Auf dem blanken Zink der Pfarrgarten-Schubkarre gehen die Palmwedel in Flammen auf und liefern den Grundstoff für den Aschermittwoch. | Foto: Collet

Aschermittwoch in Rastatt

Profanes Feuer liefert die Asche fürs Haupt

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Während sich die Narren gerade mal warmschunkeln für die letzte Phase und den Höhepunkt ihrer Kampagne, brennt im Pfarrgarten der Rastatter Stadtkirche Sankt Alexander bereits das Feuer der Buße und Selbstbesinnung. Aus den Palmwedeln, mit denen die Gläubigen am Palmsonntag des vergangenen Jahres symbolisch noch den Einzug des Messias nach Jerusalem gepriesen hatten, entsteht in den Flammen der Läuterung jene Asche, die Pfarrer Ralf Dickerhof alsbald auf die sündigen Häupter streut.

Palmwedel gehen in Flammen auf

Dabei gibt, wie so oft, der Blick hinter die Kulissen ein unerwartet profanes Bild frei. Wie kommt man in Rastatt eigentlich an das Laub echter Palmen? „Wir haben hier natürlich deutsche Palmwedel, aus Thuja, Kirschlorbeer und Weidekätzchen“, lacht die Mesnerin Stephanie Maciej. Sie wurden von den Frauen der katholischen Frauengemeinschaft am Donnerstag vor Palmsonntag gebunden, im Gottesdienst gesegnet und seither in einer Blechdose aufbewahrt.

Von der Kaffeedose auf das Silbertablett

Ihr Ende finden sie auf dem blanken Zink der pfarrgärtlichen Schubkarre. Ein Funke aus dem Feuerzeug der Mesnerin reicht aus und die geweihten Zweige tanzen einen schnellen Flammen-Flamenco. Erschöpft zerfallen sie knisternd zu Asche, nur um endlich in eine Kaffeedose gesiebt zu werden. Erst am Aschermittwoch wird es so richtig feierlich. Dann darf die Asche auf ein Silbertablett. „Drei Löffel reichen für die ganze Gemeinde“, weiß die Mesnerin. Wenn Dickerhof den Gläubigen dann das Aschekreuz auf die Stirn malt, versteht er das als einen deutlichen Hinweis, dass irdisches Leben vergänglich ist.

Geweihtes endet im Osterfeuer

Feuer ist ein gern gewählter Weg, Geweihtes aber nicht mehr Benötigtes aus der Welt zu schaffen. „Was gesegnet ist, können wir ja nicht einfach in den Müll werfen“, sagt Maciej. Deshalb enden all jene Palmwedel, die nicht für die Aschermittwochs-Asche gebraucht werden, im großen Osterfeuer, genau so wie alte Gesangbücher und die öligen Wattebäusche, die von Kindstaufen übrig bleiben.

Altes Öl und Weihwasser kommen ins Sakrarium

Das Öl selbst wird, wenn es seine Haltbarkeit überschritten hat, gemeinsam mit altem Weihwasser im Sakrarium, einer Art heiligem Ausguss hinter dem Altar entsorgt. Dort rinnt es quasi in den geweihten Boden auf dem die Kirche steht und gibt den Gläubigen das gute Gefühl, dass mit geweihten Substanzen kein Schindluder getrieben wird.

Wer nach der 40-tägigen Fastenzeit am Ostersonntag zwar fünf Kilo leichter ist, aber weiterhin im Kleinkrieg mit seinen Nachbarn steht, der hat was falsch verstanden.

Ralf Dickerhof, Pfarrer katholische Seelsorgeeinheit Rastatt 

Mit dem Aschekreuz auf der Stirn starten die Gläubigen in die Fastenzeit. „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zu Staub zurückkehren wirst“, ist der Satz, den der Pfarrer seinen Gläubigen zuraunt, während er das Zeichen der Buße auf ihre Stirn malt. Anders als die Werbewirtschaft glauben machen will, geht es für die Gläubigen darum, ihr Verhältnis zu Gott und zu ihren Mitmenschen zu überdenken. „Die christliche Fastenzeit hat nichts mit der Intention zu tun, dass jetzt die Pfunde purzeln sollen“, erklärt Dickerhof. „Wer nach der 40-tägigen Fastenzeit am Ostersonntag zwar fünf Kilo leichter ist, aber weiterhin im Kleinkrieg mit seinen Nachbarn steht, der hat was falsch verstanden.“

Gemeinsamer Gottesdienst

Erstmals treffen sich Rastatts Katholiken in diesem Jahr zu einem gemeinsamen Aschermittwochsgottesdienst. Alle vier Gemeinden der Seelsorgeeinheit Rastatt starten am 6. März um 18 Uhr in der Sankt-Alexander-Kirche in die Fastenzeit. Ab dann sind sie angehalten, ihr Leben in Bezug auf ihren Glauben und auf ihre Mitmenschen neu auszurichten. Dass dies auch mit Verzicht auf Genüsse zu tun hat, verrät schon die Bezeichnung Fastenzeit.

Fastenzeit hat sonntags Pause

„Nicht gemeint ist aber, dass man mit einem trübsinnigen Gesicht durch die 40 Tage geht“, so Dickerhof. Unterbrochen wird die Fastenzeit immer sonntags, wenn schon ein wenig Vorfreude auf das Osterfest durchscheint. Der sonnigste Tag in der Fastenzeit ist ohne Zweifel der Palmsonntag, auch wenn zu dessen Abschluss die Palmwedel wieder in die Blechdose müssen, in der sicheren Erkenntnis, dass auch im nächsten Jahr ein Aschermittwoch kommt.