Warnung im Netz: Mike Maier, hier mit Hündin „Pepper“, schlägt auf Facebook Alarm. Nach seinen Angaben wurden in Loffenau zuletzt mehrere Köder gefunden. | Foto: Privat

Fassungslose Hundehalter

Loffenau: Köder mit Rasierklingen und Rattengift sorgen für Aufregung

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In Loffenau ist offenbar ein Hundehasser unterwegs. Nach BNN-Informationen sind in der Gemeinde zuletzt wiederholt mit Rattengift und Rasierklingen präparierte Köder aufgetaucht. Betroffen waren unter anderem der Kurpark und der Bereich rund um die Illertkapelle in Richtung Lautenbach. Wie berichtet, waren in den vergangenen Wochen drei Hunde im Landkreis Rastatt mutmaßlich nach dem Verzehr von Giftködern ums Leben gekommen. Auch in Bruchsal und Baden-Baden wurden inzwischen präparierte Köder entdeckt. Die Hundeführerstaffel der Polizei ermittelt. Unterdessen hat die Tierrechtsorganisation Peta eine Belohnung für sachdienliche Hinweise in Höhe von 1.000 Euro ausgelobt.

Hundehalter ist fassungslos

Nun also auch Loffenau. Laut Hundehalter Mike Maier sind in der Schwarzwaldgemeinde in den vergangenen zwei Wochen rund eine Handvoll Köder entdeckt worden. Nach seinen Angaben handelte es sich dabei um mit Rattengift und Rasierklingen präparierte Wurststücke. Maier ist fassungslos: „Wie kann man unschuldigen Tieren so etwas antun?“ Der Loffenauer trifft sich regelmäßig mit anderen Hundehaltern zum Gassigehen. Nachdem es vor Jahren bereits ähnliche Vorfälle gegeben habe, sei es zuletzt ruhig gewesen. Nun aber tauchten immer wieder Köder auf, etwa im Kurpark, auf Feldwegen und in der Nähe von Spielplätzen.

Ich will gar nicht daran denken, was passiert, wenn ein Kind die Wurst in die Hände bekommt

Mike Maier

Bislang hatten die Tiere Glück – aufmerksame Herrchen konnten Schlimmeres verhindern. Die Frage ist: Wie lange noch? „Ich will gar nicht daran denken, was passiert, wenn ein Kind die Wurst in die Hände bekommt“, warnt Maier. Zwar könne er den Unmut vieler über hinterlassenen Hundekot nachvollziehen, zumal es in Loffenau „ausreichend Dog-Stationen“ gebe. „Aber die Tiere können nichts für die Bequemlichkeit ihrer Halter“, so Maier.

Warnung auf Facebook

Zu seinem Entsetzen hat nicht jeder im Dorf Mitgefühl: „Es werden auch Stimmen laut, dass die Hunde das verdient hätten.“ Auf Facebook warnt Maier andere Halter vor den gefährlichen Ködern. Der Beitrag mit einem Bild seines Mischlingshundes „Pepper“ wurde bereits am ersten Tag nach der Veröffentlichung mehr als 30-mal geteilt. „Wie kannst du nachts schlafen?“, richtet sich der Text an den bislang unbekannten Täter.

Drei Tiere im Landkreis Rastatt gestorben

Ob es sich dabei um dieselbe Person handelt, die Hundehaltern im Rastatter Raum Angst einjagt, ist bislang unklar. In Durmersheim, Steinmauern und Iffezheim waren in den vergangenen Wochen drei Tiere gestorben – mit hoher Wahrscheinlichkeit hatten sie von einem Giftköder gefressen. In Bruchsal war außerdem eine mit einem Teppichmesser präparierte Wurst aufgetaucht.

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Polizei gibt Tipps

Als Reaktion auf diese Ereignisse hatte das Polizeipräsidium Offenburg am Mittwoch Tipps für Hundehalter veröffentlicht, wie sie eine mögliche Vergiftung ihres Vierbeiners erkennen können. Anzeichen sind demnach Unruhe und Erbrechen, blasses Zahnfleisch, eine ungewöhnliche Pupillengröße und Muskelzittern. Auch Blut im Urin und Stuhl sowie eine absinkende Körpertemperatur deuteten auf eine Vergiftung hin. Im Verdachtsfall sollten Besitzer – falls möglich – eine Probe des ausgelegten Köders mitnehmen und ihren Hund daran hindern, wegzulaufen. Sollte das Tier bereits bewusstlos sein, raten die Beamten, es in eine stabile Seitenlage zu bringen sowie Atemwege und Maul unbedingt freizuhalten.

