Werler
Geht mit einem Lachen im Gesicht: Iffezheims Bürgermeister Peter Werler verlässt zum Monatswechsel das Rathaus der Renngemeinde nach zwei Amtszeiten. | Foto: Huse

Rathaus Iffezheim

Peter Werler räumt den Chefsessel

Umzugskisten stehen noch keine in seinem Büro, und vermutlich wird Peter Werler auch keine brauchen, wenn er am 29. März zum letzten Mal die Tür zum Bürgermeisterzimmer schließt. Er deutet auf ein Sideboard mit Fotos darauf: „Die Siegerbilder vom Amtsschimmel, die nehm ich mit. Den Rest übernimmt mein Nachfolger“, sagt Werler lächelnd. Wer in seinen Zügen nach Bedauern oder Wehmut sucht, sucht vergebens: „Ich gehe mit einem guten Gefühl und zufrieden. Das Ende kommt ja auch nicht überraschend.“
Theoretisch hätte der 64-jährige Werler noch eine komplette dritte Amtszeit dranhängen können. Doch das stand nie zur Debatte. „Man kann das Ende ja ganz gut errechnen. Und mir war schon vor 16 Jahren klar, dass ich mit Mitte 60 in Rente gehen möchte.“ Immerhin hat Werler nicht nur 16 Jahre als Bürgermeister auf dem Buckel, sondern insgesamt 48 Jahre im Verwaltungsdienst, da sei es gut, „wenn jemand kommt, der es wieder anders macht.“

Nicht alle Projekte haben ein Ende gefunden

Das ein oder andere Projekt hätte der scheidende Rathauschef allerdings schon gerne noch zu Ende gebracht: Bei der Festhalle etwa ist er der festen Überzeugung, dass das Thema mittelfristig wieder auf die Tagesordnung kommen wird. „Und den Spatenstich für das neue Feuerwehrgerätehaus hätte ich schon noch gerne gemacht, so lange wie das schon diskutiert wird.“
Heilfroh ist Werler dagegen, dass er das Thema Rennbahn noch in seiner Amtszeit abschließen konnte. Immerhin beschäftigte ihn das Problem um die Besitzverhältnisse bereits bei seinem Amtsantritt. „Ich kann gar nicht beschreiben, wie groß der Stein war, der mir vom Herzen gefallen ist.“ Ein derart komplexes Thema hätte er seinem Nachfolger nur ungern übergeben. Der kann sich jetzt darüber freuen, dass es nur noch die Gemeinde als Eigentümer und einen Pächter gibt. „Das ist auch wichtig für die künftige Ausrichtung der Bahn“, ist Werler überzeugt, der als Privatmann und Pferdefreund die Entwicklung der Galopprennbahn aufmerksam verfolgen will.

Planungsprozesse in Deutschland sind furchtbar zeitaufwendig.

Überhaupt fällt sein Fazit als Rathauschef positiv aus: „Ich könnte jetzt nicht sagen, dass es was gab, wovon ich sagen müsste, schade, dass es so gekommen ist.“ Infrastrukturell sei in den vergangenen 16 Jahren viel passiert, mit den beiden Ortskernsanierungsprogrammen einiges bewegt worden. Dann die Unterstützung für die Vereine, das Neubaugebiet und die Industriegebietserweiterung – Werler stockt, jetzt fällt ihm doch etwas ein, was ihn stört: „Vieles ist angestoßen, aber es dauert halt alles furchtbar lange.“ Zu lange? „Viel zu lang. Die Planungsprozesse in Deutschland sind furchtbar zeitaufwendig. Das hätte ich wirklich gerne anders gehabt.“

Rennbahn
Die Galopprennbahn und ihre vertrackten Besitzverhältnisse haben Werler vom ersten Tag seiner Amtszeit bis zum letzten beschäftigt. | Foto: Collet

Deshalb sieht Werler das Thema Bürgerbeteiligung auch mit Zurückhaltung: „Wer mitentscheiden möchte, muss sich auch en détail mit einem Thema auseinandersetzen. Das kann ein Bürger niemals so wie ein Ratsmitglied“, ist Werler überzeugt, der sich selbst als „Anhänger der parlamentarischen Demokratie“ bezeichnet. „,Das finde ich gut‘, reicht da nicht. So einfach ist das nicht.“ Im Fall der Festhalle hat Werler auf Bürgerbeteiligung gesetzt: Die Iffezheimer konnten aktiv am Gemeindeentwicklungskonzept mitwirken – und haben bei der Abwägung von Für und Wider am Ende auch den Gemeinderat davon überzeugt, dass die Festhalle da wo sie steht und so wie sie ist, am besten aufgehoben ist. Dass Werler da eigentlich anderer Meinung ist, sagt er eher indirekt: „Ich glaube, die Menschen haben zu viel Angst vor Veränderung. Aber ohne Veränderung entwickeln wir uns nicht.“

Der Kunst-Bürgermeister nimmt’s mit Humor

Apropos Entwicklung: Da habe sich vor allem auch in der Bildungslandschaft was getan. „Ich freue mich sehr, dass unsere bilinguale Grundschule jetzt endlich im Regelprogramm ist.“ Aber auch die Einrichtung eines gebundenen Ganztagszugs an der Maria-Gress-Schule macht Werler zufrieden. Genauso wie die Iffothek, die bei der Erweiterung des alten Rathauses um einen modernen Anbau entstanden ist.
Ein Thema, bei dem Werler, der auf dem diesjährigen Fastnachtsumzug von einer Gruppe als „Kunst-Bürgermeister“ auf die Schippe genommen wurde („das nehme ich mit Humor“), ins Schwärmen gerät. Denn nicht nur der Rathausbau, auch die Kunst im öffentlichen Raum im Allgemeinen sind Themen, für die sich Werler immer stark gemacht hat. Noch immer freut er sich wie ein kleines Kind, dass es mit gemeinsamen Anstrengungen von Verwaltung, Gemeinderat und Kunstförderverein vor wenigen Jahren gelungen ist, den Künstler Jürgen Goertz für Iffezheim zu gewinnen. „Ich hätte nie gedacht, dass das klappt. Aber es hätte nicht besser kommen können.“

Langweile fürchtet er nicht

In seiner neu gewonnenen Freizeit wird Werler sicherlich noch oft an der „Racing“-Skulptur vorbeispazieren. Wenn er nicht gerade reitet. Oder liest. Oder reist. Langeweile fürchtet der scheidende Bürgermeister nicht. „Ich freue mich darauf, Zuhause zu sein. Das kenne ich ja gar nicht.“ Plötzlich grinst Werler: „Meine Frau auch nicht. Die wird sicher auch Umstellungsprobleme haben.“