Wie plant man eine klimaneutrale Stadt? Mit dieser Frage befassten sich Experten eines Fachforums im Landratsamt. Auch die Rastatter Innenstadt hat in den vergangenen Jahren ihr Gesicht verändert, unter anderem auf dem Hatz-Areal (links im Bild).
Wie plant man eine klimaneutrale Stadt? Mit dieser Frage befassten sich Experten eines Fachforums im Landratsamt. Auch die Rastatter Innenstadt hat in den vergangenen Jahren ihr Gesicht verändert, unter anderem auf dem Hatz-Areal (links im Bild). | Foto: pr

Experten planen

Rastatt will bis 2050 klimaneutral werden

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Wie kann eine Stadt klimaneutral geplant werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Experten der regionalen Energieagenturen und kommunale Vertreter bei einem Fachforum im Rastatter Landratsamt. Denn: Für das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2050 muss sich noch einiges tun.

Strom, Wärme und Verkehr sind die drei essenziellen Themen einer klimaneutralen Stadtplanung. Für das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2050 muss sich gerade im Bereich der Wärme-Versorgung noch einiges tun.

Eine wesentliche Rolle in der Wärme-Wende fällt den Kommunen zu. Deshalb hat der Regionalverband Mittlerer Oberrhein gemeinsam mit den Energieagenturen der Region das dritte Fachforum „CO2-freie Stadtplanung“ im Landratsamt Rastatt veranstaltet.

Der „Leitfaden für die Bauleitplanung“ soll Kommunen der Region bei einer nachhaltigeren Planung unterstützen und wurde zusammen mit praktischen Beispielen vorgestellt und diskutiert.

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Jetzt schon für die Zukunft planen

„Wir planen heute die Dinge, die 2050 stehen“, erklärte Gerd Hager, Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein. Um das Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 erreichen zu können, müsse man die Taktzahl deutlich erhöhen.

Alles, was jetzt geplant werde, müsse schon klimaneutral sein. Die Wärmeversorgung sei dabei jedoch noch ganz weit hinten, sagte Hager: „Da wurde in den letzten Jahren nicht dran gedacht.“

Doch gerade in den Städten gebe es unglaublich viel Wärme, man müsse sie nur richtig nutzen. Eine moderne Bauleitplanung müsse deswegen nicht mehr sektoral, sondern ganzheitlich arbeiten. Wichtig sei dabei der Dialog mit den Kommunen, die eine Schlüsselrolle in der Energiewende spielten.

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Kommunen brauchen eine praktische Handreiche

Die Nachfrage bei Mitgliedern der kommunalen Politik habe gezeigt, dass es dort vor allem an Bedarf an einer praktischen Handreiche gebe.

„Die wollten wir nicht einfach ausdenken und den Kommunen auf den Tisch legen, sondern gemeinsam ausarbeiten. Da ist viel Dynamik drin“, sagte Hager.

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Graben-Neudorf, Rheinstetten und Karlsruhe als positive Beispiele

Durch die Vorstellung der gelungenen Beispiele klimaneutraler Baugebiete in Graben-Neudorf und Rheinstetten wolle man die Kommunen ermutigen.

Dort habe man etwa zum nachhaltigen Bauen Leitfaden und Broschüren für die Investoren erstellt, sagte Birgit Schwegle von der Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe.

„Wo kommen Baumaterialien her und wie werden sie entsorgt? Wir haben jetzt schon eine Ressourcenknappheit bei Sand und Kies.“ Über diesen Kreislauf müsse man früher nachdenken. Auch die Gebäudehülle sei dabei zu berücksichtigen.

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Kreislauf von Herstellung und Entsorgung bedenken

Bei vielen hocheffizienten Gebäuden basierten die Materialien auf Erdöl. „Wie kann man es trennen, wie kann man es recyceln?“, nannte Schwegle wichtige Fragen. Auch hier müsse man sich stärker mit Herstellung und Entsorgung beschäftigen.

Mit gutem Beispiel voran geht auch der Stadtkreis Karlsruhe. Im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes 2020 habe sich Karlsruhe das wahrscheinlich ambitionierteste CO2-Minderungsziel deutschlandweit gesteckt, berichtete Dirk Vogeley von der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur.

Bis 2030 wolle man die Emissionen um knapp 60 Prozent reduzieren. „Das ist ein enormes Ziel. Dafür müssen wir sehr schnell die Weichen stellen“, so Vogeley.

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Thema betrifft auf lange Sicht alle Kommunen

Der Leitfaden für die Bauleitplanung sei dabei eines der Kernelemente. „Der Beratungsbedarf der Kommunen wird zunehmen“, sagte Hager.

Im künftigen Klimaschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg werde das Thema Wärmeleitplanung deutlich nach vorne treten und für größere Gemeinden zur Pflichtaufgabe werden. Aber auch kleinere Gemeinden müssten sich Gedanken machen: „Früher oder später kommt es auf alle zu.“