Später auf, früher zu: Das Rastatter Hallenbad Alohra könnte künftig bis zu 15 Stunden weniger für Besucher geöffnet haben. Damit reagiert der Technische Ausschuss auf den Arbeitsmarkt.
Später auf, früher zu: Das Rastatter Hallenbad Alohra könnte künftig bis zu 15 Stunden weniger für Besucher geöffnet haben. Damit reagiert der Technische Ausschuss auf den Arbeitsmarkt. | Foto: Collet

Aus dem Ausschuss

Personalmangel: Öffnungszeiten im Rastatter Alohra könnten kürzer werden

Anzeige

Fachkräfte für Schwimmbäder sind Mangelware. Für die Besucher des Alohra Rastatt bedeutet das künftig vermutlich rund 15 Stunden weniger Zeit, um in den Becken zu schwimmen. Das zumindest will der Technische Ausschuss, wie in seiner jüngsten Sitzung besprochen, dem Gemeinderat bei seiner nächsten Sitzung am 14. Oktober vorschlagen. Die neuen Öffnungszeiten würden ab 2. Januar 2020 gelten, die des Freibads Natura blieben vorerst unverändert.

Um die Aufsichtspflicht in den Bädern zu erfüllen, sei derzeit eine permanente Überwachung der Personalressource notwendig, heißt es in der Vorlage des Ausschusses. Personalengpässe betreffen nicht nur die Rastatter Schwimmbetriebe, sondern sorgen die Bäderlandschaft bundesweit. Fachkräfte zu finden, werde immer schwieriger, heißt es von Seiten der Stadtwerke, die die Rastatter Bäder betreiben.

Bewerber entscheiden sich gegen Bäder

Aufgrund der Arbeitszeiten und der Gesamtöffnungsdauer hätten sich einige Bewerber bereits gegen die beiden Rastatter Bäder entschieden. Derzeit steht das Familienbad Alohra im Ranking der Öffnungszeiten der Hallenbäder in der Region mit insgesamt 85,5 Stunden an Platz eins. Die neuen Öffnungszeiten würden die Gesamtöffnungsdauer auf 70 Stunden verringern – das Alohra rutscht damit auf Platz drei der Liste neben dem Ettlinger Hallenbad. Das Freibad Natura steht mit insgesamt 81 Stunden Öffnungszeit derzeit auf Platz zwei des regionalen Rankings, gleich neben dem Karlsruher Sonnenbad.

Mehr zum Thema: Konzept für Kombibad in Rastatt steht

Montags soll das Alohra geschlossen bleiben

„Wir haben die Besuchereingänge analysiert und bestimmte Zeiträume ausgemacht, die gut frequentiert sind oder eben nicht“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Olaf Kaspryk. Dass das Alohra bisher als eines von wenigen Bäder in der Region keinen Ruhetag hat, soll sich ändern: Schulen und Vereine können montags zwar weiterhin ins Becken, öffentlichen Betrieb soll es jedoch keinen mehr geben.

Wartungstag ohne öffentlichen Betrieb

Hingegen soll der Montag künftig als Wartungstag genutzt werden – „außerhalb des Besucherverkehrs“, wie Kaspryk erklärt. Bislang habe man mit großem Aufwand bei laufendem Betrieb in die Prozess- und Steuertechnik eingreifen müssen. Damit gehe jedoch ein erhöhtes Risiko eines Betriebsausfalls einher. Die veraltete Technik hat eine große Anzahl an Wartungen zur Folge.

Mehr zum Thema: Alohra hält noch durch – aber nicht mehr lange

Ausschuss wünscht sich Kontinutität

Mit der neuen Regelung müssten auch Frühschwimmer zweimal die Woche ihre Runden später drehen. Für diese hat das Alohra bislang als einziges Hallenbad im Umkreis an vier Tagen die Woche geöffnet: Dienstags und donnerstags soll dann anstatt um 6.30 Uhr erst um 8 Uhr begonnen werden, am Donnerstag würde das Bad zusätzlich bereits um 19 Uhr und nicht erst um 21.30 Uhr schließen.

Sie sind arbeitnehmerfreundlich.

An Samstagen, Sonn- und Feiertagen endet der Betrieb ebenfalls früher: Um den Besuchern Kontinuität zu bieten, einigte sich der Auschuss auf 19 Uhr statt bisher 20 Uhr. Mittwoch und Freitag bleiben unverändert. „Die Öffnungszeiten haben wir anhand der Schichtzeiten angepasst“, erläutert Kaspryk die Planungen. „Sie sind arbeitnehmerfreundlich.“

Kürze Öffnungszeiten sparen Kosten

Mit den reduzierten Zeiten verringert sich nicht nur der Personalbedarf: Die Änderungen bringen dem Gremium zufolge auch jährliche Kosteneinsparungen zwischen 100 000 bis 120 000 Euro mit sich. Mit diesen wiederum lasse sich ein weiterer Vorschlag des Ausschusses zur Verbesserung der Personalsituation realisieren. Um den erschwerten Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt zu begegnen, sollen die Rastatter Bäder attraktivere Arbeitgeber werden.

Das ist ein positives Signal.

Fachkräfte seien rar und umkämpft, erklärt der Technische Ausschuss. Daher will dieser Personal mit höheren Löhnen nach Rastatt locken und langfristig binden. Bis zu 20 Prozent mehr Gehalt für Fachkräfte stehen auf der Agenda, begonnen werden soll 2020 und 2021 zunächst mit höchstens zehn Prozent, heißt es in der Vorlage. „Das ist ein positives Signal. Wenn gleich alles Potenzial ausgeschöpft wird, haben wir keine Möglichkeit mehr, einen weiteren Bonus zu geben“, sagt Kaspryk.

Höherer Lohn soll Fachkräfte locken

„Es soll sich hierbei auch nicht um ein Belohnungssystem handeln, sondern ermöglichen, geeignetes Fachpersonal einzustellen“, ergänzt Rastatts Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch. Bäderpersonal zu finden, sei in der Region inzwischen schwer geworden. Eine Lohnerhöhung sei zu diesem Zweck nicht länger zu verhindern, heißt es in der Vorlage.

Die zusätzlichen Mehrkosten der Lohnerhöhung von rund 39 000 Euro, gemessen an den Personalkosten beider Bäder aus dem Jahr 2018 in Höhe von 992 600 Euro, könne man wiederum durch die Kosteneinsparungen der reduzierten Öffnungszeiten kompensieren.

Umliegende Bäder, wie etwa in Ettlingen oder Gaggenau, würden dem Fachpersonal höhere Gehälter bezahlen. Bereits mehrfach blieben Stellenausschreibungen für das Alohra und Natura erfolglos. Nach einem Jahr soll ein Bericht über die Veränderungen folgen.