Handlungsstrang im Blick: Carolin Otterbach setzt als Autorin die Vorgaben der Redaktion um.
Handlungsstrang im Blick: Carolin Otterbach setzt als Autorin die Vorgaben der Redaktion um. | Foto: Kern

BNN-Gespräch

Rastatter Autorin schreibt für die Schwarzwaldserie „Die Fallers“

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Sie agieren ganz nah an der Lebenswirklichkeit des TV-Publikums und sind die wohl außergewöhnlichste deutsche Fernsehfamilie aller Zeiten. In diesem Jahr feiern „Die Fallers“ ihren 25. Geburtstag. Am 25. September 1994 startete die SWR-Schwarzwaldserie mit der Ausstrahlung der ersten Folge.

Von unserem Mitarbeiter Ralf Joachim Kraft

Inzwischen sind es mehr als 1000 Folgen, für die sechs bis sieben Autorinnen und Autoren die Drehbücher schreiben. Die gebürtige Rastatterin Carolin Otterbach, die seit vielen Jahren als Regisseurin, Autorin und Dozentin in München lebt, ist eine von ihnen. Seit dem Jahr 2011 bis jetzt hat die heute 56-Jährige etwa 30 Folgenbücher geschrieben, darunter auch die 1000. Folge, die im Februar gesendet wurde.

Einstieg auf Badisch

„Zu meinem ersten Auftrag als Drehbuchautorin für ,Die Fallers‘ kam ich, weil ich deren Chefredakteur im SWR getroffen habe, als der gerade eine neue Autorin suchte“, erzählt Otterbach im BNN-Gespräch. „Er wusste, dass ich bereits eine Komödie im ländlichen Umfeld geschrieben hatte und bot mir an, ein Shadow – also ein Probebuch – für die Serie zu verfassen. Dass ich in Rastatt aufgewachsen bin und mir die badische Mentalität und Mundart bestens vertraut sind, hat mir den Einstieg in die Serie sicher erleichtert.“

Drehbuch auf Basis des Plots

Wie Otterbach weiter erklärt, kreiert die Redaktion die Plots der Staffeln. Das heißt, sie entwickelt die fortlaufende Handlung aller acht Folgen, die gleichzeitig produziert werden, und gibt den Autorinnen und Autoren auf etwa zwei Seiten einen groben Umriss der jeweiligen Folge, auf dessen Basis diese dann ein rund 50-seitiges Drehbuch schreiben.

Bekannt aus dem Fernsehen: Der Fallerhof in Furtwangen bildet die Kulisse für die Serie „Die Fallers – Eine Schwarzwaldfamilie“. Die wöchentliche Seifenoper läuft im SWR.
Bekannt aus dem Fernsehen: Der Fallerhof in Furtwangen bildet die Kulisse für die Serie „Die Fallers – Eine Schwarzwaldfamilie“. Die wöchentliche Seifenoper läuft im SWR. | Foto: Nowak/dpa

Fallers als Abbild des normalen Lebens

Dabei dürfen sie ihrer Erzählfreude innerhalb eines abgesteckten Rahmens freien Lauf lassen. „Die Redaktion gibt uns dann dramaturgische Rückmeldung, denn sie trägt die Verantwortung dafür, dass der Handlungsfluss über die Folgen hinweg stimmig bleibt“, berichtet Otterbach. Das Konzept der Fallers sei die Abbildung des ganz normalen Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen.

Jeder kann sich darin wiederfinden.

„Das ist meiner Ansicht nach auch das Erfolgsrezept der Serie: Jeder kann sich darin wiederfinden.“ Familie, so führt sie weiter aus, sei für sie ohnehin ein höchst spannender Mikrokosmos, „denn die kann man sich ja nicht aussuchen.“ Wenn in diesem engen sozialen Gefüge die Interessen auseinandergehen, führe das schnell zu Konflikten und diese seien der Motor jeder guten Geschichte.

Filmprojekte in der Region

Familie sei im Übrigen auch das verbindende Element der Stoffe, die sie als Regisseurin (unter anderem „Hanna und die Bankräuber“ im Jahr 2009) interessieren. „Das Drehbuch einer Autorin, das ich hier im Badischen verfilmen möchte, handelt von einer Frau, die ihre Rolle als Mutter nicht annehmen kann“, berichtet Otterbach, die 1986 ihr Diplom in Kommunikationsdesign an der Fachhochschule des Saarlandes, der früheren Werkkunstschule in Saarbrücken, machte und 1998 ein Regiestudium an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München abschloss.

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Geschichte erzählt von Müttern

„Mutterschaft wird bei uns in Deutschland immer noch stark verklärt. Dass Frauen, die Kinder haben, auch eigenen Bedürfnissen nachgehen, gehört sich einfach nicht. Und wenn sie sich nicht um ihre Kinder kümmern können, egal aus welchem Grund, werden sie ausgegrenzt.“ Die Geschichte erzähle davon, wie junge Eltern Krisen überwinden, sie wolle Mut machen.

Mein Lieblingsort ist der Park des Schlosses Favorite.

Nach Rastatt, wo Otterbach mit zwei Schwestern im Elternhaus im Münchfeld aufgewachsen ist, kommt sie gern zu Besuch, „um Zeit mit meiner Familie zu verbringen oder Freundinnen und Freunde zu treffen.“ Ihre frühere Klasse am LWG veranstalte regelmäßige Treffen. Dadurch sei der Kontakt untereinander über die Jahre lebendig geblieben. „Mein Lieblingsort ist der Park des Schlosses Favorite, mit dem mich Kindheitserinnerungen verbinden und in dem wir immer wieder gern mit unseren beiden Töchtern spazieren gehen.“