„Ziemlich gute Freunde“: Gemeinsame Aktionen im Themenjahr der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg planen Magda Ritter vom Schloss Rastatt (von links), Frank Krawczyk, Michael Hörrmann und Karin Ehlers.
„Ziemlich gute Freunde“: Gemeinsame Aktionen im Themenjahr der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg planen Magda Ritter vom Schloss Rastatt (von links), Frank Krawczyk, Michael Hörrmann und Karin Ehlers. | Foto: Reith

Themenjahr 2019

Historie blitzt an ihren Rastatter Schauplätzen auf

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Konrad Adenauer und Charles de Gaulle umarmen sich, Napoleon fliegt als gallischer Hahn durch das Bild und Ludwig XIV. schießt mit kleinen Sonnen aus einer Kanone: Mit diesem Plakat im Stil der französischen Komik-Tradition machen die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg auf ihr Themenjahr 2019 aufmerksam. Das Programm untersteht dem Motto „Ziemlich gute Freunde. Mit Schwert, Charme und Esprit: Frankreich und der deutsche Südwesten“.

Das Rastatter Residenzschloss ist nicht nur einer der Hauptschauplätze des landesweiten Projekts, sondern auch Gastgeber für die Eröffnung am Sonntag, 7. April. Zwei sogenannte Montgolfière, französische Heißluftballons, sollen die Besucher an diesem Tag bereits im Ehrenhof begrüßen, die Prunkräume des Schlosses sind ausnahmsweise ohne Führungen für jedermann zugänglich.

Französische Vorbilder

„Rastatt und sein Residenzschloss sind das perfekte Beispiel für diese enge Beziehung über alle Jahrhunderte“, erklärt Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten, und meint damit das Verhältnis von Deutschland und Frankreich in der Geschichte. „Sie blicken auf eine gemeinsame Vergangenheit zurück, die alle Dimensionen von Liebe und Krieg ausfüllt“, sagt er und betont die Bedeutung für Europa bis heute. „Es gibt kein Schloss in Baden-Württemberg, dessen Erscheinungsform und Bauweise nicht von französischen Vorbildern beeinflusst ist.“

Wir wollten uns auf eine Facette konzentrieren.

Die Idee zu den Themenjahren ist vor fünf Jahren entstanden, erinnert sich Hörrmann. Rund 200 Veranstaltungen an 14 Schlössern, Klöstern und Ruinen, etwa auch in Heidelberg, Ludwigsburg und Maulbronn, stehen diesmal auf dem Programm. „Wir wollten uns auf eine Facette konzentrieren, die in vielen unserer Monumente zu finden ist, und diese an jedem Ort anders erzählen.“ Mittlerweile sei die Aktion zum Markenzeichen geworden.

Bilanz der Staatlichen Schlösser und Gärten

„Das vergangene Jahr war eindrucksvoll“, zieht Hörrmann eine allgemeine Bilanz der Staatlichen Schlösser und Gärten im Land. Die Besucherzahlen sind um 3,6 Prozent auf vier Millionen gestiegen. Daran hätten die Rastatter Schlösser mit rund 126 600 Besuchern 2018 maßgeblich Anteil, betont er. Hörrmann bezeichnet das Residenzschloss als eines der Aushängeschilder.

Rastatt trägt Geschichte

Zudem ist es Schauplatz vieler deutsch-französischer Ereignisse in der Geschichte, wie etwa der Rastatter Frieden Anfang des 18. Jahrhunderts, ergänzt Karin Ehlers, Leiterin des konservatorischen Bereichs und zuständig für die Inhalte des Themenjahrs. Wissenschaftlich basierte Vorträge, Picknick für Familien, Führungen oder ein Bürgerfest sind landesweit geplant.

Pariser Schuh und Badische Füß

Beim Eröffnungsfest in Rastatt ergänzen Schauspieler, das Vocalensemble Rastatt und Les Favorites sowie Malaktionen für Kinder das Programm. Das ganze Jahr steht im Zeichen der Beziehung zwischen den Ländern: So geht es im Rastatter Schloss etwa um „Pariser Schuh und Badische Füß“ oder um die Welt des Champagners. Stelen an ausgewählten Stellen greifen landesweit auch in den bestehenden Ausstellungen deutsch-französische Aspekte auf und weisen auf passende Inhalte zum Themenjahr hin. „Wir verteilen kleine Blitzlichter“, beschreibt Hörrmann die Aufsteller.

Historisches auf Youtube

„Besucher, die das Schloss schon kennen, sollen neue Anlässe bekommen und den Ort anders erleben“, erläutert Frank Krawczyk, Leiter für Kommunikation bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg. Besonders Jugendliche und Schüler wolle man Spaß an der Historie vermitteln und besser erreichen – etwa mit kurzen Filmen auf Youtube. „Geschichte ist immer mit einem Augenzwinkern zu verstehen“, sagt er dazu. Janina Keller