Großeinsatz: Das ehemalige Gasthaus „Zum Rappen“ in der barocken Innenstadt Rastatts brennt in den Morgenstunden des 18. September komplett aus.
Großeinsatz: Das ehemalige Gasthaus „Zum Rappen“ in der barocken Innenstadt Rastatts brennt in den Morgenstunden des 18. September komplett aus. | Foto: Collet (Archiv)

Prozess zum Brand

Notruf aus der Rappenstraße in Rastatt geht am frühen Morgen ein

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Eine schmächtige Gestalt, die schwarzen Haare zusammengebunden, artig auf die Fragen des Vorsitzenden antwortend, so präsentiert sich zu Prozessauftakt der 26 Jahre alte Angeklagte, der für den Brand in der Rappenstraße verantwortlich sein soll. Seine Sprache ist einfach, die Einlassungen dürftig.

Von unserer Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmock

Dabei habe sich sein Mandant noch am Vortag zu den Tatvorwürfen äußern wollen, ergreift Verteidiger Joachim Lederle das Wort, nachdem der Angeklagte seine Lebensgeschichte geschildert hat. Vom Brand, da will oder kann er offenbar nicht sprechen. Dass das Feuer in seinem Zimmer ausgebrochen ist, welches er im niedergebrannten Gebäude bewohnt hat, ist kaum zu widerlegen.

Löschversuch bleibt erfolglos

Wie es zu dem Brand kam, dafür habe er keine Erklärung. Er habe versucht zu löschen, sei den Flammen aber nicht Herr geworden und habe deshalb das Haus rasch verlassen, will noch an die benachbarten Türen geklopft haben, um die Schlafenden zu wecken und sei dann auf und davongelaufen. Allerdings hat er bald darauf um 4.34 Uhr das Feuer gemeldet, berichtet sein Anwalt.

Die ganze Wohnung brennt.

Wie sich der Anruf bei der Feuerwehr gestaltet hat, können die im Gerichtssaal Anwesenden bei der Verlesung des Protokolls miterleben. „Rappenstraße 6, es ist dringend … Also da brennt’s, die Wohnung, die ganze Wohnung brennt. Das ist eine WG, da sind ein Haufen Leute. Da ist alles aus Holz …“, spricht er von einem eingeschossigen Gebäude, das sich während des rund zweiminütigen Gesprächs zum mehrgeschossigen Haus entwickelte. Vorne müsse man die Tür irgendwie aufbrechen, empfahl er und man solle sich beeilen.

Klopfen ohne Antwort

Das taten die Beamten, auch ein Bewohner war rasch dabei einzuschreiten, wie dieser im Zeugenstand schilderte. Weil er früh zur Arbeit ging, sei ihm der Rauch auf dem Weg zum Gemeinschaftsbad sofort aufgefallen. Als er die Gefahr erkannte, versuchte er die Mitbewohner zu wecken. Eine Tür sei heiß gewesen, doch er vermochte sie nicht aufzubrechen und auch sein lautes Klopfen blieb ohne Antwort.

Rechtzeitiger Einsatz in der Rappenstraße

Als die Polizei dazukam, eilten sie dem Mann zu Hilfe. Beim Öffnen des Raumes kam es sofort zu einer Durchzündung, schilderte ein Zeuge von der Feuerwehr. Wenige Minuten später und man hätte keine Chance mehr gehabt ins Gebäude zu gelangen. Auch hätte es dann vermutlich Menschenleben zu beklagen gegeben. So aber muss sich der 26-Jährige einstweilen wegen besonders schwerer Brandstiftung und anderen tateinheitlichen Vergehen wie Körperverletzung verantworten.

Ich war in dieser Nacht der Brandmelder.

Sehr schnell habe sich in dieser Nacht gezeigt, dass das Gebäude, in dem 14 Personen lebten, nicht zu retten sei. Brandmelder hat es im Haus nicht gegeben, sagt ein Zeuge aus. „Ich war in dieser Nacht der Brandmelder.“

Bewohner verloren gesamtes Hab und Gut

Zwei Tage lang war man mit den gesamten Löscharbeiten befasst, berichtete ein Feuerwehrmann von dem Vollbrand, dem man beim nächtlichen Eintreffen in der Rappenstraße vorgefunden hat. Die zum Einsatz gekommenen Brandmittel-Spür- und Leichensuchhunde wären nicht fündig geworden. Fast 60 Menschen mussten in dieser Nacht evakuiert werden. Zu retten war von dem Gebäude allerdings nichts. Alle Bewohner verloren ihr Dach über dem Kopf und ihr gesamtes Hab und Gut. Das Verfahren wird im Landgericht Baden-Baden im Saal 118 fortgesetzt.