Ob die Sportflächen künftig gemeinsam genutzt werden, falls der FC Rastatt 04 und der Rastatter SC/DJK verschmelzen, bleibt ungewiss.
Ob die Sportflächen künftig gemeinsam genutzt werden, falls der FC Rastatt 04 und der Rastatter SC/DJK verschmelzen, bleibt ungewiss. | Foto: Collet

Zukunft der Sportvereine

FC Rastatt 04 steuert führungslos ins Ungewisse

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Am Ende herrschte totale Ratlosigkeit. Wie es weitergeht beim FC Rastatt 04 erscheint nach der höchst turbulenten, rund vierstündigen Jahreshauptversammlung ungewisser denn je. Dabei rückte das eigentliche Hauptthema der Versammlung – die mögliche Verschmelzung mit dem Rastatter SC/DJK  – eher in den Hintergrund. Denn: Überraschend erklärte Vorsitzender Holger Zimmer, für eine weitere Amtsperiode nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

In den vergangenen Monaten hatte Zimmer noch intensive Gespräche mit den Verantwortlichen des RSC/DJK über eine mögliche Fusion geführt und dabei auch schon Einigkeit erzielt (die BNN berichteten). „Es gab in den vergangenen Tagen aber so viele böse E-Mails, Beleidigungen und Beschimpfungen gegen mich, dass nun das Fass übergelaufen ist“, erklärte Zimmer.

Kein Nachfolger für Vorstand

Da sich bei den Neuwahlen kein Nachfolger für Zimmer fand, muss laut Satzung des FC 04 ein kommissarischer Vorstand für die Dauer von drei Monaten eingesetzt werden. Allerdings scheiterte auch dieses Vorhaben, denn unter den anwesenden 55 Mitgliedern fanden sich trotz ausgiebiger Debatten nicht die erforderlichen drei Personen, die einen solchen kommissarischen Vorstand bilden könnten.

Es geht um die Existenz des Vereins.

Zur Mitwirkung bereit war etwa 04-Urgestein Peter Ernst, doch trotz äußerst zähen Ringens blieben weitere entschlossene Unterstützer aus. „Es geht um die Existenz des Vereins“ appellierte auch der frühere Vorsitzende Peter Leist an die Mitglieder – aber seine Worte zeigten keine Wirkung. Der zweite Vorsitzende Mathias Berner, der nicht zur Wahl stand, wird nun voraussichtlich in den nächsten Tagen eine außerordentliche Jahreshauptversammlung einberufen, in der die weitere Vorgehensweise geklärt werden soll.

Verhandlungen sollen weitergehen

Wird dann ein neuer Vorstand gefunden, muss er die weiteren Gespräche über eine Verschmelzung mit dem RSC/DJK führen. Dass diese Verhandlungen fortgesetzt werden sollen, hatten die Mitglieder nach geheimer Abstimmung mit einer Mehrheit von 77 Prozent beschlossen. Eine offene Abstimmung war zuvor gescheitert, weil die Zahl der abgegebenen Stimmen nicht mit den im Raum anwesenden Mitgliedern übereinstimmte.

Noch spielt der FC Rastatt 04 in Gelb unter eigenem Vereinsnamen.
Noch spielt der FC Rastatt 04 in Gelb unter eigenem Vereinsnamen. | Foto: Collet

Umstrittenes Wahlergebnis

Aber auch das Ergebnis der geheimen Wahl wurde angezweifelt, weil bei der errechneten Zustimmung von 77 Prozent jene neun Mitglieder, die sich enthalten hatten, als „nicht anwesend“ gewertet wurden, was als rechtlich umstritten gilt. Von 53 Mitgliedern hatten 34 ihre Zustimmung signalisiert, zehn waren dagegen. Der als Rechtsbeistand bei der Versammlung weilende Rechtsanwalt Markus Merklinger hob im Vorfeld aus rechtlicher Sicht die Vorteile einer Verschmelzung nach dem Umwandlungsgesetz hervor, wonach der Rastatter SC/DJK den FC 04 aufnehmen müsste. Dabei wäre auch eine Satzungsänderung und ein neuer Vereinsname zu erarbeiten.

Ein Sport- und Freizeitzentrum.

Holger Zimmer hatte in seinem Geschäftsbericht zu Beginn der Versammlung nochmals vehement für eine Verschmelzung plädiert, gerade im Blick auf eine professionellere Verwaltung, auf Sponsoring, eine Konzentration der Kräfte und auch vor dem Hintergrund der Sportentwicklungsplanung der Stadt. „Hier im Süden soll ein Sport- und Freizeitzentrum entstehen, das neben dem Leistungssport Fußball und Breitensport auch den Freizeitbereich mit entsprechenden Angeboten beinhaltet“, sagte Zimmer.