Peta lobt Belohnung aus

Rat finden Tierbesitzer auch 24 Stunden täglich unter (07 61) 1 92 40 bei der Notrufzentrale für Vergiftungen am Universitätsklinikum Freiburg. Die Tierrechtsorganisation Peta hatte in der vergangenen Woche für sachdienliche Hinweise eine Belohnung in Höhe von 1.000 Euro in Aussicht gestellt. Sprecherin Judith Pein: „Der Unbekannte muss sofort gestoppt werden, bevor weitere Vierbeiner getötet werden.“

Kuppenheimerin sammelt Geld

Aus einem tragischen Erlebnis soll nun etwas Gutes entstehen: Vor zwei Jahren wurde Angelika Wolfingers Welpe vergiftet und starb. Mit einer Spendenaktion sammelte die Kuppenheimerin damals Geld, das zur Belohnung für Hinweise auf den Täter ausgeschrieben wurde. Aufgrund der derzeitigen Serie an gefundenen Giftködern und dadurch verletzten Hunde im Landkreis Rastatt stellt sie die 1.000 Euro erneut bereit.

Welpe wurde vergiftet

„Die Hunde können sich nicht selbst wehren“, sagt Angelika Wolfinger. Bei einem Spaziergang an der Murg traf es ihren damals zehn Monate alten Welpen. „Tage später wurde er apathisch und hatte blutunterlaufene Augen“, erzählt sie. „Wir mussten ihn einschläfern.“ Es reiche aus, wenn ein Tier die Köder lediglich im Maul habe, ohne sie zu fressen. „Das alles kann auch gesundheitsschädliche Folgen für Menschen haben, wenn sie mit dem Gift in Berührung kommen.“

Maulkorb ist im Moment Pflicht.

Zwei ungarische Jagdhunde leben heute bei den Wolfingers. Frei herumrennen dürfen die Tiere an der Murg nicht mehr. „Maulkorb ist im Moment Pflicht“, ergänzt die Betroffene. Mit der Belohnung durch die übrigen Spendengelder will sie finanzielle Anreize schaffen. „Wenn wir dadurch nur erreichen, dass die Menschen aufmerksamer sind oder wir jemanden verschrecken, der dann keine Giftköder mehr auslegt, ist das genug“, erklärt sie.

Kontakt: Hinweise an Kanzlei Albrecht, Geranienstraße 5 in Gaggenau, unter Telefon (0 72 24) 6 92 81.

Kommentar von Dominic Körner

Was geht nur in einem Menschen vor, der mit Rattengift und Rasierklingen präparierte Köder in der Öffentlichkeit platziert? Gewiss: Nicht jeder ist ein Hundefreund. Kläffende Vierbeiner können nerven, ihre Hinterlassenschaften sind beileibe keine Zierde für das Ortsbild. Und mancher Hund mag bedrohlich wirken, gerade, wenn er nicht angeleint ist.

Sind das alles Gründe, Tiere zu vergiften oder Rasierklingen an sie zu verfüttern? Nein. Dagegen gibt es legale Mittel: Man kann, wie in Loffenau geschehen, sogenannte „Dog-Stationen“ aufstellen lassen, die Themen in den Gemeinderat bringen oder – auch das soll’s geben – das zuständige Herrchen zur Rede stellen. Schließlich trägt es die Verantwortung für die Tretminen auf dem Bürgersteig, nicht sein Hund, der es nicht besser weiß.

Köder im Dorf auszulegen, ist kein Dummejungenstreich: Es ist feige und unüberlegt. Kaum auszumalen, bekäme ein spielendes Kind die vergiftete Wurst in die Hände. Vielleicht kalkuliert der Unbekannte dieses Risiko bewusst mit ein, was einer hohen kriminellen Energie bedarf. Womöglich sind die Taten das Zeugnis einer verkorksten Existenz, eines vom Hass auf sich und die Welt Zerfressenen.

In jedem Fall gilt für Hundehalter in Loffenau: Sie sollten ihre Tiere an der Leine oder zumindest gut im Auge behalten. Nur so lässt sich Schlimmeres verhindern.