Der Autobahnverkehr belastet die Gemeinde Muggensturm, auch wenn ein neuer Straßenbelag für eine Linderung des Lärms gesorgt hat. | Foto: Collet

Lärmaktionsplan

Neuer Fahrbahnbelag bringt Muggensturm mehr Ruhe

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Wie stark wird die Gemeinde Muggensturm durch Lärm belastet? In der jüngsten Gemeinderatssitzung befasste sich das Gremium mit der Fortschreibung des Lärmaktionsplans aus dem Jahr 2014. „Das Ergebnis ist nicht viel anders als vor fünf Jahren“, konstatierte Bürgermeister Dietmar Späth. Demnach gelten als wesentliche Lärmquellen die Autobahn und die Bahnlinie, während die Landesstraße 67 nicht als Problem zu sehen sei.

Gesundheitsgefährdung bei mehr als 82 Zügen pro Tag

Nach den EU-Richtlinien aus dem Jahr 2007 war festgelegt worden, dass Maßnahmen zur Minderung des Lärms festzulegen sind, wenn auf Straßen ein Verkehrsaufkommen von über 16.400 Fahrzeugen pro Tag ermittelt wird, wobei im Jahr 2012 die Verkehrsbelastung auf 8.200 Fahrzeuge reduziert wurde. Beim Lärm durch Schienenfahrzeuge wird nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz der Grenzwert von 2006 für eine Lärmbelästigung von mehr als 82 Zügen pro Tag als gesundheitsgefährdend angesehen.

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Höhere Geschwindigkeiten erzeugen höhere Rollgeräusche

Nach der Lärmkartierung aus dem Jahr 2014 war ein Höchstwert der Lärmbelastung durch die Autobahn von 70 dB(A) ermittelt worden – allerdings nur bei einigen Gebäuden im Industriegebiet Schleifweg.

Wie Reinhard Koehler von dem zuständigen Ingenieurbüro Koehler-Leutwein in der Ratssitzung erklärte, sei 2017 zwar mehr Verkehr auf der Autobahn festgestellt worden – durch einen neuen Fahrbahnbelag auf der Fahrspur Richtung Karlsruhe sei es insgesamt aber leiser geworden. Mithin sei die Zahl der von Straßenverkehrslärm geplagten Einwohner Muggensturms nach der Kartierung der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LBU) zurückgegangen. Aber: Je höher die Geschwindigkeiten der Autos, desto höher die Rollgeräusche und damit der Lärm, bekräftigte Köhler.

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Bevölkerung soll beteiligt werden

Handlungsbedarf hatte sich nach der Lärmkartierung 2014 aus dem Schienenlärm ergeben. Aufgrund der stark eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten von Kommunen gegenüber der DB AG sei die Forderung, lärmmindernde Maßnahmen umzusetzen, hier indessen stark eingeschränkt. Koehler: „Die Kommunen dürfen gegenüber der DB Netz AG auf keine Lärmschutzmaßnahmen drängen.“ Gleichwohl soll die Bevölkerung an der Fortschreibung des Lärmaktionsplanes beteiligt werden – und Späth wünscht sich eine große Resonanz.

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Harald Unser (MBV) regte eine umfassende Information der Einwohnerschaft an. Aufgrund der ermittelten Zahlen seien neun Personen nach entsprechenden Dezibel-Werten in gesundheitsgefährdender Weise im Muggensturmer Industriegebiet von Lärm betroffen – und deshalb gelte es zu sehen, wie hier Abhilfe geschaffen werden könne.