Volumenreich in der Tongebung zeigte sich das Vocalensemble Rastatt unter der Leitung von Holger Speck bei der Festveranstaltung im Ahnensaal der Rastatter Barockresidenz. | Foto: Holbein

Festakt im Schloss

Rastatt: Jahresthema startet mit würdigem Auftakt

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Passender hätte das Motto im Jahr der Europawahl und der aktuellen Akzeptanz-Probleme Europas nicht sein können: „Ziemlich gute Freunde. Frankreich und der deutsche Südwesten“ hatten die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg (SSG BW) als Überschrift für das fünfte Themenjahr gewählt und mit dem Residenzschloss in Rastatt den adäquaten Eröffnungsort gewählt.

Von Martina Holbein

Als erstes der Barockschlösser am Oberrhein erbaute es Markgraf Ludwig Wilhelm im Stile von Versailles und eiferte damit seinem Patenonkel, dem Sonnenkönig Ludwig XIV., nach. Zudem hat es die mehr als drei Jahrhunderte seines Bestehens unbeschadet von Kriegen überstanden. Im Rastatter Schloss beendete 1714 der „Rastatter Friede“ den Spanischen Erbfolgekrieg und tagte das Tribunal Général nach Ende des Zweiten Weltkriegs, um in 20 Verfahren Kriegsverbrechen aufzuarbeiten.

„Te Deum“ eröffnet Festakt

Das „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier (die Eurovisionsmelodie), von der Empore des Ahnensaals mit der Trompete geblasen, eröffnete den Festakt zum Themenjahr mit geladenen Gästen aus Politik und Kultur, das die vielfältigen Beziehungen auf unterschiedlichsten Ebenen und Bereichen über die Jahrhunderte hinweg in Mittelpunkt stellt.

Hörrmann erinnert an gemeinsame Geschichte

Michael Hörrmann, Geschäftsführer der SSG BW, wünschte sich, dass die gemeinsame Geschichte präsent im Bewusstsein ist. Staatssekretärin Gisela Splett aus dem Stuttgarter Finanzministerium führte in einem geschichtlichen Abriss durch die wechselvolle Geschichte der benachbarten Staaten, die im Januar 2019 mit dem „Aachener Vertrag“ eine weitere Intensivierung erfahren haben. Dem politischen Signal folge der Ausbau der gesellschaftlichen und kulturellen Beziehungen über die Ländergrenzen hinweg.

Deutsch-französische Beziehungen

Das Themenjahr, so Catherine Veber, Generalkonsulin von Frankreich in Straßburg, war sich sicher, dass das Themenjahr den „Aachener Vertrag“ auf kultureller Ebene mit Leben füllen wird und sah die Vertiefung der deutsch-französischen Beziehungen als essenziell für die Verbesserung der EU. Das Beste zusammenfügen und sich um die Gegensätze bereichern sollte der Impuls für die Entwicklung der Beziehungen sein.

Jörg Peter plädiert für ein Mehr an Europa

Jörg Peter erinnerte als Erster Landesbeamter des Landkreises Rastatt an die 16.000 Grenzgänger täglich und plädierte für ein Mehr an Europa. Die Stadt Rastatt, so Oberbürgermeister Hans Jürgen Pütsch, pflege über die Jahrhunderte enge Verbindungen ins linksrheinische Elsass, habe nach dem Ende des Ersten Weltkrieges vielen elsässischen und lothringischen Familien eine neue Heimat geboten.

Marc Schnurr spricht über Kulturerbe

Welches gemeinsame, deutsch-französische Kulturerbe der Oberrhein hat, das arbeitete Marc Schurr, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Straßburg, beeindruckend heraus. Politische Grenzen seien hier nicht gleichbedeutend mit kulturellen Grenzen, vielmehr gebe es am Oberrhein ein starkes, gemeinsames Erbe, das in seiner grenzüberschreitenden Vielgestaltigkeit besonders sei.

Vocalensemble Rastatt tritt auf

Besonders auch der musikalische Beitrag des Vocalensembles Rastatt, das für seinen Auftritt drei Chansons von Claude Debussy nach Texten von Charles d’Orléans ausgewählt hatte und zwei Chöre von Camille Saint-Saens. Unverwechselbar der französische Stil, mit dem das Ensemble unter der Leitung von Holger Speck transparent im Zusammenklang und volumenreich in der Tongebung treffend die musikalischen Akzente des kulturellen Austausches setzte. Ein würdiger Auftakt, nachdem das Schloss seine Tore für Besucher öffnete und die Erinnerungsstätte mit der Präsentation der Rede von de Gaulle von 1962 ein besonderes Kapitel der deutsch-französischen Versöhnung präsentierte.