Das Glanzstück der Sammlung: Der nur 9,5 Zentimeter hohe „Iffezheimer Reiter“, eine Dauerleihgabe des Zentralen Fundarchivs, gibt den Fachleuten bis heute Rätsel auf. | Foto: Kraft

Stadtmuseum wird 125 Jahre alt

Neue Dauerausstellung in Rastatt zeigt Funde von der Steinzeit bis zum Mittelalter

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In diesem Jahr feiert Rastatts erstes und ältestes Museum sein 125-jähriges Jubiläum. Viel gefeiert im eigentlichen Sinne wurde aufgrund der Corona-Krise allerdings noch nicht. Aber dafür wird hinter den Kulissen umso fleißiger gearbeitet. Denn seit geraumer Zeit schon laufen die aufwändigen Vorarbeiten zur Erweiterung des Dauerausstellungsbereichs.

„Wir hoffen, das geplante Jubiläumsprogramm mit stadtgeschichtlichen Vorträgen nach der Sommerpause nachholen zu können“, berichtet Museumsleiterin Iris Baumgärtner auf einem Rundgang durch das Museum, das nach der coronabedingten Zwangspause seit 7. Mai wieder geöffnet ist. Seither können Besucher unter Einhaltung der Maskenpflicht und des Mindestabstands die bis 4. Oktober verlängerte Ausstellung „Marianne Gaiser – Ein musisches Zeitfenster“ besichtigen.

Aktuelle Ausstellung wurde bis 4. Oktober verlängert

Führungen, Veranstaltungen und die Kunstvermittlung waren derzeit noch nicht möglich. „Aber ab diesem Monat legen wir in kleinen Schritten wieder los“, verrät die Museumsleiterin. Auf dem Programm stehen im Juni vier Kurzführungen durch die aktuelle Ausstellung.

Ab Ende Juni bis Jahresende ist der Eintritt frei

Und ab 25. Juni bis Jahresende haben alle Besucher freien Eintritt in das Museum, das seine Existenz dem früheren Bauunternehmer und Stadtrat Eduard Degler verdankt. Denn auf dessen Initiative hin gründete 1895 eine ehrenamtliche Archivkommission die „Städtischen Sammlungen“, die zunächst in Provisorien untergebracht wurden.

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1928 erhielten sie eigene Ausstellungsräume im Schloss. Anfang der 1930er Jahre wurden sie in „Heimatmuseum“ umbenannt. 1973 zog das Museum ins Vogelsche Haus gegenüber dem Rastatter Schloss. 1991 wurde eine eigene Museumsstelle im Stadtarchiv geschaffen. Als 20 Jahre später das Archiv ins Verwaltungsgebäude in der Kaiserstraße wechselte, hatte das Stadtmuseum von da an alle Räume für sich.

Erweiterte Dauerausstellung in modernem Gewand

Wie Iris Baumgärtner auf dem Rundgang verrät, wird aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums im Gewölbekeller des Stadtmuseums, der bereits 2014 renoviert wurde, die archäologische Sammlung in Kombination mit der Stadtgeschichte bis zum ausgehenden Mittelalter als Dauerausstellung eingerichtet und in einem modernen Gewand neu präsentiert. Vitrinen müssen neu eingerichtet, Texte angepasst werden. Vorgesehen sind neben medialen Animationen auch interaktive und experimentelle Stationen.

Der Blick richtet sich auf die Anfänge der Besiedlung und Kultivierung unseres Raumes.

