Halten Massentests für nicht sinnvoll: Curatio-Geschäftsführer Michael Gieseler (links) und Heimleiter Uwe Maier. Sie schlagen als Alternative vor, dass die Heime Testkontingente zur Verfügung gestellt bekommen, die erst bei Bedarf genutzt werden. | Foto: Holger Siebnich

Betreiber üben Kritik

Nicht alle Pflegeheime im Landkreis Rastatt ziehen bei Corona-Massentest mit

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Das Land will alle Bewohner von Pflegeheimen in Baden-Württemberg auf das Coronavirus testen lassen. Doch im Landkreis Rastatt wollen nicht alle Häuser mitmachen. Der Betreiber Curatio kritisiert die Strategie. Dadurch werde das Gefühl einer falschen Sicherheit erzeugt. Das Unternehmen hat einen Gegenvorschlag auf den Tisch gelegt.

Vor wenigen Wochen waren Corona-Tests noch Mangelware. Doch jetzt feuert das Land aus allen Rohren. In ganz Baden-Württemberg nehmen Ärzte Abstriche von Bewohnern in Seniorenheimen. Auch im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden sind die flächendeckenden Tests angelaufen.

Doch nicht alle Häuser machen mit. Michael Gieseler, Geschäftsführer des Heimbetreibers Curatio mit drei Standorten im Landkreis, sieht in der Strategie eine Verschwendung von Geld und Tests. Er schlägt eine andere Lösung vor.

Es handelt sich um einen Momentaufnahme.

Jan Ulrich Krahl, Leiter des Gesundheitsamts Rastatt

Die Fäden für die Massentests laufen im Rastatter Gesundheitsamt zusammen. Dessen Chef Jan Ulrich Krahl beziffert die Anzahl der Abstriche auf bis zu 5.000. Die Aktion bringt viel Verwaltungsarbeit mit sich: „Jeder Bewohner muss einzeln zustimmen“, sagt Krahl. Aus Baden-Baden lägen bereits die Ergebnisse von zwei Einrichtungen vor: alle negativ.

Er gehe davon aus, dass innerhalb der kommenden zwei Wochen alle Tests ausgewertet seien. „Es handelt sich um einen Momentaufnahme. Diese ist umso wertvoller, je näher die Ergebnisse beieinander liegen“, erklärt Krahl das Tempo.Auch interessant: Ortenaukreis: Coronavirus bereits in 15 Pflegeheimen nachgewiesen

Heim-Betreiber warnt vor falschem Sicherheitsgefühl durch Corona-Tests

Genau diesen Aspekt der Momentaufnahme kritisiert Gieseler. „Es ist nur eine Stichtag-Betrachtung. Morgen kann es schon anders aussehen“, sagt der Curatio-Geschäftsführer. Das Unternehmen betreibt Heime in Sinzheim, Ötigheim und Rheinmünster. Uwe Maier, der Leiter des Standorts in Sinzheim, ergänzt: „Unsere Hausgäste würden sich dadurch in falscher Sicherheit wägen.“

Er ist davon überzeugt, dass sowohl Bewohner als auch Angehörige durch einen negativen Test die Schlussfolgerung ziehen könnten, dass sie die Hygiene- und Schutzmaßnahmen nicht mehr ganz so streng befolgen müssten. Maier sieht darin „eine große Gefahr“.

Es gibt von uns
kein Siegel der Unbedenklichkeit

Jan Ulrich Krahl, Leiter des Gesundheitsamts Rastatt

Krahl kann diese Argumentation nachvollziehen. Es sei wichtig, dies gegenüber den Betroffenen deutlich zu kommunizieren. „Es gibt von uns durch die Tests kein Siegel der Unbedenklichkeit“, sagt er. Die Aktion sei für die Heime freiwillig. Neben den drei Curatio-Häusern mache auch eine Einrichtung in Iffezheim nicht mit.

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Gieseler ist es wichtig, nicht als Verweigerer dazustehen. Auch er halte Tests für „sehr, sehr wichtig“. Sinnvoller wäre es aus seiner Sicht aber, den Heimen ein Kontingent zur Verfügung zu stellen, über das sie frei verfügen könnten. Damit könne das eigene medizinische Personal bei Verdachtsfällen Abstriche nehmen. Heimleiter Maier bezeichnet das als „anlassbezogenes Vorgehen mit Sinn und Verstand“. Dieses wäre umso wichtiger, weil die Gefahr einer Infektion durch die zunehmenden Lockerungen der Kontaktbeschränkungen steige.

Gesundheitsamt sieht sich an Vorgaben des Ministeriums gebunden

Der Plan hat nur einen Haken: Er bleibt graue Theorie, in der Praxis bleibt es bei den Massentests. Krahl findet den Curatio-Vorschlag zwar „nicht schlecht“, das Gesundheitsamt sei aber an die Vorgaben des Sozialministeriums gebunden und könne nicht auf eigene Faust Teströhrchen an Heime verteilen. „Das Vorgehen muss landesweit einheitlich sein“, sagt der Amtsleiter. Es stehe den Einrichtungen aber frei, das Konzept in Eigenregie umzusetzen.

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Welche Erkenntnisse aus den Massentests gewonnen werden könnten, wird sich laut Krahl erst im Nachgang zeigen. „Es handelt sich erst einmal um eine Datensammlung.“ Dass von den insgesamt 38 Heimen im Landkreis Rastatt und im Stadtkreis Baden-Baden vier Stück bei den Untersuchungen nicht mitziehen, werde nichts an der Aussagekraft ändern.