RA_Waldfriedhof
Bau im Stil der "70er Jahre Spätlese": Im klassischen Waschbeton-Style präsentiert sich die Anlage auf dem Waldfriedhof. Nicht nur der Blumenladen, auch die dahinter liegenden Toiletten sind in einem heruntergekommenen Zustand. | Foto: Collet

Friedhöfe in Rastatt

OB Pütsch ärgert sich über „Pauschalkritik“

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Die Ankündigung von Marion Greiser, ihren Blumenladen am Waldfriedhof Mitte Juni zu schließen, schlägt Wogen. Nachdem die BNN über den maroden Zustand des Gebäudes und Teile der Friedhofsanlage berichtet hatten, meldeten sich auch die Stadtratsfraktionen von FuR und SPD mit Kritik zu Wort. Die Sozialdemokraten sorgten nach einem Besuch bei Greiser mit einem Antrag dafür, dass der „bauliche Zustand des Blumengeschäfts und die Optionen der Weiterentwicklung“ nicht erst Ende Juni – wie ursprünglich von der Stadt geplant –, sondern bereits in der Sitzung am Montag auf die Tagesordnung des Gemeinderats kommt. Zusätzlich ist eine Ortsbegehung geplant.

Wieso konnte es überhaupt so weit kommen?

In ihrem Antrag findet die SPD wie schon in einer Pressemitteilung Anfang des Monats erneut deutliche Worte: „Gebäude verlottert. Wer hat da weggeschaut?“ heißt es etwa darin. Er frage sich, wie es soweit kommen konnte, dass nun nur noch die Frage des Abrisses und des Neubaus gestellt werden könne, so SPD-Fraktionssprecher Joachim Fischer in dem Schreiben an Oberbürgermeister Pütsch. Zudem geht die SPD davon aus, dass die Verwaltung, der „der Handlungsbedarf offenkundig seit längerem bekannt ist“, Lösungen präsentiert.

Niemand hat weggeschaut.

„Die rechtliche Seite wird derzeit aufbereitet“, erklärt OB Pütsch, der sich, wie er offen bekennt, über die „Pauschalkritik, die mutmaßlich auf der Meinung Dritter basiert“ ziemlich ärgert. „Ich will ja gar nicht sagen, dass es gar keine Mängel gibt“, räumt der Rathauschef ein. Mit dem Vor-Ort-Termin möchte er aber auch dem nun besonders im Fokus der Kritik stehenden Fachbereich die Möglichkeit geben, den Zustand zu erläutern. Dabei, so betont Pütsch, gehe es auch nicht darum, am Ende der Diskussion zu einer Entscheidung zu kommen, wie es nun am Waldfriedhof weitergeht. Vielmehr stehe der Meinungsaustausch im Vordergrund: „Es wäre falsch verstandener Ehrgeiz, der vielleicht auch der anstehenden Kommunalwahl geschuldet ist, wenn jetzt voreilige Entscheidungen getroffen werden.“

Zwei Friedhöfe kosten mehr als einer

Ein Friedhof müsse nicht schöner als ein Stadtpark sein, so die Meinung des OB. „Ich finde, wir haben schöne und gepflegte Friedhöfe.“ Womit Pütsch am Knackpunkt des Problems angekommen ist: „Wir leisten uns in der Kernstadt zwei Friedhöfe. Das macht es an sich schon teuer.“ Vor Jahrzehnten habe es einen Gemeinderatsbeschluss gegeben, den Stadtfriedhof zu schließen, das sei aber von den Bürgern verhindert worden. Da Friedhöfe an sich schon nicht zu den Einrichtungen gehörten, die kostendeckend betrieben werden könnten, frage er sich, wie die Mehrausgaben, die durch eine Verschönerung der Anlage entstehen würden, gedeckt werden sollen. „Wenn das über die Friedhofsgebühren geschehen soll, bin ich ja mal gespannt auf die Reaktionen“, so der OB.

Blumenladen Stadtfriedhof
Auch den Stadtfriedhof und den dortigen Blumenladen will Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch bei der nun aufgeflammten Diskussion um die baulichen Zustände in den Blick nehmen. | Foto: Collet

Der Rathauschef will die Diskussion aber nicht auf den Waldfriedhof beschränken. Gerade weil die Stadt sich im Zentrum zwei Friedhöfe leiste, müsse auch der Stadtfriedhof unter die Lupe genommen werden. „Auch hier ist der Pächter mit Wünschen an uns herangetreten.“ Den Vorwurf, die Stadt habe die Situation über Jahre hinweg ignoriert, will Pütsch nicht stehen lassen und sieht auch die Stadträte in der Verantwortung: „Niemand hat weggeschaut. Oder aber wir alle.“