Iris Baumgärtner, Leiterin des Stadtmuseums

 

Die Eröffnung ist für November geplant. Zusätzliche Mittel von 160.000 Euro bewilligte der Gemeinderat schon voriges Jahr. Während die bisherige, 2004 erneuerte Dauerausstellung erst mit dem Ende des Pfälzischen Erbfolgekriegs und der fast vollständigen Zerstörung der Stadt Rastatt im Jahr 1689 einsetzt, blickt das Museum durch die Darstellung der Vorgeschichte viel weiter zurück in die Vergangenheit, wie Baumgärtner sagt. „Der Blick richtet sich auf die Anfänge der Besiedlung und Kultivierung unseres Raumes.“

Exponate ab der Steinzeit bis zum Mittelalter

In mehrere Themenblöcke gegliedert, wird das Spektrum der gezeigten Exponate ihrer Aussage zufolge von der Steinzeit über die Metallzeit, die römische Antike und die Merowingerzeit bis ins Mittelalter reichen.
Die archäologische Sammlung fußt zum Teil auf römischen Fundstücken aus den zu Anfang des 20. Jahrhunderts angekauften Beständen von Otto Friedrich Kautzsch. Sie wuchs stetig, wurde um ur- und frühgeschichtliche Funde erweitert und besaß sowohl im Schloss als auch im heutigen Haus eine eigene Abteilung. Die Präsentation im Gewölbekeller musste 1992 teils ausgelagert werden.

Archäologische Sammlung von Beginn an regional ausgerichtet

Um die Bestände trotzdem zeigen zu können, veranstaltete das Stadtmuseum 2011 die viel beachtete und gut besuchte Schau „Spuren früher Zeiten“, die auch zahlreiche Schulklassen ins Museum lockte. Die Ausstellung entstand laut Baumgärtner in Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Denkmalpfleger und Landesarchäologiepreisträger Gerhard Hoffmann.

 

„Die Erkenntnisse dieses profunden Kenners der Ur- und Frühgeschichte bilden die Grundlage für unsere Neupräsentation“, berichtet die Museumsleiterin, dass schon 2011 die Idee geboren wurde, wieder eine Dauerausstellung zur Ur- und Frühgeschichte im Museum einzurichten.
Die archäologische Sammlung war ihrer Aussage zufolge von Beginn an regional ausgerichtet. „Sie umfasst neben Bodenfunden aus Rastatt auch viele Funde aus dem Landkreis, vor allem aus Durmersheim, Ötigheim, Hügelsheim und Iffezheim, ja selbst aus Seltz, wo früher ein Römerkastell stand.“

Die ältesten Stücke der städtischen Sammlung sind zwei Mammutstoßzähne. „Sie wurden einst auf dem Röttererberg in Rastatt gefunden und sind Geschenke des damaligen Bauunternehmers und Stadtrats Eduard Degler, der sich nach dem Abriss der Rastatter Festung ab 1890 für die Gründung einer Altertumssammlung eingesetzt hat und somit als Initiator von Archiv und Museum gilt“, berichtet die Leiterin des Stadtmuseums, Iris Baumgärtner, beim Rundgang.

Reiter aus Iffezheim als Prunkstück

Das Glanzstück der Sammlung stammt allerdings aus Iffezheim, befindet sich derzeit aber noch im Zentralen Fundarchiv in Rastatt. „Von dort erhalten wir die kleine bronzene Reiterstatuette als Dauerleihgabe“, erzählt Baumgärtner und präsentiert unten im Depot eine Replik des „Iffezheimer Reiters“, der auch als „Rastatter Reiter“ bezeichnet wird. So steht es zumindest auf dem Schild am Sockel zu Füßen der Kopie.

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„Wir sind stolz und freuen uns sehr, ihn hier in unseren Räumen zeigen zu dürfen“, freut sich Baumgärtner beim Anblick der kleinen Reiterfigur, die 1963 im Iffezheimer Gewann Bohnemichel beim Kiesabbau entdeckt wurde.

„Bis heute gibt der kleine, nur 9,5 Zentimeter hohe Fund den Fachleuten große Rätsel auf“, sagt Baugärtner und berichtet, dass die Frage, wen der Iffezheimer Reiter nun genau darstellt, nach wie vor ungeklärt sei. Es sei vorstellbar, dass es sich um eine Darstellung des römischen Kriegsgottes Mars handelt. „Allerdings könnte die Figur durchaus auch aus etruskischer Zeit stammen“, meint die Museumsleiterin.