Engagiert und eindrücklich wandte sich Extremsportler Norman Bücher (links) an die Rastatter Jugendlichen. „Es geht um euch“, sagte er. | Foto: Collet

Extremsportler in Rastatt

Norman Bücher erläuft sich die Welt

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Vom maßgeschneiderten Anzug in die Joggingkleidung. „Rückblickend betrachtet, war das ein wenig naiv“, gibt Norman Bücher zu. Zunächst in der Unternehmensberatung tätig, widmet sich der Extremsportler seit nun zehn Jahren seiner eigentlichen Passion: dem Laufen.

Zwischenstopp in Rastatt

„7 Kontinente – 70 Länder – 700 Vorträge“– so lautet das ambitionierte Lauf-Projekt des Mannes, der mit Jugendlichen aller Kontinente in Austausch kommen möchte. Startschuss ist im Juni 2019 in Berlin, das Ziel die 79. UNO-Generalversammlung 2024 in New York. Bei einem kleinen Start-Lauf, der am 20. Oktober beim Auswärtigen Amt in der Hauptstadt enden soll, machte er am Freitag Halt in Rastatt. Im Rossihaus stellte er sich und sein Projekt etwa 20 Jugendlichen verschiedener Rastatter Schulen vor.

Bücher will sieben Kontinente und 70 Länder durchlaufen

Bürgermeister Raphael Knoth, der sich selbst als Hobby-Läufer bezeichnete, brachte gleich zu Beginn seine Bewunderung für das Unterfangen des 40-Jährigen zum Ausdruck. Mit Verweis auf aktuelle politische Geschehnisse verdeutlichte er die Gefahr, dass die Stimme Jugendlicher vernachlässigt werde. Umso wichtiger sei das Vorhaben Büchers, der jungen Generation eine Stimme zu verleihen. Hierfür trage der Extremsportler seine eine eigene olympische Fackel – das Mikrofon – durch die Welt.

Sportler kommt mit Jugendlichen ins Gespräch

„Es geht um euch“, betonte dieser daraufhin an die Schüler gewandt. Er wolle die Sichtweise der Jugendlichen einfangen. „Das ist es, was mich motiviert und warum ich morgens aufstehe“, sagte er. „Immer höher, immer weiter, immer schneller“, habe sein Credo als Extremsportler zunächst gelautet. Bis er das Laufen als Medium begriff, habe ihm etwas gefehlt.

Im Dialog werden interessante Fragen aufgeworfen

„Wenn du Bürgermeister deiner Stadt wärst, was würdest du zuerst verändern?“, lautet eine seiner sieben Fragen, die er auch den Jugendlichen im Rossihaus stellte. Die Schüler zeigten sich zunächst zurückhaltend, mit einer Anekdote versuchte Bücher die Stimmung aufzulockern. „Ich würde mehr Geld in Schulen investieren“, ergriff ein Jugendlicher schließlich das Wort. „Das würde ich sofort unterschreiben“, griff der Extremsportler die Wortmeldung dankbar auf. „Ich komme aus Steinmauern. Als Bürgermeister würde ich hier ein Jugendzentrum errichten, mit W-LAN, Billard und Sitzgelegenheiten“, sagte ein weiterer Schüler.

Ich glaube daran, dass wir etwas bewegen können. Genau dazu möchte ich euch ermutigen.

Norman Bücher, Extremsportler

„Was bedeutet die Natur für dich?“, lautet eine weitere Frage, die Bücher von Stadt zu Stadt trägt. „Es macht mich traurig zu sehen, wie mit Wäldern umgegangen wird“, führte er mit Verweis auf die Abholzung des Regenwaldes aus. „Man könnte eine Regel einführen – pro abgeholztem Baum muss ein neuer gepflanzt werden“, schlug eine Schülerin vor. „Gute Idee“, zeigte sich der Extremsportler angetan. „Ich glaube daran, dass wir etwas bewegen können. Genau dazu möchte ich euch ermutigen“, lautete seine Botschaft. Der studierte Betriebswirt riet den Schülern, sich Zeit zu nehmen, Dinge auszuprobieren und sich von der Erwartungshaltung anderer nicht in eine bestimmte Rolle drängen zu lassen.

Schüler sind zuerst zurückhaltend, dann neugierig

Die anfängliche Zurückhaltung wich einer Neugierde, immer mehr Schüler wandten sich mit Fragen an den Läufer, der bereitwillig Auskunft gab. Über den Verkauf seiner Bücher sowie Vorträge die er halte, finanziere er das Projekt, erklärte der Extremsportler auf Nachfrage. Dass seine Reisen nicht immer einwandfrei verlaufen, verbarg er nicht. Vor zwei Jahren sei er im Iran unterwegs gewesen und habe das damalige Projekt abbrechen müssen, da er trotz Vorbereitung nicht alle erforderlichen Unterlagen bei sich hatte.
In Gefahr habe er sich aber bisher weder bei Läufen durch die Wüste in der Mongolei, noch im Brasilianischen Wald gefühlt. „Ich darf in vielen tollen Ländern unterwegs sein“, sagte er dankbar und ergänzte: „Ich darf Menschen inspirieren und ihnen etwas mitgeben.“