Über dem Leitwert: Im Wasserwerk in Förch sind Investitionen notwendig, um die PFC-Belastung zu senken. Der Versorgungsverband Vorderes Murgtal hat beschlossen, eine Anlage mit Aktivkohle einbauen zu lassen. Zunächst kommt aber ein Filter des Technischen Hilfswerks zum Einsatz. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Wasserfilter wird installiert

PFC-Belastung im Trinkwasser: Technisches Hilfswerk rückt im Krisengebiet Rastatt-Förch an

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Schwangere und Kinder bis drei Jahre sollten das Leitungswasser in Förch nach wie vor nicht trinken. Darauf machten die Stadtwerke Rastatt die Anwohner zum Jahreswechsel erneut per Rundschreiben aufmerksam. Voraussichtlich in der kommenden Woche rückt das Technische Hilfswerk an, um einen Filter im Wasserwerk zu installieren, der die PFC-Belastung unter den Leitwert senken soll.

Bundesweit verfügt das THW laut Thorsten Dossow, Leiter des Rastatter Ortsverbands, über elf solche Anlagen. Der Aktivkohle-Filter, der in Förch zum Einsatz kommen soll, wird aus Wörrstadt in Rheinland-Pfalz geliefert. „Mit solchen Modulen können wir in Krisengebieten aus einem Tümpel Trinkwasser machen“, verdeutlicht Dossow die Leistungsfähigkeit der Technik.

Anfang kommender Woche sei ein Termin mit den Stadtwerken geplant, um letzte Details zu klären. Grundsätzlich benötige die Technik aber keine Vorlaufzeit, sondern reduziere die Belastung umgehend, sagt Dossow. Wie berichtet, geht es dabei um eine PFC-Verbindung mit der Bezeichnung PFOA. Für diese hatte das Umweltbundesamt den Leitwert gesenkt. Den alten Wert hielt das Trinkwasser des Verbands Vorderes Murgtal ein – den neuen übersteigt es leicht.

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Betroffene schildern bei Infoveranstaltung ihre Sorgen

Als Folge hat das Gesundheitsamt am 19. Dezember die Empfehlung veröffentlicht, dass Risikogruppen das Wasser in Förch, Kuppenheim, Gaggenau-Selbach und Gernsbach nicht trinken sollten. Auch zum Kochen sollte das Wasser nicht mehr genutzt werden.

In Förch fand in der vergangenen Woche eine Infoveranstaltung statt. Zahlreiche der rund 150 Besucher nutzten die Gelegenheit, den Vertretern der Stadtwerke Rastatt, der Stadt Kuppenheim und des Versorgers Eneregio Fragen zu stellen. Darunter waren auch Schwangere und junge Eltern. Eine werdende Mutter berichtete von ihren Sorgen und erzählte, dass kurz vor Weihnachten trotz der Warnung niemand beim Gesundheitsamt zu erreichen gewesen sei. „An wen kann ich mich wenden? Haben Sie einen Ansprechpartner für mich?“, fragte sie die Vertreter auf dem Podium.

Kritik an Aussagen auf der Stadtwerke-Homepage

Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler versprach, umgehend Kontakt mit Landrat Toni Huber aufzunehmen, und ihn darum zu bitten, dass das Gesundheitsamt Personal zur Beratung bereitstelle. Ein junger Vater übte Kritik an den Stadtwerken Rastatt. Auf der Homepage des Unternehmens habe er in der Vergangenheit gelesen, dass das Trinkwasser in Rastatt frei von PFC sei. Er sei davon ausgegangen, dass dies auch für Förch gelte und das Wasser deshalb unbedenklich für seine damals schwangere Frau beziehungsweise seinen inzwischen geborenen Sohn sei.

Steht Rede und Antwort: Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk bei der Infoveranstaltung in Förch. | Foto: Hans-Jürgen Collet

Das Problem: Wie Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk zuvor erläutert hatte, ist Förch eine „Inselversorgung“, gespeist vom eigenen Wasserkraftwerk, aber ohne Anschluss ans restliche Netz in der Barockstadt. Deshalb kann für den Stadtteil auch keine kurzfristige Ersatzversorgung aufgebaut werden. Abhilfe soll zunächst die provisorische THW-Lösung schaffen, bis im Wasserwerk eine feste Filteranlage installiert ist. Dies wird laut Kaspryk frühestens Ende des Jahres der Fall sein. Parallel dazu ist der Bau einer Versorgungsleitung von Niederbühl nach Förch geplant, um künftig über eine Alternative zu verfügen. Die Kosten für die Maßnahmen sollen bei jeweils 1,5 bis zwei Millionen Euro liegen.

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Die Rechnung zahlt am Ende der Verbraucher

Zahlen müssen das am Ende die Verbraucher über den Wasserpreis. Kaspryk rechnet mit einem Anstieg um zwei Cent pro Kubikmeter. Eine Besucherin kommentierte diese Ankündigung mit der Frage: „Wenn man sauberes Wasser haben will, muss man mehr zahlen. Können wir den Preis dann jetzt auch reduzieren?“

Eine andere Mutter erklärte, dass sie ihren Kindern schon lang kein Leitungswasser mehr zu trinken gebe. Sie frage sich allerdings, ob es ungefährlich sei, in dem Wasser zu baden. Kaspryk versuchte, sie zu beruhigen. PFC müsse körperlich aufgenommen werden, um ins Blut zu gelangen. Der Leiter der Stadtwerke betonte außerdem mehrmals an dem Abend, wie klein die Belastung seien. So liegt die Menge in Förch 0,001 Mikrogramm pro Liter über dem Leitwert:

Vor zehn Jahren hätte
man so etwas gar nicht messen können

Stadtwerke-Chef Olaf Kaspryk

Er und Mußler erklärten außerdem, dass sie von der Reduzierung des Leitwerts durch das Umweltbundesamt überrascht gewesen seien. Das stieß bereits in der Versammlung auf Unverständnis bei Andreas Adam, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Bürgerinitiative „Sauberes Trinkwasser für Kuppenheim“: „Die neuen Werte sind nicht vom Himmel gefallen“, sagte er und ergänzte: „Hätten man in den vergangenen fünf Jahren Vorsorge getroffen, säßen wir heute nicht hier.“

Auf ihrer Facebook-Seite legte die Initiative kurz darauf nach: „Es bleibt ein Fakt, den wir mehrfach belegen können, dass man die Gefährlichkeit der PFC von Anfang an herunterspielte und entsprechend auch keinen Handlungsbedarf sah. Darin war man sich mit der Landesregierung einig gewesen.“

Den PFC-Skandal haben die BNN in einem Dossier aufgearbeitet: Alle Aspekte im Überblick.