weitervermittlung an fachkundige Stellen bleibe erhalten – ebenso das jüngst von Anja Starck eingerichtete „Wildtier-Taxi“.
  • In besagtem Grünzug am Standort in Bischweier könnte laut Huber Landschaftspflege vor Ort betrieben werden, „indem das Gelände durch Blühstreifen und Streuobstbäume ökologisch aufgewertet wird“.
  • Geplant seien zudem geführte Besuche mit altersgerechter Schulung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Artenkenntnis, Naturschutz und Tierpflege.