Freuen sich über Trubel auf dem Campingplatz: Die vergangenen Wochen verbrachten Renate und Wolfgang Stumpf recht einsam in ihrem Wohnmobil.
Freuen sich über Trubel auf dem Campingplatz: Die vergangenen Wochen verbrachten Renate und Wolfgang Stumpf recht einsam in ihrem Wohnmobil. | Foto: Collet

Corona-Camping in Rastatt

Nur mit eigener Toilette willkommen: Camper müssen wegen Corona autark sein

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Seit dem 18. Mai dürfen Gäste wieder auf Campingplätzen übernachten. Wochenlang gab es überall nur  Stornierungen, jetzt sind einige Plätze über Pfingsten schon ausgebucht. Jedoch gilt: Wer mit dem Zelt anreisen will, hat ein Problem.

Wochenlang saßen Ursula und Harald Seiler auf heißen Kohlen. Seit 20 Jahren ist das Ehepaar aus Auggen bei Freiburg ständig mit seinem Wohnmobil unterwegs. Doch die Coronakrise durchkreuzte dieses Jahr ihre Reisepläne.

Am vergangenen Montag ertönte dann der heiß ersehnte Startschuss. Die Landesregierung erlaubt seither den Besuch von Campingplätzen – und just steuerte Familie Seiler das Rastatter Freizeitparadies an.

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Besucher müssen eigene Sanitäranlagen an Bord haben

Ein Befreiungsschlag für Besucher und Betreiber ist die Lockerung der Corona-Verordnung allerdings nur bedingt. Einfach so ein Zelt aufschlagen, ist noch immer nicht möglich. Alle Camper müssen autark sein, also ihre eigenen Sanitäreinrichtungen an Bord haben.

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Kein Problem für Familie Seiler, ihr mobiles Heim ist mit Küche und Bad ausgestattet „Damit haben wir so was von Glück, denn sonst könnten wir noch immer nicht verreisen“, sagt Ursula Seiler. Ihrem Mann ist die Freude ebenfalls anzusehen. „Wir haben lange darauf gewartet, dass es losgeht. Denn die Zeit ohne war sehr mühselig.“

Ich finde es großartig, dass wir wieder Publikumsverkehr haben.

Wolfgang Stumpf, Dauercamper im Rastatter Freizeitparadies

Dauercamper Wolfgang und Renate Stumpf dagegen durften dank Ausnahmeregelung auch während der Schließung in ihrem mobilen Heim bleiben. Seit 29 Jahren lebt das Paar aus Mannheim von Februar bis Dezember auf dem Rastatter Campingplatz. O

bwohl nur indirekt betroffen, freuen sich die beiden ebenfalls über die Lockerung. „Ich finde es großartig, dass wir wieder Publikumsverkehr haben“, sagt Wolfgang Stumpf. Zum einen beobachte er gern „den Auf- und Abbau und den Spaß daran“. Zum anderen sei es ganz schlicht eine wirtschaftliche Frage für die Geschäftsführer.

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Betreiber sprechen von mehreren Tausend Euro Verlust

Genau dazu äußert sich Manfred Mösch, Betreiber des Murgtalcampings. Den Verlust durch die Schließung von Ende März bis Mitte Mai schätzt er auf 15- bis 20.000 Euro. Rund 150 Menschen haben auf seinem Platz ihren festen Wohnsitz, dazukommen noch 40 Wechselplätze für Touristen und Monteure.

Trotz der Verluste fährt Mösch die Wechselplatz-Sparte weiter auf Sparflamme. „Noch mehr Leute, die wochenlang bleiben, nehmen wir nicht an. Wir bringen uns sonst selbst in Gefahr“, sagt er. Die freie Stellfläche will er deshalb ausschließlich an Durchreisende vermieten.

Wir Camper sind eine eingeschworene Gemeinschaft.

Gerhard Weber, Pächter des Campingplatzes Durmersheim

Gerhard Weber, Pächter des Campingplatzes in Durmersheim, spricht von „etlichen Tausend Euro Verlust. „Die Kosten für den Platzwart und fürs Mähen bleiben, aber die Durchgangscamper sind alle weggebrochen“, sagt er. Zudem hätten einige Dauercamper bereits wegen einer Erstattung der Miete angefragt. Das will der Betreiber mit der Stadt klären.

Ansonsten ist für Weber Land in Sicht: Über Pfingsten ist sein Platz voll ausgebucht. „Da fahren wir wieder Volllast. Denn wir Camper sind eine eingeschworene Gemeinschaft und das ist super gut“, sagt er.

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Wieder ganz auf Tourismus eingestellt ist auch das Rastatter Freizeitparadies. Er habe viele neue Buchungen, sagt Betreiber Karl-Heinz Krieg. Für die Pfingstferien meldet er dennoch freie Kapazitäten. „Es haben in den letzten Wochen ganz viele abgesagt. Aber wir sitzen dauernd am Telefon, die Lage ändert sich stündlich.“

Ende Mai weitere Lockerungen der Regierung erwartet

Neben Übernachtungsplätzen bietet das Rastatter Freizeitparadies Tauchkurse an, ein Badesee sorgt für Erfrischung. Allerdings beides erst dann wieder, wenn die Regierung grünes Licht gibt. „Wir können gerade nur Schmalspur fahren“, sagt Krieg. „Die Camper sind aber ein mobiles Volk, die wollen Freiheit.“

Gespannt blicken alle Betreiber nun auf den 29. Mai: Für diesen Termin kündigt die Regierung weitere Lockerungen an. Besucher sollen dann öffentliche sanitäre Einrichtungen nutzen können. Und wie die Pressestelle der Stadt Rastatt auf Anfrage mitteilt, wird auch der Badesee im Freizeitparadies voraussichtlich „rund um die Pfingsttage wieder öffnen dürfen“. Wann genau, stehe noch nicht fest.