Unter dem Titel "zip" hatte es in Rastatt schon einmal ein Gründerzentrum gegeben.
Unter dem Titel "zip" hatte es in Rastatt schon einmal ein Gründerzentrum gegeben. | Foto: Collet

Innovation in Rastatt

Neuer Anlauf für das Gründerzentrum

Mit einer hauptamtlichen Betreuerstelle wagt die Stadt einen neuen Anlauf für das Gründerzentrum in der Rauentaler Straße. Die aus dem im Jahr 1999 eingerichteten Zentrum für Innovation und Produktion (zip) hervorgegangene Einrichtung hatte zuletzt nur noch einen Jungunternehmer, alle anderen Firmen sind langfristig eingemietete Betriebe. Das soll sich nun ändern.
Ganz neu ist die Betreuerstelle nicht, sie ist derzeit befristet als berufsbegleitende Master-Studienstelle besetzt. Es wird auch wieder die Staffelmieten geben, bei denen neu gegründete Unternehmen in den ersten Jahren weniger bezahlen, später soll die „normale“ Miete gelten. Bis zum Jahr 2020 sollen 60 Prozent der Büroflächen von Existenzgründern genutzt werden.

Wechselhafte Geschichte

Das Gründerzentrum hat in Rastatt eine wechselhafte Geschichte. Im Jahr 1999 kaufte die Stadt das Fabrikgelände in der Rauentaler Straße 22/1 und richtete das zip ein. Bis zum Jahr 2010 wurden 57 Unternehmensgründungen begleitet. Danach wurde betreuendes Personal zurückgefahren und Existenzgründer wurden nicht mehr aktiv akquiriert. Außerdem gab es keine Staffelmieten mehr, die Firmen mussten alle ortsübliche Mieten zahlen. Schließlich wurde das zip im Jahr 2014 aufgelöst, die Einrichtung überging in den Besitz der Stadt. Betreut wurde es seitdem von der Wirtschaftsförderung.
Im Fokus steht nun die sogenannte „Industrie 4.0“ – es geht also im Wesentlichen um Jungunternehmer aus der Informations- und Kommunikationstechnologie und den Bereichen wirtschaftliche Dienstleistungen sowie Digitalisierung der Fertigungstechnik und Logistik. Die Fläche des Zentrums beträgt 2 800 Quadratmeter, zwei Drittel davon sind von langfristigen Mietern belegt.

Vorteil für Innovative Firmen

Existenzgründer haben zwei Möglichkeiten für die Ansiedelung. Ist die Gründung mit einer wesentlichen Neuerung verbunden, erhalten diese innovativen Gründer eine besonders günstige Miete in den ersten fünf Jahren. Bei allen anderen Gründern ist die Miete etwas höher, die Vergünstigung wird außerdem nur für drei Jahre gewährt. Entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens können auch die Räume angepasst werden. Ziel der Stadt ist es, dass das Gründerzentrum stets zu rund 90 Prozent ausgelastet ist.
Der Gemeinderat hat über das künftige Konzept des Gründerzentrums kräftig debattiert, am Ende wurde das Projekt mit vier Nein-Stimmen und einer Enthaltung angenommen. Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch warb für das Vorhaben, das seiner Meinung nach die Innovations- und Wirtschaftskraft der Stadt stärkt. Die Struktur schaffe mehr Verlässlichkeit.

Kommentar: Zäsur
Auf den ersten Blick sieht die Entwicklung des Gründerzentrums in Rastatt wie eine Berg- und Talfahrt aus. Erst wurde das Zentrum für Innovation und Produktion (zip) gegründet, dann wurde es abgewickelt – und jetzt gibt es eine Neuauflage. War dieser Zickzackkurs wirklich nötig?
Unternehmensgründungen laufen selten nach einem stereotypen Muster ab. Jede neu entstehende Firma ist ein Unikat, das von den handelnden Akteuren, vom Wirtschaftsumfeld und von der Betreuung abhängt – und das vor allem eine gehörige Portion Glück nötig hat. Wenn viele dieser Unikate in einem gemeinsamen Zentrum arbeiten, entwickelt das eine große Dynamik, die befruchtend oder lähmend wirken kann.
Vielleicht hat sich am Ende der zip-Ära so eine Lähmung ausgebreitet und es bedurfte dieser Zäsur. Mit einem Neuanfang will die Stadt jetzt wieder innovative Jungunternehmer inspirieren, die logistischen Voraussetzungen hat Rastatt dafür allemal.
Nicht jede Neugründung wird freilich ein großer Wurf sein. Wenn aber der eine oder andere dabei ist, muss die Wirtschaftsförderung diesen Betrieb in der Stadt halten. Die erfolgreiche Firma Termotek arbeitete seinerzeit im zip und siedelte sich später in Baden-Baden an, weil man ihr in Rastatt keine geeignete Fläche anbot. Sowas darf künftig nicht mehr passieren.