Markante Fassade an der Karlsruher Straße: Die Wurzeln des Pabel-Moewig-Verlags reichen zurück bis ins Jahr 1949. Jetzt verlagert der Mutterkonzern die Produktion fast vollständig nach Hamburg. | Foto: Hans-Jürgen Collet

80 Mitarbeiter betroffen

Pabel-Moewig-Verlag verlagert Zeitschriftenproduktion von Rastatt nach Hamburg

Anzeige

„Wir haben das geahnt“, sagt eine Mitarbeiterin des Pabel-Moewig-Verlags Trotzdem war der Schock groß, als Verantwortliche des Mutterkonzerns Bauer Media Group der Belegschaft am vergangenen Freitagnachmittag verkündeten, dass bis spätestens Ende Juli die Produktion von 14 Zeitschriften-Titeln von Rastatt in die Konzern-Zentrale nach Hamburg verlagert wird. Betroffen sind rund 80 Beschäftigte. Sie haben das Angebot, mit in die Hansestadt zu ziehen. Doch die Offerte werden wohl nur wenige in Anspruch nehmen.

Die Mitarbeiterin berichtet gegenüber unserer Redaktion von großer Verunsicherung in der Belegschaft. Es gebe auf der einen Seite viele ältere Kollegen, für die ein so großer Schritt im letzten Abschnitt des Berufslebens nicht mehr infrage käme und die nun vor einer ungewissen Zukunft stünden. Auf der anderen Seite seien auch viele jüngere Mitarbeiter in der Region sesshaft und ebenfalls nicht bereit, nach Hamburg zu ziehen. Auch sie selbst will ihrer Heimat nicht den Rücken kehren und hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb der nächsten Monate einen neuen Job zu finden.

Konzern will für Mitarbeiter „attraktive Pakete“ schnüren

Bei Bauer setzen die Verantwortlichen trotzdem darauf, viel Rastatter Know-how an die Elbe verlagern zu können. „Wir hoffen, dass möglichst viele Kollegen mitkommen“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Dafür sei der Konzern bereit, „attraktive Pakete“ zu schnüren. Mit welchen Schmankerln das Unternehmen den Betroffenen den Umzug versüßen möchte, könne sie allerdings noch nicht sagen.

Auch Zahlen, wie viele Mitarbeiter sich schon zu dem Schritt entschlossen hätten, gebe es bislang nicht. Aktuell laufen Verhandlungen mit dem Betriebsrat über die Modalitäten, die sich noch über die kommenden Wochen hinziehen werden. Mitarbeiter, die sich gegen einen Wechsel entscheiden, wolle das Unternehmen „bestmöglich unterstützen“.

Portfolio reicht von der „Freizeitwoche“ bis zur „Riesen Rätsel-Revue“

Bauer erhofft sich durch die Zentralisierung im Mutterhaus positive Effekte. Die Marken würden „voneinander profitieren und sich schneller weiterentwickeln“. Durch die fokussierte Steuerung des Portfolios entstünden Spielräume für Produkt- und Geschäftsinnovationen. Zu den Titeln, die bislang in Rastatt produziert werden, gehören unter anderem Frauen- und Rätselzeitschriften wie die „Freizeitwoche“, „Mein Leben“ oder die „Riesen Rätsel-Revue“. Bereits in der Vergangenheit habe die Gruppe durch Bündelungen im Medienhaus Freiräume nutzen können, um Produktqualität zu steigern.

Auch die Fenster
wurden nicht mehr gereinigt

Eine betroffene Verlagsmitarbeiterin

Auch in Rastatt waren Umstrukturierungen in der Vergangenheit bereits „gang und gäbe“, wie die Mitarbeiterin berichtet. Die Folge seien leer stehende Büros gewesen, die nicht mehr besetzt wurden. Die Belegschaft habe außerdem den Eindruck gewonnen, dass notwendige Sanierungsmaßnahmen in dem Gebäude in der Karlsruher Straße nicht mehr umgesetzt wurden. „Auch die Fenster wurden nicht mehr gereinigt“, schildert die Betroffene ein Gesamtbild, das bei der Belegschaft schon länger Zweifel an der Zukunft des Standorts aufkeimen ließ.

Mehr zum Thema: 3000. Perry-Rhodan-Band erscheint im Februar

Wie es mit dem markanten Gebäude mit der gläsernen Fassade weitergeht, ist offen. „Das steht noch nicht fest“, sagt die Unternehmenssprecherin. Ungefähr 15 Beschäftigte bleiben in Rastatt. Dabei handelt es sich um das Team der Science-Fiction-Romanserie „Perry Rhodan“. Sie werden aber wohl in andere Räumlichkeiten umziehen, meint die Sprecherin.

Nicht betroffen sei der Druckbereich, der seit 2010 als VPM Druck KG firmiert. Auch die Zeitschriften, die nach Hamburg verlagert werden, sollen künftig weiter in Rastatt gedruckt werden.

Mehr zum Thema: Tagebuch vom Friedhof: Karlsruher Totengräber schreibt Buch