FuckUp: So lautet der Titel des Buches von Bert Overlack, in dem der Rastatter Unternehmer über seine Misserfolge spricht.
FuckUp: So lautet der Titel des Buches von Bert Overlack, in dem der Rastatter Unternehmer über seine Misserfolge spricht. | Foto: Keller

Bert Overlack im BNN-Gespräch

Im Misserfolg steckt ein Tabu

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„Keine Note, die du spielst, ist falsch, Erst die Note, die du danach spielst, macht sie richtig oder falsch.“ Mit diesem Lieblingszitat von Trompeter Miles Davis beginnt Bert Overlack seine Geschichte. Der ehemalige Unternehmer ist gescheitert. Seine Erfahrungen hat er in einem Buch mit dem Titel „FuckUp“ verarbeitet – das bedeutet übersetzt so viel wie „etwas Vermasseln“. Heute hilft der 51-jährige Rastatter anderen im Umgang mit Misserfolgen sowie ökonomischen Entscheidungen und hält Vorträge bei sogenannten FuckUp-Nights.

Nach über 20 Jahren mit eigenem Unternehmer musste Overlack 2011 Insolvenz anmelden. „Das hat mich eine gewisse Zeit aus der Bahn geworfen“, gesteht er. Zu Beginn habe er neu sortieren müssen, was er machen möchte. „Die 360-Grad-Möglichkeiten waren zwar schön, aber bringen auch Überforderung.“

Scheitern löst Emotionen aus

Mehrfach traf er schließlich Menschen, die sich für seine Erfahrungen interessierten. Diese mit der Öffentlichkeit zu teilen, erkannte Overlack als Sinn seines Scheiterns. „Wir müssen lernen anders und besser mit dem Thema umzugehen. In der Hochglanz-Kultur vieler Unternehmen werden gescheiterte Projekte, Fehler und die damit verbundenen Emotionen unter den Teppich gekehrt.“ Bei seiner jetzigen Arbeit und Gesprächen mit Arbeitnehmern spüre er: „Das tut den Menschen nicht gut.“ Scheitern sei in der Gesellschaft zum größten Teil ein Tabu.

Wendepunkt zum Positiven: Bert Overlack beschreibt in seinem Buch „FuckUp“ wie schlechte Erfahrungen genutzt werden können.
Wendepunkt zum Positiven: Bert Overlack beschreibt in seinem Buch „FuckUp“ wie schlechte Erfahrungen genutzt werden können. | Foto: Keller

In seinem Buch will Overlack dazu anregen, die bestehende Kultur zu überdenken. Viele Unternehmer ziehen sich – wie auch er damals – in kritischen Situationen zurück. „Sie wollen sich die Blöße nicht geben und vereinsamen oft in ihrer Unternehmerrolle.“ Auch wenn Scheitern seiner Meinung nach positive Elemente beinhalte, schmerzen Enttäuschung und Verluste die Betroffenen zunächst. „Von den Menschen, die ich kenne, sagt keiner, er braucht das Scheitern nochmal“, erzählt er. „Doch sie erleben alle, dass es sich zu etwas Gutem gewandelt hat.“

Erfolgsgeschichten sind zu weit weg von der eigenen Lebensrealität.

Auch in „FuckUp“ beschreibt er Fehler und Misserfolg als normale Bestandteile des Lebens. „Solange wir ein Tabu-Thema daraus machen, können wir nur schwer daraus lernen,“ so der Autor. Ob Fuckup-Nights, bei denen andere von ihren Erlebnissen berichten, grundlegend etwas verändern, bezweifelt Overlack. Aber sie liefern Anstöße, betont er. „Wir leben in einer Erfolgsgesellschaft und suchen die Nähe zu erfolgreichen Menschen“, meint der Unternehmensberater. Dabei seien Erfolgsgeschichten oft zu weit weg von der eigenen Lebensrealität.

Overlack begleitet Kunden aus der Wirtschaft bei der Umsetzung bestimmter Themen – meistens „in ihren guten Zeiten“, erklärt er. Dabei nutzt er sein Wissen aus den eigenen Fehlern. „Ich bin wie ein bezahltes schlechtes Gewissen.“ Doch die Bereitschaft zu Scheitern gehöre zum Erfolg dazu, wenn man ehrgeizige Ziele verfolgt, ergänzt er. „Genauso wie der konstruktive Umgang mit Ängsten und Zweifeln.“

Rückkehr auf den Arbeitsmarkt

In gescheiterten Unternehmern sieht er zudem eine Chance in Zeiten des Fachkräftemangels: „Wir müssen dafür sorgen, dass möglichst viele dieser Menschen schnell in berufliche Perspektiven zurückkommen.“ Tausende Menschen kommen pro Jahr in Privatinsolvenz, so Overlack. Die Ursachen lägen oft nicht im persönlichen Versagen, sondern in einer Reihe von privaten und wirtschaftlichen Veränderungen.

Demut vor Erfolg.

„Betroffene nehmen bis zu zehn Jahren nicht am wesentlichen gesellschaftlichen Leben teil“, weist er mit Blick auf die Folgen von Insolvenz etwa durch Schufa-Einträge hin. „Doch bei diesen Menschen liegen wertvolle Erfahrungen, die wir nutzen könnten.“ Vor seinem beruflichen Erfolg nach dem Wendepunkt vor acht Jahren habe er eine größere Demut entwickelt, gibt Overlack zu. Doch vor allem auf Misserfolg habe er einen deutlich anderen Blick.

Bert Overlack. FuckUp. Das Scheitern von heute sind die Erfolge von morgen. Wiley-VCH, 2019, ISBN: 978-3527509607