Tendenz steigend: Hunderte Unfälle mit Fahrrädern zählt das Polizeipräsidium Offenburg in seinem Bereich jährlich.
Bei Unfällen mit Fahrrad-Fahrern ist der Radler meist in der schwächeren Position. | Foto: Bockwoldt/dpa (Symbolfoto)

Bereits sechs Tote

Polizeipräsidium Offenburg: 2019 gefährlicher für Radfahrer als 2018

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Radfahren ist in – und wird immer gefährlicher. Sechs Menschen sind bislang auf den Straßen im Bereich des Polizeipräsidiums Offenburg gestorben. 2018 waren es acht – doch das Jahr ist noch nicht zu Ende. Auch wenn man sich im Polizeipräsidium mit statistischen Daten für das laufende Jahr noch ein wenig schwer tut, die Zahl der Unfälle von Radfahrern wird über der des Vorjahres liegen.

So weit wagt sich Gerd Jund, zuständig für das Thema Unfallstatistik und Verkehrssicherheit, dann doch aus der Deckung. „Es fehlt an Vorsicht und an Rücksicht“, lautet die knappe Diagnose des Beamten. Und es werde immer schneller gefahren. Dies liege daran, dass die Räder immer besser werden, und das sich fast nur noch E-Bikes verkaufen.

Junds Fazit: „Die Infrastruktur kommt nicht der Änderung der Verkehrsarten hinterher.“ Das will heißen, die Politik debattiert noch über die richtige Führung von Radwegen, die eigentlich längst gebaut sein sollten. In Großstädten, so sagt Jund, würden inzwischen komplette Fahrspuren für den Radverkehr freigeräumt.

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In der Ortenau werden Millionen Euro in Radwege investiert

In der Ortenau entstehen zwar mit Millionenaufwand Radwege außerorts, doch in den Städten und Gemeinden drängen sich Biker, Autos, Lastwagen und Motorräder auf der immer enger werdenden Verkehrsfläche zusammen. Und so kommt es immer wieder vor, dass Radler sich inzwischen gegenseitig über den Haufen fahren.

Eine Ursache: erhebliche Geschwindigkeitsunterschiede, gerade zwischen den Pedelecs und den Rädern mit ausschließlichem Muskelantrieb. „Früher war man genügsamer, ist hinterhergefahren, wenn man nicht vorbeikam. Der heutige Pedelec-Fahrer ist bemüht, vorbeizukommen.“ Resultat: Nicht selten zwei Verletzte, manchmal nur ein blutiges Knie, in anderen Fällen weit mehr.

Die beste Abhilfe wäre, wenn alle sich an die Regeln halten

„Die beste Abhilfe wäre, wenn alle sich an die Regeln halten, dann hätten wir die Hälfte der Unfälle weg“, sagt Jund. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 901 Radunfälle, eine Zahl, „die wir in diesem Jahr überschreiten werden“.

Fast jeder dritte Unfall ist auf eine Vorfahrtsverletzung zurückzuführen, jeder zehnte geschieht beim Abbiegen, oft geht es um überhöhte Geschwindigkeit. „Wir werden eine Unfallsteigerung haben, und das wird sich flächenhaft darstellen“, so die Prognose für 2019.

In Offenburg werden Radschutzstreifen gebaut

Die Politik reagiert – Beispiel Radschutzstreifen. In Offenburg wurden sie auch schon in Straßen mit gut ausgebauten Radwegen eingeführt. Die Radler sollen auf die Fahrbahn, damit sie besser gesehen werden, so die dahinter stehende Logik.

Doch das Konzept ist neu – und nicht jedem bekannt. „Ich fahre jeden Tag darauf und ich würde mich sicherer fühlen, wenn die Autofahrer wüssten, was sie machen müssen“, sagt Jund. Das heißt: Der Autofahrer darf nur auf den Schutzstreifen, wenn er es denn muss – doch „das wird noch sehr großzügig ausgelegt“.

Experte: Radfahren wird bald sicherer

Jund erwartet, dass der Verkehr für die Radfahrer bald sicherer wird. Es werde neue Regeln für das Abbiegen gerade bei Lastwagen geben, auch Assistenzsysteme würden die zumeist sehr schweren Unfälle, bei denen Radfahrer von abbiegenden Fahrzeugen erfasst werden, reduzieren.