Flurschaden: Ganze Arbeit haben die Schafe auf den Feldern bei Ötigheim geleistet, die Landwirte sind in Sorge, auf ihren Kosten sitzenzubleiben. | Foto: Collet

Wild weidende Schafherde

Ötigheimer Landwirte befürchten Ernteausfälle wegen wild weidender Schafe

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„Es ist gut, dass es noch Schäfer gibt“, sagt Bürgermeister Frank Kiefer, „aber es dürfen keine Schäden entstehen, dafür haben die Schäfer Sorge zu tragen.“ So richtig geklappt hat das in den vergangenen drei Wochen nicht, wie die BNN berichteten.  Die Schäden sind nach Auskunft der betroffenen Landwirte so massiv, dass sie Ernteausfälle befürchten. Mehrere Versuche der Redaktion, den Schäfer bei seiner Herde im Bereich zwischen Ötigheim und Steinmauern ausfindig zu machen, scheiterten.

„Wenn auf den Getreidefeldern mal die Ähren abgefressen sind, geht nichts mehr“, berichten die Landwirte, klagen über erhebliche Schäden an ihren Streuobstbäumen, erzählen von Schafen, die fast täglich über die Straßen laufen und einem Schäfer, der inzwischen in die Gegenoffensive übergegangen sei. „Er gibt sich als Opfer, behauptet, wir würden uns an seinen Tieren vergreifen und es seien ihm auch schon welche gestohlen worden“, berichtet Landwirt Christopher Kühn.

Ich möchte betonen: Ich habe es nicht an ihn verpachtet.

Ötigheimer Landwirt, der dem Schäfer sein Gelände zur Verfügung gestellt hat

Doch ein Ende ist absehbar, denn „bis zum Wochenende wird der Schäfer weitergezogen sein“, erzählt jener Landwirt, der dem Schäfer sein Gelände unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. „Ich möchte betonen: Ich habe es nicht an ihn verpachtet. Der Mann hat mir gesagt, dass ihm das Futter für seine Tiere nicht ausreicht. Er hat mir leidgetan. Deshalb habe ich mich breitschlagen lassen. Ich wollte ihm nur helfen“, erklärt der Ötigheimer.

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„In der Schafherde befinden sich sehr viele Lämmer. Wenn der Weidezaun geöffnet ist, rennen die halt überall hin.“ Außerdem sei nicht auszuschließen, dass sich Jugendliche einen Spaß daraus machen, die Weidezäune zu öffnen, mutmaßt er.

Auch ökologische Flächen sind betroffen

Doch ganz so einfach ist die Sache aus Sicht seiner Kollegen nicht. Sie gestehen dem Schäfer zwar zu, dass es bei einer großen Herde nicht immer leicht sei, alle Tiere im Blick zu haben. Aber dafür müsste er Hunde haben, die ihm helfen, die Schafe in Zaum zu halten. Das sei aber offenkundig nicht geschehen.

Auch ökologische Flächen sollen betroffen sein, obwohl es zur Aufgabe eines Schäfers gehöre, Dienstleistungen im Bereich der Landschaftspflege zu erbringen.

Landwirt Tom Seifert, im Kreisverein der Badischen Jäger Rastatt/Baden-Baden Obmann im Bereich „Biotop und Naturschutz“, findet dafür kaum Worte. „Den Schaden an meinen Maisäckern kann ich verkraften. Aber das ist ein Unding. Es ist unmöglich, wie sich dieser Schäfer benimmt, wie er uns provoziert und sich nicht darum schert, auf welchen Flächen sich seine Schafe herumtreiben. Er hat seinen Beruf verfehlt“, meint Seifert, der davon ausgeht, dass er auf seinen Kosten sitzen bleiben wird. „Hauptsache, wir haben nächstes Jahr nicht wieder dasselbe Theater.“

Ich finde es schäbig, wie er mit seinen Tieren umgeht.

Heinz Schneider, stellvertretender Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Ötigheim

Nebenerwerbslandwirt Heinz Schneider, stellvertretender Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Ötigheim, erklärt: „Es hat mir wehgetan, die Obstbäume und meine Äcker in diesem Zustand zu sehen. Der Mann ist beratungsresistent. Er betreibt die Schäferei nicht ordnungsgemäß und ich finde es schäbig, wie er mit seinen Tieren umgeht.“

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Landwirte haben keine große Hoffnung auf Entschädigung

Große Hoffnung auf Entschädigung hat auch er nicht. „Ich bin der Meinung, die Gemeinde müsste einen Gutachter bestellen und für den Schäfer in Vorleistung gehen. Denn selbst, wenn er sagt, er wolle für die Schäden aufkommen, glaube ich nicht, dass seine Versicherung bezahlt“, so Schneider. Der Gemeinde rät er, ein Gemarkungsverbot gegen ihn auszusprechen.

Gemeinde und Landkreis versuchen, zwischen den Landwirten und dem Schäfer eine Einigung zu erreichen. Dazu lädt Bürgermeister Frank Kiefer am Mittwoch zu einem runden Tisch mit allen Beteiligten ins Rathaus. Kiefer: „Wir möchten Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich eine solche Situation künftig vermeiden lässt.“