RA_Kombibad
Das alte Bad ist bald Geschichte: Christophe Dillenseger bereitet das Rastatter Freibad aus dem Jahr 1938 für die nächste Saison vor. Das neue Kombibad wird auf der Fläche dieses Freibads am Schwalbenrain gebaut. | Foto: Collet

Ein Kombibad für Rastatt

Nicht immer sind sich Stadt und Räte einig

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Das Kombibad wird kommen – so viel steht nach der knapp dreistündigen Mammutsitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend fest. Damit ist nach acht Jahren, in denen sich Stadt und Gemeinderat bereits mit dem Thema befassen, „endlich ein Knopf“ dran, wie Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch es sich zu Beginn der Sitzung gewünscht hatte. Um überhaupt an diesen Punkt zu gelangen, hatte sich die Verwaltung auf sechs grundsätzliche Beschlüsse beschränkt und alle weiteren Diskussionen – etwa um die Gastronomie – auf später verschoben. Dieser Taktik ist es wohl zu verdanken, dass der Gemeinderat schlussendlich mehrheitlich grünes Licht für das Projekt Kombibad gegeben hat.

Viele Fragen bleiben offen

„Wir wissen wohl, dass es noch offene Punkte gibt, doch es ist jetzt entscheidend, die zentralen Fragen zu klären“, appellierte der Oberbürgermeister an die Stadträte. Die mit knapp 30 Personen in überschaubarer Zahl erschienenen Zuhörer forderte er auf, sich mit Begeisterungs- und Unmutsäußerungen zurückzuhalten. Trotz aller Emotionen, die in der Vergangenheit rund um das Thema hochgekocht sind, gelang es allen Seiten, diesen Bitten zu entsprechen. Folgende Eckdaten zum neuen Kombibad stehen nun fest.

Standort

Einstimmig, bei einer Enthaltung von Klaus Föry, hat sich der Gemeinderat für den Schwalbenrain, also den derzeitigen Standort des Natura-Freibads, entschieden. Niederbühls Ortsvorsteher Föry sieht indes massive Verkehrsprobleme auf seinen Ortsteil zukommen. „Ich bin enttäuscht, dass noch keine Lösungen für die Verkehrsanbindung vorgestellt wurden.“ Man plane schließlich auch keine Garage, zu der nur ein Fußweg führe. Im ungünstigsten Fall befürchtet er, dass der Verkehr der Tunnelbaustelle und des Kombibads durch Niederbühl rollen könnte. Pütschs Auskunft, das Thema werde derzeit im Tiefbauamt vorbereitet und sei voll im Blick der Verwaltung, beruhigte Föry offenbar nur wenig.

Wasserfläche Hallenbad

Völlig einig waren sich die Ratsmitglieder darin, dass die Wasserfläche des Hallenbads vergrößert werden muss. Vorgesehen sind nun mindestens 620, maximal aber 700 Quadratmeter. Damit erhöht sich die Anzahl der Bahnen um eine von fünf auf sechs. Durch die Bank begrüßten die Fraktionen diese Entscheidung als „wesentliche Verbesserung“ (SPD), „deutlichen Fortschritt“ (Freie Wähler) und „klare Aufwertung“ (Grüne).

Wasserfläche Freibad

Deutlich mehr Diskussionen löste die Frage nach den Schwimmmöglichkeiten im Außenbereich aus. Während die Verwaltung, unterstützt von der CDU-Fraktion, dafür plädierte, die derzeit acht Bahnen auf sechs zu reduzieren, folgten alle anderen Parteien dieser Argumentation nicht. „Wir gönnen uns hier keinen Luxus, vor allem wenn wir ein Bad auch für Schwimmer bauen wollen“, hatte SPD-Fraktionschef Joachim Fischer den Antrag seiner Partei auf Erhalt der acht Bahnen begründet. Eine Argumentation, der Freie Wähler, Grüne, FuR und FDP gerne folgten. Dadurch erhöht sich die Gesamtwasserfläche von 2.600 auf 2.850 Quadratmeter.
Die Vereinigung FuR hatte zudem den Antrag gestellt, die Hälfte des Beckens mit geringerer Wassertiefe auszustatten, um an heißen Tagen bei Bedarf zusätzliche Fläche für Nichtschwimmer bereitstellen zu können. Diesen Vorschlag, den auch die Verwaltung „charmant“ fand (Pütsch), befürwortete die große Mehrheit der Stadträte. Damit wurde auch einer Forderung der Jugenddelegation Rechnung getragen, die – vertreten von Kerstin Knödler – betont hatte, sie wollte ein generationengerechtes Bad, in dem sie „am liebsten in einem großen Nichtschwimmerbereich“ Zeit mit der Familie und Freunden verbringen könnte.

Sauna

Während die SPD lieber „für einen Zuschuss von 10 000 Euro im Jahr“ eine „wesentlich attraktivere Sauna“ mit drei Saunaräumen, einem Dampfbad, einem Wärme- und einem Ruheraum gehabt hätte, sprach sich der restliche Gemeinderat für die „kleine Saunalösung“ mit nur einer Sauna, dafür aber mit der Option auf eine Erweiterung, aus. Dafür hatten auch der Vertreter des Deutschen Saunabundes und die Verwaltung plädiert. Auch bei dieser Lösung rechnet die Stadt damit, den Saunabetrieb, der dann auf etwa 50 Tagesgäste ausgelegt ist, zu bezuschussen. „Wir müssen davon ausgehen, dass das ein Nullsummenspiel wird oder wir möglicherweise etwas drauflegen“, so der OB.

Kosten

Wie viel das neue Kombibad kosten wird, ist derzeit noch offen. Der Kostenrahmen wird sich aber deutlich von den ursprünglich angenommenen 25 Millionen Euro entfernen und sich klar in Richtung der 40 Millionen-Marke entwickeln. Der Eigenbetrieb Bäder soll nun das Raumkonzept entsprechend anpassen und eine aktualisierte Kostenschätzung vorlegen. Um diese „Herkulesaufgabe“ (FuR) zu bewältigen, sprachen sich die Stadträte einhellig dafür aus, den Eigenbetrieb durch einen externen Projektsteuerer zu unterstützen, der die Koordination der Umsetzung übernimmt. Die SPD plädierte zudem dafür, den Eigenbetrieb durch einen Baukostenzuschuss oder einen regelmäßigen Betriebskostenzuschuss zu unterstützen.