Knappe „schwarze Null“

Das vergangene Geschäftsjahr sei knapp mit einer „schwarzen Null“ abgeschlossen worden, die Verbindlichkeiten des Vereins insgesamt bezifferte Zimmer auf rund 67 000 Euro. Gleichsam aus Protest verzichtete im Übrigen Ledim Ulusoy, neuer Vorsitzender des Rastatter Jugendfußballvereins (JFV), auf einen Bericht aus sportlicher Sicht über die Situation beim JFV. Statt dessen beklagte er die „miserable Wertschätzung“ der Stammvereine, wobei 17 Mannschaften im JFV aktiv und 32 Trainer und Betreuer engagiert seien.

RSC/DJK will Lage analysieren

„Wir sind uns sicher, dass wir es durchkriegen“, sagte ein erleichterter Hans-Georg Willaredt am Ende der Jahreshauptversammlung des Rastatter SC/DJK. Da wusste er noch nichts von den chaotischen Zuständen, bei der gleichzeitig stattfindenden Jahreshauptversammlung des FC Rastatt 04. Zuvor hatten die anwesenden Mitglieder beim RSC/DJK dafür gestimmt, sich mit dem FC zusammenzuschließen – zwar nur ein Absichtsvotum, aber eine Zustimmung von 100 Prozent. Aber was bringt dieses überragende Ergebnis jetzt noch?

Für uns muss es weitergehen.

„Für uns muss es weitergehen“, sagte Sport- und Finanzvorstand Matthias Dorsner am Tag nach der Abstimmung. Dass es bei den „Null-Vierern“ enger werden könnte, munkelte auch ein Mitglied des RSC/DJK bei der Jahreshauptversammlung am Montagabend. Am Donnerstag, so Dorsner, werde man die Lage im erweiterten Vorstand beraten.

Der Rastatter SC/DJK stimmt, noch im schwarzen Trikot, für eine Verschmelzung.
Der Rastatter SC/DJK stimmt, noch im schwarzen Trikot, für eine Verschmelzung. | Foto: Collet

Fragwürdige Basis

„Wir können nicht warten, bis der FC 04 seine Hausaufgaben macht“, betonte er. Festzuhalten sei aber auch, dass der FC 04 eine Zustimmung von 77 Prozent erreicht habe, was einen Zusammenschluss angehe. Man müsse ebenfalls erörtern, ob dies eine Basis ist, auf der man weitermachen könne und vor allem, mit wem man weitermacht.

Ich sehe momentan nicht, wer seine Funktion übernehmen könnte.

Mit dem zurückgetretenen Vorsitzenden des FC 04, Holger Zimmer, habe der RSC/DJK einen Ansprechpartner gehabt, mit dem man schon Ideen entwickelt habe. „Ich sehe momentan nicht, wer seine Funktion übernehmen könnte“, so Dorsner. Ein Zusammenschluss sei der einzig vernünftige Weg, erklärte RSC/DJK-Geschäftsführer Martin Braun am Montagabend.

Verein erwirtschaftet Plus

Die Wiederwahl des stellvertretenden Vorsitzenden Harald Schäfer geriet angesichts der Abstimmung der Verschmelzung beider Vereine beinahe zur Makulatur. Lichtblicke auf der einen Seite, dunkle Wolken am Horizont – so könnte man den Geschäftsbericht für das Jahr 2018 beschreiben, den Willaredt am Montag auch dafür nutzte, für den Zusammenschluss zu werben. Zwar habe der Verein im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Plus von rund 23 000 Euro erwirtschaftet und sei in ruhigerem Fahrwasser – die Gefahr einer Insolvenz wurde abgewendet – dennoch sei trotz restriktiver Ausgabenpolitik eine ausgeglichene Liquidität im Finanzplan für die Jahre 2020 und 2021 schwer herzustellen was, so Willaredt, „sich als existenzgefährdend darstellt.“

Finanzielle Ressourcen sind beschränkt

Die Kreditbelastung beläuft sich auf 83 000 Euro. Auch das laufende Budget sei noch nicht ausgeglichen. Der Verein verfüge nicht über die finanziellen Ressourcen, eine zukunftssichere Infrastruktur aus eigener Kraft aufzubauen. Ein Zusammenschluss könne diese Infrastruktur garantieren – auch die Stadt habe bei der Sportentwicklungsplanung ihre Unterstützung zugesagt.

Es ist keine Fusion, wir gründen keinen neuen Verein.

Bevor es zur Entscheidung kam, meldeten Mitglieder noch Gesprächsbedarf an. Was sei es denn nun, eine Fusion oder eine Verschmelzung? Matthias Dorsner brachte dahingehend Klarheit in die Angelegenheit. „Es ist keine Fusion, wir gründen keinen neuen Verein“, betonte er. Bei der Abstimmung gehe es um eine Neuaufnahme – der bestehende Verein firmiere nur neu.