Schlechtes Ergebnis: Das Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen kritisiert Abläufe in der Rastatter Geburtshilfe. Das Urteil „unzureichende Qualität“ stößt bei den Verantwortlichen des Klinikums Mittelbaden auf Unverständnis.
Schlechtes Ergebnis: Das Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen kritisiert Abläufe in der Rastatter Geburtshilfe. Das Urteil „unzureichende Qualität“ stößt bei den Verantwortlichen des Klinikums Mittelbaden auf Unverständnis. | Foto: Keller

Klinikum verteidigt Einzelfall

Prüfbericht: Hat das Rastatter Krankenhaus Mängel im Bereich Geburtshilfe?

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Es ist ein denkbar schlechtes Zeugnis für das Rastatter Krankenhaus. Ein Qualitätsbericht attestiert der Geburtshilfe schwerwiegende Mängel und spricht von „unzureichender Qualität“. Das Klinikum Mittelbaden sprach in einer Pressemitteilung von einem Einzellfall und reagierte mit Unverständnis auf die Bewertung.

Der Bericht stammt vom Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG). Die Ergebnisse machte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA02), das federführende Gremium der Selbstverwaltung des deutschen Gesundheitswesens, am Donnerstag öffentlich.

Konkret geht es um eine zu lange Zeitspanne, die zwischen der Entscheidung, einen Notkaiserschnitt durchzuführen und der Geburt des Kindes verstreicht.

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62 Standorte mit schwerwiegenden Mängeln

Seit Jahresbeginn 2017 liefern die Krankenhäuser für diese Erhebungen quartalsweise Daten für elf Qualitätsindikatoren der Bereiche Geburtshilfe, gynäkologische Operationen und Mammachirurgie.
Für 2018 listet das Institut in 66 Fällen schwerwiegende Mängel auf. Betroffen sind bundesweit 62 Standorte – darunter Rastatt.

Auffällig geworden war die Rastatter Geburtshilfestation bei der sogenannten „E-E-Zeit“. Dabei handelt es sich um die Spanne, die bei Komplikationen zwischen der Entscheidung für einen Notkaiserschnitt und der tatsächlichen Entbindung des Kindes vergeht. Eine „E-E-Zeit“ von mehr als 20 Minuten kann mit schweren Schädigungen des Kindes einhergehen und stellt ein hohes Risiko dar.

Klinikum bestätigt – spricht aber von Einzelfall

Wie oft die 20-Minuten-Grenze in Rastatt konkret überschritten wurde, steht in dem Bericht aus Datenschutzgründen nicht. Das Klinikum Mittelbaden äußerte sich in einer Pressemitteilung dazu. Es habe sich um nur einen Fall gehandelt – bei 550 jährlichen Geburten am Standort. Die Zeitspanne habe dabei „geringfügig über dem für gute Qualität vorgegeben Richtwert von 20 Minuten“ gelegen.

Der Fall und die Ursache seien direkt nach dem Auftreten innerhalb der Klinik intensiv mit dem Behandlungsteam besprochen worden:

Ein kommunikatives Missverständnis im Team

Negative Folgen für Mutter und Kind habe es nicht gegeben. Weiter heißt es: „Anhaltspunkte für grundsätzliche Organisationsprobleme lagen nicht vor. Im Nachgang zu dem Ereignis wurden die Abläufe nochmals intensiv mit dem gesamten Team besprochen. Wir gehen davon aus, dass sich so etwas nicht wiederholen wird.“

Medizinische Leitung reagiert mit Unverständnis

Die Bewertung des IQTIG stößt bei den Verantwortlichen des Klinikums Mittelbaden auf Unverständnis. Der Medizinische Geschäftsführer Norbert Roeder wird in der Mitteilung mit den Worten zitiert: „Warum einer Krankenhausabteilung öffentlich ,unzureichende Qualität’ bescheinigt wird, wenn in einem einzigen Fall pro Jahr ein einzelner Richtwert nicht eingehalten werden konnte, ohne dass es zu Folgen bei der Mutter und ihrem Kind kam, können wir nicht nachvollziehen.“

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Grund für Abweichung vom IQTIG nicht anerkannt

Die Vertreter des Instituts für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen schätzen das offenbar anders ein. Im Vorfeld der Veröffentlichung hatten die betroffenen Krankenhäuser Gelegenheit, die Abweichungen von den Mindeststandards in Stellungnahmen zu erklären.

So berichtete das IQTIG zunächst von insgesamt 213 statistischen Auffälligkeiten mit „unzureichender Qualität“. So bewertet wurden am Ende aber nur 66. Die Mehrheit der Kliniken konnte das Institut also durchaus überzeugen.

Dem Klinikum Mittelbaden gelang das offenbar nicht.

In dem Bericht heißt es dazu: „Der Zeitraum zwischen der Entscheidung, einen Notfallkaiserschnitt durchzuführen und der Geburt des Kindes wurde aufgrund von Kommunikationsproblemen seitens des Krankenhausstandorts verzögert. Der Sachverhalt wurde durch das IQTIG nicht als medizinisch fachlicher Ausnahmetatbestand anerkannt.“

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