Pfarrer Wenz Wacker von der evangelischen Johannesgemeinde Rastatt ist unter die Imker gegangen.
Pfarrer Wenz Wacker von der evangelischen Johannesgemeinde Rastatt ist unter die Imker gegangen. | Foto: Collet

Wertlose Züchtungen

Pollenfreie Blumen lassen Bienen abblitzen

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Für den Häuslebesitzer klingt das verlockend: Sonnenblumen ohne Pollen – sie sondern keine klebrige Masse ab, so dass der teure Terrassenbelag immer schön sauber bleibt. Naturschützer allerdings kritisieren den Eingriff in die Natur, weil Pflanzen gezüchtet werden, die sich nicht mehr vermehren können. Der Leiter des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe, der in Rastatt wohnende Norbert Haber, macht im Gespräch mit den Badischen Neuesten Nachrichten deutlich: „Für Natur und Landwirtschaft sind diese Pflanzen wertlos.“

Rosen sind auch oft pollenfrei

Solche Züchtungen gebe es aber auch bei Blütenmischungen für den Garten oder bei Edelrosen – hier entstehen aus den Geschlechtsorganen besonders schöne Blüten. „Da akzeptiert man das erstaunlicherweise“, so Haber. Die eigentlichen Wildrosen seien hingegen für Insekten „sehr wertvoll“.
In den „sauberen“ Sonnenblumen hingegen gibt es für Bienen nichts zu holen. Pfarrer Wenz Wacker von der evangelischen Johannesgemeinde, der vor einem Jahr unter die Imker gegangen ist, sieht das zunächst nicht so sehr dramatisch: „Wir haben in Rastatt eine so große Vielfalt in kleinen Parzellen, das sind für Bienen gute Bedingungen.“ Sonnenblumen spielten für Bienen kaum eine Rolle. Das sieht auch Norbert Haber so: Nur 500 Hektar Ackerfläche Baden-Württembergs seien mit Sonnenblumen bewirtschaftet, allein der Raps komme auf 50.000 Hektar, die Gesamtfläche liege bei 840.000 Hektar. Außerdem seien die Röhren der Sonnenblumen so tief, dass es Bienen beim Nektarsammeln in deutlich größeren Stress bringe als bei anderen Blumen, so Norbert Haber.

Pfarrer Wacker: „Nicht nur nach der Zweckmäßigkeit fragen“

Und wie sieht der Theologe Wacker diesen Eingriff in die Schöpfung? Grundsätzlich solle der Mensch auch schöpferisch tätig sein, das geschehe etwa mit neuen Züchtungen. Problematisch werde es, so Wacker, wenn nur nach der Zweckmäßigkeit gefragt werde. Man müsse zudem im Blick behalten, wie sich neue Züchtungen ökologisch auswirken. „Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass man zu unvorsichtig und eindimensional mit solchen Entwicklungen umgeht“, so Pfarrer Wacker.